Editionen, die Sie vielleicht verpasst haben

 
Françoise Pétrovitch
„Rougir“, deutsch „erröten“, so heißt eine ganze Serie von Siebdrucken der Künstlerin Françoise Pétrovitch. Mit der Grundfarbe Rot, einer Farbe, die Emotionen und Gefahr symbolisiert, wurde diese Arbeit gedruckt. Weiß ist die zweite Hauptfarbe des Bildes, nicht nur als Hintergrund.
Françoise Pétrovitch, Rougir (bronzage)
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Bianca Kennedy
Ist die Badewanne der letzte Ort des Rückzugs und der Kontemplation? Die transformierende Kraft des Wassers in der Wanne, die als Dreh- und Angelpunkt besonders in Filmen genutzt wird, fängt Bianca Kennedy mit ihrer Edition „Portraits of Taking a Bath in Movies“ ein. Denn im Film spielt die Badewanne und das, was in ihr passiert, eine besondere Rolle: als Ort von lebensverändernden Geheimnissen, von Mord und Totschlag oder auch als Beichtstuhl, in dem Verborgenes preisgegeben wird.
Jede der Zeichnungen leuchtet in feinen Linien die Besonderheiten dieses spezifischen Ortes aus und lässt durch den dynamischen Strich den Raum offen für das, was der Film auch leistet: nämlich für das Davor und Danach der Szenerie. Dargestellt ist nur ein Ausschnitt aus einem weitaus größeren Narrativ, der zugleich voller sozialer Kodierungen ist. Die Brushmarker-Farben verlaufen förmlich auf dem Papier, so als wären auch sie kurz in Wasser getaucht worden. Die im Alltag geforderte Eindeutigkeit weicht hier auf, und Räume, in denen alles möglich ist, werden eröffnet.
Bianca Kennedy, Serie
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Bianca Kennedy
Ist die Badewanne der letzte Ort des Rückzugs und der Kontemplation? Die transformierende Kraft des Wassers in der Wanne, die als Dreh- und Angelpunkt besonders in Filmen genutzt wird, fängt Bianca Kennedy mit ihrer Edition „Portraits of Taking a Bath in Movies“ ein. Denn im Film spielt die Badewanne und das, was in ihr passiert, eine besondere Rolle: als Ort von lebensverändernden Geheimnissen, von Mord und Totschlag oder auch als Beichtstuhl, in dem Verborgenes preisgegeben wird.
Jede der Zeichnungen leuchtet in feinen Linien die Besonderheiten dieses spezifischen Ortes aus und lässt durch den dynamischen Strich den Raum offen für das, was der Film auch leistet: nämlich für das Davor und Danach der Szenerie. Dargestellt ist nur ein Ausschnitt aus einem weitaus größeren Narrativ, der zugleich voller sozialer Kodierungen ist.
Bianca Kennedy, Serie
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Anna und Bernhard Blume
In der Fotoserie „Trautes Heim“ (1985‒1990) verliert die Hausfrau samt Hausrat ihren Halt. Hier fliegt erst das Küchenmobiliar wie von Geisterhand durch die Luft und später die Hausherrin vom Stuhl. Anna Blume, in grobgemustertem Kostüm und hausfraulicher Lockenperücke gekleidet, flog damals für diese ‚überirdische‘ Aufnahme tatsächlich durch das Kölner Atelier. Sie und ihr Mann Bernd Blume arbeiteten bei ihren oft waghalsigen Stunts nur mit einfachen Sicherungskonstruktionen, Halteseilen, Matratzen. Die ungewöhnlichen Kameraperspektiven und die Bildunschärfe ermöglichen dann die scheinbare Verselbstständigung der Dinge. Die Fotografien aus „Trautes Heim“ wirken mysteriös. Sie greifen dem voraus, was später durch Spezialeffekte im ‚digitalen Zeitalter’ zur Norm von Science Fiction & Mystery wird.
Anna und Bernhard Blume, aus der Serie: Trautes Heim
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Jack Pierson
„I have this fan relationship to showbiz.“ Jack Pierson hat ein Herz für Celebrities, weiß aber auch um die Risiken und die Vergänglichkeit von Ruhm. „I chose this old fan magazine as my book project because I like everything about it ‒ the design, the printing and the photography“, sagt der US-Künstler über sein Künstlerbuch „Stardust“, erschienen im Salon Verlag. „I love the subject matter ‒ the stars we remember and the ones we do not. Men, who obviously held a place for a while in the evanescence of Hollywood and youth. I seek to preserve, come what may, the ephemeral.“
Um die harten Bandagen und die Flüchtigkeit des Darsteller*innengewerbes weiß sicherlich auch Channing Tatum, der als Stripper begann, bevor er als Model entdeckt wurde und als Schauspieler Karriere machte. Der Sammleredition aus dem Jahr 2012 liegt zusätzlich zu dem Portrait des jungen Mannes, der da lässig an einer Motorhaube lehnt, ein Fotoporträt des im selben Jahr zum „Sexiest Man Alive“ gekürten Stars von Jack Pierson bei. Und auch wenn Tatum zu jenen gehört, die nicht vergessen worden sind: Über den Arbeiten von Pierson liegt oft der schöne Schatten der Melancholie. „One of the things that’s a disappointment to me about art is that it’s always a memory of something that happened.“ Doch mithilfe seiner Kunst kann man der Vergänglichkeit immer wieder für Momente entfliehen.
Jack Pierson, STARDUST (Exlibris Nr. 21)
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Miriam Jonas
„Lebst Du richtig?“ Kaum etwas ist wohl mehr dem Zeitgeist unterworfen als mögliche Antworten auf diese Frage. Sie ist auch der Titel eines Ratgebers zur geistigen und körperlichen Hygiene, der in den 50er Jahren publiziert wurde. Auf ihn stieß die Bildhauerin Miriam Jonas bei Recherchen für eine ortsspezifische Arbeit in einem Antiquariat in Bad Gastein. Gegenwärtig überstrapazierte Schlagworte wie Achtsamkeit und Verzicht werden sich höchstwahrscheinlich nicht darin wiederfinden.
Miriam Jonas, Lebst Du richtig?
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Christoph Niemann
Christoph Niemanns Tusche-Arbeit „The Highline at 15th Street“ entstammt seiner New Yorker Bilderreihe – und zeigt die ehemalige Güterzugtrasse, die sich heute begrünt als Park durch die Metropole zieht. Genauso verdichtet wie einladend wirkt seine ehemalige Wahlheimat hier. Mit zielsicher gesetzten und der Kraft des Weißraums vertrauenden Pinselstrichen skizziert Niemann eine Großstadtszene, in der jeden Moment das pulsierende Leben New Yorks Einzug erhalten könnte.
Christoph Niemann, The Highline at 15th Street (Unikat, Tusche auf Papier)
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Josh Klassman
Josh Klassman ist ein Insider, ein Skater, ein Fotograf. Er wuchs in Venice, dem westlichen Stadtteil von Los Angeles auf. Venice hat Kultstatus, Teenager aus aller Welt feiern mit Venice-Beach-T-Shirts den ewigen Sommer. Nicht weit vom Strand entfernt liegt der berüchtigte Venice Pavilion. Er war ab den 1970er Jahren nicht nur legendärer Skatepark, sondern auch ein gefährliches Pflaster mit täglichen Gang-Shootings. Hier verbrachte Klassman seine Jugend und dokumentierte mit seiner Nikon FM2 die Skate- und Surfszene der 80er und 90er Jahre. „My photos are an insiders perspective, I was a part of all you see, it was my everyday life.“ Klassmans Fotoarchiv aus analogen schwarz-weiß Bildern versammelt heute wertvolle Momentaufnahmen. Sie dokumentieren eine Zeit, in der aus Pionieren der Skateszene, wie beispielsweise Jay Adams, die ersten Profiskater wurden.
Josh Klassman, Bela Horvath, Surfstyle, Venice Pavilion (RIP), Venice Ca, Venice 1980s
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Walter Dexel
„Der Formsammler“ ‒ so übertitelte die Zeitschrift „Bauwelt“ 2015 ihren Artikel zur Retrospektive von Walter Dexel im Städtischen Museum Braunschweig. Denn Dexel war nicht nur ein gut vernetzter Maler und einflussreicher Designer und Werbegrafiker. Er legte in Braunschweig auch eine international renommierte und einzigartige Kollektion von Gebrauchsgegenständen aus Handwerk und Industrie an – sie wurde so etwas wie sein Lebenswerk. Er begann damit in der NS-Zeit, in der er eine ambivalente Rolle spielte: Dexels Kunst galt als „entartet“, er selbst aber als nationalbewusst. Zuvor hatte er als Leiter des Jenaer Kunstvereins Kontakte zur Avantgarde, zu den Dadaisten und zum Bauhaus, gepflegt und Werke von Oskar Schlemmer, Walter Gropius oder László Moholy-Nagy gezeigt. In Jena loben die Stadtwerke seit 1997 ein Walter-Dexel-Stipendium für junge KünstlerInnen und KunstvermittlerInnen aus.
Walter Dexel, Composition I
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Michael Triegel
Es war ein Porträt, das dem Künstler Michael Triegel internationale Bekanntheit bescherte: Im Jahr 2010 malte er, obwohl zu dieser Zeit selbst keiner Kirche zugehörig, Papst Benedikt XVI. und bekam dafür eine Audienz im Vatikan. Aber auch seine Version des Letzten Abendmahls – Jesus allein an der langen Tafel – erlangte große öffentliche Aufmerksamkeit. Die Bildideen von Triegel, der in der Lasurtechnik der alten Meister malt, speisen sich oft aus der christlichen Kunst und der Antike. So geht auch seine Lithografie „Zu Hanns Eisler ‚Faustus‘ III (Adam und Eva)“ zurück auf ein biblisches Motiv. In dem Zyklus, zu dem diese Grafik gehört, verbildlicht Triegel die Visionen des Johann Faustus aus Eislers gleichnamigem Opernfragment.
Michael Triegel, Zu Hanns Eisler „Faustus“ III (Adam und Eva)
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Carlos Cruz-Diez
I am 94. I am a man of my time, I am not of the past.“ Das sagte Carlos Cruz-Diez (1923‒2019), Pionier der kinetischen, auf Beweglichkeit bzw. Bewegung beruhenden Kunst, noch im hohen Alter – und sein Schaffen zeugt davon. Schon in der Kunsthochschule fragte sich Cruz-Diez, der in der Folge einer der prominentesten lateinamerikanischen Künstler der jüngeren Moderne werden sollte, warum alle mit denselben Materialien arbeiteten. Er selbst wollte weg von der traditionellen Malerei. Während diese „eine Erinnerung“ repräsentierten, hoffte er darauf, in seinen Werken „die Gegenwart“ zu zeigen.
Carlos Cruz-Diez, Couleur Additive 2
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Joel Meyerowitz
Joel Meyerowitz zählt zu den bedeutendsten Mitbegründern der „Street Photography“ und der „New Color Photography“. Seit 1962 fotografiert er in Farbe ‒ seinerzeit ein Novum, denn nur die Schwarz-Weiß-Fotografie war damals als Kunst anerkannt. Gegenstand von Meyerowitz‘ Momentaufnahmen war das pulsierende Leben auf den Straßen New Yorks. Bis heute prägen seine Fotografien unser Bild von der amerikanischen Metropole. „Farbe hatte mehr beschreibende Kraft als Schwarz und Weiß. Ich verstand es als eine Erweiterung der Bandbreite von Inhalten und Emotionen“, hat Meyerowitz seine Entscheidung erläutert.
Als 2001 die Türme des World Trade Centers einstürzten, verschaffte sich der Fotograf Zugang zum tagelang abgesperrten Gelände und fotografierte das rauchende Trümmerfeld. Auch diese dramatischen Bilder haben sich in das kollektive visuelle Gedächtnis in Bezug auf New York eingeschrieben.
Joel Meyerowitz, Morandi’s Objects. Pitcher
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Paul Hutchinson
Hutchinson entwickelt Großstadtgeschichten von großer narrativer Kraft, die dabei aber nur einen Ausgangspunkt für eine mögliche Weiter-Erzählung und deren Wendungen bilden. Der Faltenwurf auf dem C-Print „Hoodie, green glow“ wird so zum Ausdruck einer inneren Haltung, Sinnbild einer Emotion. Doch die Fotografien betören uns auch allein im Hinblick auf ihre visuelle Form: durch ebenjenes leuchtende Grün, den Glanz einer Silberfolie oder die Reflexionen einer roten Synthetikjacke. „Eine Art bittersweetness und Poesie“ wohne seinen Werken inne, sagt Hutchinson, andere nennen es auch: Magie.
Paul Hutchinson, Hoodie, green glow
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Heinrich Heidersberger
Ich habe eine Abneigung gegen Gebrauchsanweisungen.“ Das sagte der Fotograf Heinrich Heidersberger einst über sich. Vielleicht strotzen die technisch ausgefeilten und perfekt inszenierten Arbeiten des großen Dokumentaristen der Nachkriegsmoderne gerade deswegen nur so vor Experimentierfreude und erstaunlichen Kompositionsideen. Seine Edition „Kleid aus Licht” aus dem Jahr 1949 zeugt davon. Berühmt sind auch seine „Blicke von oben“ wie etwa das 1935 in Kopenhagen entstandene Bild der Fahrradkuriere auf der Laederstraede.
Heinrich Heidersberger, VW Bad Wolfsburg, 1961
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Jenny Holzer
Da flackert nichts. Mit farbenreichen LED-Schriftbändern hat die New Yorker Konzeptkünstlerin Jenny Holzer Weltruhm erlangt, doch hier ruhen große rote Lettern auf gelbem Grund.
„YOU CAN WATCH PEOPLE ALIGN THEMSELVES WHEN TROUBLE IS IN THE AIR. SOME PREFER TO BE CLOSE TO THOSE AT THE TOP AND OTHERS WANT TO BE CLOSE TO THOSE AT THE BOTTOM. IT’S A QUESTION OF WHO FRIGHTENS THEM MORE AND WHOM THEY WANT TO BE LIKE.” Dieser Gedankensplitter, in Form eines Kupferdrucks auf Büttenpapier gebracht, ist Teil der „Living Series” (1980–82), in der die 63-Jährige Beobachtungen sozialer Phänomene beschreibt. Sie bemüht sich darin wie stets um eine moderate Sprache, und doch gerät der Leser ins Wanken, weil er in einen Strudel von Fragen gerät: Bin ich ein Hin- oder Weggucker? Warum verstecke, wovor fürchte, nach welchem Ich sehne ich mich? Die Harmlosigkeit, die eine Alltagssituation zunächst verspricht, gerät so leicht aus den Fugen.
Jenny Holzer, Selection from Living 1980–82
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Salvador Dalí
Als Dalís Lithografie „The Path to Wisdom (Drawer)” 1978/79 gedruckt wurde, war der exzentrische Künstler bereits Mitte 70 – und hatte längst zum katholischen Glauben gefunden. Was zeigt uns diese rätselhafte Szene vor dem Felsen in karger Landschaft? Ein gottähnliches Wesen, einen alten – dem Künstler selbst verwandten – Mann? Die Schublade ist ein sprechendes Motiv, verkörperte sie für Sigmund Freud doch die verdeckte Sexualität der Frau. In den Werken Dalís tauchen Schubladen immer wieder auf. Ihr leicht geöffneter Zustand könnte ein Hinweis darauf sein, dass ihre Geheimnisse gelüftet sind - und nichts mehr zu befürchten ist. Aber was hatte Dalí schon zu befürchten? Hat er sich doch am am Ende seiner Tage selbst „der Göttliche“ genannt.
Salvador Dalí, Retrospective - The Path to Wisdom (Drawer)
Vergriffen
Tal R
Als „Kolbojnik“ beschreibt der Künstler Tal R den Stoff, aus dem seine Werke sind. Das hebräisch-jiddische Wort steht für den gemeinsamen Abfalleimer im Kibbuz, und der in Israel geborene Däne deutet damit an, dass es eine große Bandbreite an Themen ist, die er in seinen Arbeiten „recycelt“. Tal R bewegt sich auf den Feldern der Malerei und der Installation ebenso wie auf denen der Mode oder der Skulptur; er bedient sich populärer Sujets wie des Comics, der Videospielästhetik und der Musik. Gleichzeitig leuchten immer wieder Momente der Kunstgeschichte auf.
Tal R, Deaf Institute
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Günther Uecker
Günther Uecker zählt zu den wichtigsten Nachkriegskünstlern Deutschlands überhaupt. 1961 wurde er Mitglied der von Heinz Mack und Otto Piene kurz zuvor gegründeten Gruppe ZERO und wandte sich daraufhin verstärkt der Lichtkunst zu. Wenige Jahre später, 1970, war er neben Karl-Georg Pfahler, Mack und Thomas Lenk deutscher Vertreter auf der Biennale in Venedig. Seine Hauptwerke, wie etwa seine genagelten Reliefs, werden heute am Kunstmarkt auf eine halbe Million Euro oder mehr taxiert.
Günther Uecker, Lesioni - Legami
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Stefan Marx
„Ich wollte immer die visuelle Seite meiner Lieblingskultur mitgestalten.“ Das war der Teenagertraum von Stefan Marx, Künstler und Designer, der tief in der Skateboarder-Szene verankert ist. Bereits mit 16 Jahren gründete er sein eigenes T-Shirt-Label und brachte Zines in kleinen Auflagen heraus. Heute wird er heftigst umworben, sei es von Plattenfirmen, Verlagen oder Galerien. In Hamburg studierte er Typografie. Marx spricht von sich am liebsten als Zeichner. „Eine bewusste Entscheidung, Künstler zu werden, habe ich immer noch nicht getroffen“, sagt er. Es ist ihm wichtig, die Kunstwelt regelmäßig auch wieder verlassen zu können. Der Zauber seiner Arbeiten liegt im Alltäglichen, das sie verhandeln.
Stefan Marx, Feelings aren't final
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Marcel Dzama
Marcel Dzama ist bekannt für seine detaillierten, feingliedrigen Zeichnungen. Gedämpfte Farben, obskure Figuren, erotische Motive und psychosexuelle Themen machen das Werk des kanadischen Künstlers unverkennbar. Dzama, der 1974 in Winnipeg geboren wurde, arbeitet darüber hinaus mit Skulptur, Malerei und Video. Er wird in New York und London von David Zwirner vertreten, einem der wichtigsten Galeristen weltweit.
Marcel Dzama, Opposition and Sister, Squares Reconciled Ex Libris Nr. 20
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François Morellet
„Recso-Verto 45°“, ein Siebdruck von 2011 von François Morellet, hat sich der formalen Strenge und der festgelegten Systematik verschrieben. Die schwarzen Linien fließen scheinbar ins Unendliche. Auf dem weißen Bildfeld suggerieren sie ihre Wiederholung. Doch aufgepasst: Nach der Krümmung öffnet sich die Linie zur Wand, ihr Strich wird breiter. Der versteckte Witz, der Clou dieser minimalistischen Wandarbeit liegt in einer optischen Täuschung. Das Werk löst sich links. Was ist hier Wand, was Werk? „Recso-Verto 45°“ hält für uns einen Knick in der Optik bereit!
François Morellet, Recso-Verto 45°
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Rosemarie Trockel
Sie ist eine der bedeutendsten und vielseitigsten deutschen KünstlerInnen überhaupt: Rosemarie Trockel, die in den 70er Jahren erst Anthropologie, Theologie und Mathematik studierte, bevor sie zum Kunst- und Designstudium nach Köln wechselte, fertigt Skulpturen, Zeichnungen, Installationen und Objekte, die aus dem Rahmen fallen – unvorhersehbar, rätselhaft und lebendig.
Rosemarie Trockel, Ohne Titel
Auf Anfrage
Lars-Gunnar Nordström
Lars-Gunnar Nordström war ein finnischer Maler, Grafikdesigner, Bildhauer und Jazzliebhaber. 1924 geboren, arbeitete er über Jahrzehnte an seinem künstlerischen Werk, bevor er 2014 im hohen Alter von 90 Jahren starb. Als Pionier der Konkreten Kunst in Finnland schuf Nordström ein Œuvre aus streng komponierten Formen und Farben. Musik war dabei eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen.
Lars-Gunnar Nordström, Composition
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Jiří Georg Dokoupil
Über 100 verschiedene Stile und Techniken werden Jiří Georg Dokoupil von der Kunstwelt zugeschrieben. Er selbst meinte schon 1992, eine Retrospektive seines Werkes werde einmal aussehen wie eine Gruppenausstellung von 20 Malern. Dies hat sich inzwischen bewahrheitet: Große Soloausstellungen in den Hamburger Deichtorhallen oder im Museo Nacional Reina Sofia in Madrid sind der eindrucksvolle Beleg dafür.
Jiří Georg Dokoupil , Köpfe
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Dorothy Iannone
Welche Antwort gibt man auf diese Frage: „Doesn't everyone make mistakes in September?" Auf 2014 datiert ist diese Edition in Schwarz-Weiß. Die Originalzeichnung entstand bereits 1976. Damals zeichnete Dorothy Iannone das Motiv auf eine Postkarte. Noch im selben Jahr gab die in Boston, Massachusetts, geborene Künstlerin ihrem Leben eine neue Richtung und ging mit einem DAAD-Stipendium nach Berlin. Dort lebt sie bis heute. Neben dem ironisch anmutenden Text der Zeichnung fällt Iannones explizite Bildsprache ins Auge, ein Mix aus Comic-Ästhetik und tantrischer Malerei bzw. buddhistischer Motivik. Letztere entdeckte die Künstlerin auf ihren Auslandsreisen.
Weibliche Sexualität, freie Liebe: Iannones Kunst der Kompromisslosigkeit verweigert bereits seit den 1960er Jahren die Zensur. In Gemälden, Texten, Bilderzählungen und Filmen kämpft sie für die Emanzipation. Ihr Werk dreht sich um die sexuelle, aber auch intellektuelle Unabhängigkeit der Frau und ihrer Gleichheit im Verhältnis zum Mann.
Dorothy Iannone, Doesn’t Everyone Make Mistakes in September?
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Michael Sailstorfer
Eine seiner frühesten Arbeiten verwirklichte Michael Sailstorfer noch ohne Auftraggeber: Er stattete Wartehäuschen an Bushaltestellen in seiner bayrischen Heimat mit Betten, Kochstellen, Tischen, Stühlen und Toiletten aus und nannte seine Installationen „Wohnen mit Verkehrsanbindung“. Und schon sie verweisen auf zwei wichtige Komponenten seiner Arbeitsweise: die Lust an der Umwandlung von Alltagsobjekten und Humor.
Michael Sailstorfer, P 99
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Hanne Darboven
Schon morgens um vier Uhr saß Hanne Darboven in ihrer Schreibstube, um erst am Mittag den Griffel aus der Hand zu legen. Für die Künstlerin war das Leben eine von Stundenplänen geregelte „Hausaufgabe“, unter die man abends ein Häkchen setzt. Aus dieser Disziplin entstand ein anspruchsvolles Werk, das man näherungsweise als künstlerisches Schreibwerk, als bildende Kunst und als minimalistische musikalische Kompositionsarbeit bezeichnen könnte. Das Thema „Stundenplan“ ist auch in „Theatre“ deutlich sichtbar. Täglich führte Darboven mit einer Gründlichkeit, die gleichermaßen grandios, einschüchternd wie furchterregend ist, Buch.
Hanne Darboven, Theatre
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Victor Vasarely
Sein malerisches Schlachtfeld war die geometrische Abstraktion. Und ihr fügte Victor Vasarely durch raffinierte Raumsuggestionen eine entscheidende Komponente hinzu: den optischen Effekt. Deshalb gilt der in Ungarn geborene Künstler (1908‒1997) als Vater der sogenannten Op-Art. Diese fordert uns mit wahrnehmungspsychologischen Wirkungen von Bildmustern heraus, löst Bewegungs- oder Flimmereffekte auf der Netzhaut aus. In die Kunst Vasarelys flossen auch seine Erfahrungen als Grafiker ein. Für die Olympiade in München 1972 entwarf er das offizielle spiralenförmige Logo. Und auch die Raute von Renault entstammt seinem Zeichenblock. Von 1955 bis 1968 waren seine Arbeiten regelmäßig auf der Kasseler Documenta zu sehen. Vasarely gründete im Jahr 1976 die Fondation Vasarely in Aix-en-Provence. In seiner Geburtsstadt Pécs eröffnete 1976 das Vasarely-Museum. Ein weiteres folgte 1987 in Budapest.
In 2018 / 2019 zeigt das Städel Museum in Frankfurt eine Retrospektive des Künstlers.
Victor Vasarely, Voeroech
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Louise Bourgeois
Louise Bourgeois eine Grande Dame der zeitgenössischen Kunst zu nennen, ist nicht zu hoch gegriffen, schließlich stellte die 2010 mit 98 Jahren verstorbene Künstlerin in den großen Museen weltweit aus. 1983 richtete ihr das Museum of Modern Art in New York als erster Künstlerin eine Einzelausstellung aus. Ihre Skulpturen und Installationen aus Bronze und Marmor, Gips, Latex und Textilien erzielen Höchstpreise – sie gilt als eine der teuersten Künstlerinnen der Gegenwart überhaupt. Und doch trifft die Würdigung nicht ganz: Denn bis zuletzt verweigerte sich die geborene Französin, die ab 1938 in New York lebte, dem Gesetzten, Damenhaften. Im Rahmen der legendären Salons in ihrem Atelier in Chelsea suchte sie noch in hohem Alter den Austausch mit jungen Künstlern.
Sie blieb eine Fragende, die in ihrer autobiografisch motivierten Kunst Angst, Hass, Wut und vor allem ihre traumatischen Kindheitserinnerungen thematisierte. Welche Grande Dame ließe sich von Robert Mapplethorpe porträtieren, verschmitzt lächelnd im Fellmantel mit übergroßem Phallus unter dem Arm? Eben. Und so können wir Louise Bourgeois in Erinnerung behalten als weise alte Frau mit großem Humor, die uns gelehrt hat, dass Schmerz und Tod zum Leben gehören und das Fragen niemals endet.
Louise Bourgeois, The Reticent Child
Auf Anfrage