Editionen, die Sie vielleicht verpasst haben

 
Ute Essig
We Can Be Heroes” ist ein zeitgenössisches Werk, das in einer altmodischen Handwerkskunst gefertigt wurde. Ein Grund, genauer hinzuschauen: „We Can Be Heroes“ (2012) ist eigentlich ein Graffitispruch von einer Hauswand in Berlin-Kreuzberg; die Künstlerin Ute Essig hat ihn und weitere Sprüche im urbanen Raum für ihre Serie „Stadtgespräche“ fotografiert und als Stickwerk mit Nadel und Garn auf feinem, handgeschöpftem Papier ausgeführt. Der Kontrast zwischen der Inspiration durch die Vorlage und der Umsetzung im Werk könnte kaum größer sein. Der Schriftzug in Rot-Orange ist zwar lesbar, bleibt jedoch im Hintergrund. Das liegt an der besonderen Gestaltungsweise Essigs im Umgang mit dem Garn: Weder die Anfangs-, noch die Endfäden werden auf der Rückseite des Papiers, wie man vermuten würde, säuberlich versteckt, vielmehr verdecken sie im Bildvordergrund teilweise die Sprachbotschaft und machen aus dem Text ein Bild. Das nennt man dann Konkrete Poesie!
Ute Essig, We Can Be Heroes
Vergriffen
Salvador Dalí
Als Dalís Lithografie „The Path to Wisdom (Drawer)” 1978/79 gedruckt wurde, war der exzentrische Künstler bereits Mitte 70 – und hatte längst zum katholischen Glauben gefunden. Was zeigt uns diese rätselhafte Szene vor dem Felsen in karger Landschaft? Ein gottähnliches Wesen, einen alten – dem Künstler selbst verwandten – Mann? Die Schublade ist ein sprechendes Motiv, verkörperte sie für Sigmund Freud doch die verdeckte Sexualität der Frau. In den Werken Dalís tauchen Schubladen immer wieder auf. Ihr leicht geöffneter Zustand könnte ein Hinweis darauf sein, dass ihre Geheimnisse gelüftet sind - und nichts mehr zu befürchten ist. Aber was hatte Dalí schon zu befürchten? Hat er sich doch am am Ende seiner Tage selbst „der Göttliche“ genannt.
Salvador Dalí, Retrospective - The Path to Wisdom (Drawer)
Vergriffen
Tal R
Als „Kolbojnik“ beschreibt der Künstler Tal R den Stoff, aus dem seine Werke sind. Das hebräisch-jiddische Wort steht für den gemeinsamen Abfalleimer im Kibbuz, und der in Israel geborene Däne deutet damit an, dass es eine große Bandbreite an Themen ist, die er in seinen Arbeiten „recycelt“. Tal R bewegt sich auf den Feldern der Malerei und der Installation ebenso wie auf denen der Mode oder der Skulptur; er bedient sich populärer Sujets wie des Comics, der Videospielästhetik und der Musik. Gleichzeitig leuchten immer wieder Momente der Kunstgeschichte auf.
Tal R, Deaf Institute
Auf Anfrage
Kottie Paloma
„I am a very reactionary person. One song or a conversation or the way a person talks or laughs can inspire me.“ Fast ungefiltert, unverbraucht, wie lässig hingeworfen wirkt das, was schließlich Eingang findet in Kottie Palomas Malereien, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen oder Bücher. Die Herangehensweise des US-amerikanischen Künstlers mag impulsiv und intuitiv sein. Doch sie ist keineswegs flüchtig, auch wenn sie auf Momenten fußt. Über 250 Gesichter porträtierte er in seiner Serie „Daily Strangers“, Gesichter von Menschen, die ihm immer wieder begegneten in den Straßen von San Francisco, den U-Bahnen in New York oder den vollgestopften Schnellstraßen von Los Angeles – seiner Heimatstadt, in der der Künstler heute wieder lebt. Als „die dunklere Seite des Pop“ beschreiben Sammler seine Kunst.
Kottie Paloma, Animal 2017
Vergriffen
Kottie Paloma
„I am a very reactionary person. One song or a conversation or the way a person talks or laughs can inspire me.“ Fast ungefiltert, unverbraucht, wie lässig hingeworfen wirkt das, was schließlich Eingang findet in Kottie Palomas Malereien, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen oder Bücher. Die Herangehensweise des US-amerikanischen Künstlers mag impulsiv und intuitiv sein. Doch sie ist keineswegs flüchtig, auch wenn sie auf Momenten fußt. Über 250 Gesichter porträtierte er in seiner Serie „Daily Strangers“, Gesichter von Menschen, die ihm immer wieder begegneten in den Straßen von San Francisco, den U-Bahnen in New York oder den vollgestopften Schnellstraßen von Los Angeles – seiner Heimatstadt, in der der Künstler heute wieder lebt. Als „die dunklere Seite des Pop“ beschreiben Sammler seine Kunst.
Kottie Paloma, The Hill 2017
Vergriffen
Katharina Ziemke
Alltagsfotografien, politische und gesellschaftliche Ereignisse, Kriegs- und Pressebilder oder auch Filmstills – vielschichtig sind die Bilder, auf die Katharina Ziemke im Internet stößt. Doch sie bilden nur den Ausgangspunkt für die umfassende Aneignung der abgebildeten Szenen durch die Künstlerin. Ihr Vorgehen ist nicht von Inhalten geleitet, sondern intuitiv. Und manchmal kippt dabei das vorher Konkrete fast in die Abstraktion.
Mit ihrer handsignierten Lithografie „Owl Café“ aus dem Jahr 2019 weckt Ziemke Zweifel: Was an der Straßenszene ist real, was als künstlerische Fantasie hinzugefügt? Mit dieser Ambiguität befasst sich die Künstlerin in ihren Werken intensiv. Entscheidend ist dabei aber nicht der Abgleich mit der Wirklichkeit, sondern die Öffnung, die dadurch entsteht. Wenn das hier möglich ist, was dann noch? Betrachtet man Ziemkes Werke auf diese Weise, werden sie zum Ausgangspunkt für Möglichkeits(t)räume und Utopien.
Katharina Ziemke, Owl Café
Bestellbar
Günther Uecker
Günther Uecker zählt zu den wichtigsten Nachkriegskünstlern Deutschlands überhaupt. 1961 wurde er Mitglied der von Heinz Mack und Otto Piene kurz zuvor gegründeten Gruppe ZERO und wandte sich daraufhin verstärkt der Lichtkunst zu. Wenige Jahre später, 1970, war er neben Karl-Georg Pfahler, Mack und Thomas Lenk deutscher Vertreter auf der Biennale in Venedig. Seine Hauptwerke, wie etwa seine genagelten Reliefs, werden heute am Kunstmarkt auf eine halbe Million Euro oder mehr taxiert.
Günther Uecker, Lesioni - Legami
Auf Anfrage
Friedrich Kunath
Friedrich Kunaths Werk ist getragen von Poetik, Melancholie, Ironie, Absurdität und Existenzialismus. Das Gewöhnliche spielt ebenso wie das Erhabene eine Rolle in seiner Kunst. Selbstbewusstsein und Zweifel widersprechen sich bei Kunath nicht. Seine Ausdrucksweise in Malerei, Zeichnung, Objektkunst, Fotografie, Video- sowie Mixed-Media-Installation und Performance ist immer überraschend und unendlich reich an Ideen. Seine Rauminszenierungen wirken oft befremdlich, verbinden das scheinbar Unvereinbare miteinander.
In der internationalen Kunstszene ist Kunath seit den späten 1990er Jahren erfolgreich und berühmt. Er wurde 1974 in Chemnitz geboren und wuchs in Ost-Berlin auf. Bei Walter Dahn studierte er an der Hochschule für Bildende Künste, heute lebt und arbeitet er in Los Angeles. 2012 erhielt er den renommierten Sprengel-Preis für Bildende Kunst.
Friedrich Kunath, I don't worry anymore
Vergriffen
Stefan Marx
„Ich wollte immer die visuelle Seite meiner Lieblingskultur mitgestalten.“ Das war der Teenagertraum von Stefan Marx, Künstler und Designer, der tief in der Skateboarder-Szene verankert ist. Bereits mit 16 Jahren gründete er sein eigenes T-Shirt-Label und brachte Zines in kleinen Auflagen heraus. Heute wird er heftigst umworben, sei es von Plattenfirmen, Verlagen oder Galerien. In Hamburg studierte er Typografie. Marx spricht von sich am liebsten als Zeichner. „Eine bewusste Entscheidung, Künstler zu werden, habe ich immer noch nicht getroffen“, sagt er. Es ist ihm wichtig, die Kunstwelt regelmäßig auch wieder verlassen zu können. Der Zauber seiner Arbeiten liegt im Alltäglichen, das sie verhandeln.
Stefan Marx, Feelings aren't final
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Robert Indiana
Er war einer der Hauptvertreter der amerikanischen Pop-Art. Robert Indiana wurde 1928 unter dem bürgerlichen Namen Robert Clark in New Castle, Indiana, geboren. Bekannt wurde er durch seine Textbilder. Sein Buchstabenwerk „LOVE“ (1966) hat ihn weltweit berühmt gemacht. Angeregt wurde die Idee zu „LOVE“ vom New Yorker Museum of Modern Art, das Indiana im Jahr 1965 darum bat, eine Weihnachtsgrußkarte zu gestalten. Erst später entstanden seine LOVE-Walls und LOVE-Skulpturen. Die schablonenhafte Schrift, adaptiert von der kommerziellen Schildermalerei, wurde zum Leitmotiv all seiner „Sign-Paintings“. Sie sind auch gestaltgebend in der vorliegenden Edition.
Robert Indiana, Polygon Square
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Anton Stankowski
Ein Quadrat – oder doch keines? Vier Farben oder doch viel mehr? Die Formensprache in dieser Edition ist klar, denkbar einfach. Und doch sieht man zweimal, dreimal hin, um die Grafik zu erfassen. Anton Stankowski gelingt es wie kaum einem anderen, die Wirkung von Farbe, Strich und Form bewusst einzusetzen und mit minimalen Mitteln ein kraftvolles Bild zu erschaffen. Und so wie in der Sprache ein Wort erst durch seine Stellung, grammatikalische Form und im Kontext mit anderen Wörtern Sinn ergibt, so erschließt sich in Stankowskis Kunst die Bedeutung eines Bildelements erst aus der Ordnung des ganzen Werks. Es waren vor allem die Jahre zwischen den beiden Weltkriegen, in denen sich – neben Stilrichtungen wie dem Surrealismus, der Neuen Sachlichkeit, dem Spätimpressionismus – das Interesse vieler Künstler, so auch Stankowskis, auf diese Satzlehre der Bildsprache richtete.
Anton Stankowski, Ohne Titel
Vergriffen
David Shrigley
„Particles of Truth“ (2018) passt gut zur derzeitigen Winterstimmung. Funkelnde Sterne am nachtklaren Himmel setzen in Ersterem den von Hoffnungen getränkten Gedankenfluss am Jahresanfang in Gang. Nicht minder poetisch ist David Shrigleys anderes Werk „Moon“. Auch hier wirkt das Tiefschwarz der Nacht magisch. Das Auge folgt der weißen Linie hinein ins Innere des Bildes. Der Wunsch, auf dem Mond zu landen, wird von Millisekunde zu Millisekunde stärker. Shrigley heißt in diesen beiden im Linolschnitt gefertigten Bildern die Nacht willkommen.
David Shrigley, Particles of Truth
Auf Anfrage
Rosemarie Trockel
Sie ist eine der bedeutendsten und vielseitigsten deutschen KünstlerInnen überhaupt: Rosemarie Trockel, die in den 70er Jahren erst Anthropologie, Theologie und Mathematik studierte, bevor sie zum Kunst- und Designstudium nach Köln wechselte, fertigt Skulpturen, Zeichnungen, Installationen und Objekte, die aus dem Rahmen fallen – unvorhersehbar, rätselhaft und lebendig.
Rosemarie Trockel, Ohne Titel
Auf Anfrage
Lars-Gunnar Nordström
Lars-Gunnar Nordström war ein finnischer Maler, Grafikdesigner, Bildhauer und Jazzliebhaber. 1924 geboren, arbeitete er über Jahrzehnte an seinem künstlerischen Werk, bevor er 2014 im hohen Alter von 90 Jahren starb. Als Pionier der Konkreten Kunst in Finnland schuf Nordström ein Œuvre aus streng komponierten Formen und Farben. Musik war dabei eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen.
Lars-Gunnar Nordström, Composition
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Miriam Vlaming
Miriam Vlaming ist es gelungen, einen festen Platz als Malerin in der männlich dominierten Kunstwelt einzunehmen. Von Arno Rink, deren Meisterschülerin sie an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchdruck in Leipzig war, lernte sie, dass „Kunst machen“ eine Haltung ist, die nicht nach getaner Arbeit abgelegt werden kann.
Miriam Vlaming, Berlin Babylon Girl
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Françoise Pétrovitch
„Rougir“, deutsch „erröten“, so heißt eine ganze Serie von Siebdrucken der Künstlerin Françoise Pétrovitch. Mit der Grundfarbe Rot, einer Farbe, die Emotionen und Gefahr symbolisiert, wurde diese Arbeit gedruckt. Weiß ist die zweite Hauptfarbe des Bildes, nicht nur als Hintergrund.
Françoise Pétrovitch, Rougir (bronzage)
Bestellbar
Françoise Pétrovitch
„Rougir“, deutsch „erröten“, so heißt eine ganze Serie von Siebdrucken der Künstlerin Françoise Pétrovitch. Mit der Grundfarbe Rot, einer Farbe, die Emotionen und Gefahr symbolisiert, wurde diese Arbeit gedruckt. Weiß ist die zweite Hauptfarbe des Bildes, nicht nur als Hintergrund.
Françoise Pétrovitch, Rougir (coulures)
Bestellbar
Geneviève Claisse
Die Französin Geneviève Claisse (*1935) starb in 2018 im Alter von 83 Jahren. Sie war die Grande Dame der geometrischen Abstraktion. Claisse studierte an der École des Beaux-Arts in Paris. Ihre erste Ausstellung hatte sie 1960, in der Folge wurde ihr Œuvre weltweit in Museen und Galerien gezeigt. Herausragend ist die Stabilität im Schaffen der Malerin, auf ihr Werk ist Verlass. Stets herrscht ein Ungleichgewicht der Formen, die auf einen makellosen Farbauftrag treffen. Bei Claisse wird die Farbfläche lebendig, die Künstlerin war immer auf der Suche nach Bewegung. Insbesondere kommt diese Suche in ihren dreidimensionalen Arbeiten zum Ausdruck.
Geneviève Claisse, Composition géometrique
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Ralph Gibson
Der Amerikaner Ralph Gibson ist ein gefeierter Fotograf, der seit den 1960er Jahren vor allem für seine schwarz-weiß-Aktaufnahmen international bekannt ist. 1939 in Los Angeles geboren, begleitete der junge Gibson häufig seinen Vater, einen Regieassistenten von Alfred Hitchcock, in die Studios von Hollywood und wurde so früh mit der Kamera vertraut. Später folgten Assistenzen für die berühmten Dokumentarfotografen Robert Frank und Dorothea Lange. Diese schwarz-weiß Fotografie ist ein rares Fundstück aus dem Jahr 1996, das fast vergriffen ist.
Ralph Gibson, In situ
Auf Anfrage
David Lynch
Es war Lynchs frühere Lebensgefährtin Isabella Rossellini, die dem legendären Kunsthändler Leo Castelli Arbeiten von ihm zeigte, 1989 hatte Lynch dann eine Ausstellung in Castellis Galerie in New York. Inzwischen waren seine Kunstwerke immer wieder in großen Werkschauen auch in Deutschland zu sehen. 2010 erhielt Lynch den renommierten Goslarer Kaiserring. Mit „The Unified Field“ hatte der Künstler 2014/15 eine große, viel beachtete Retrospektive in der Pennsylvania Academy of the Fine Arts. Everything comes in circles.
David Lynch, Nude
Vergriffen
Jiří Georg Dokoupil
Über 100 verschiedene Stile und Techniken werden Jiří Georg Dokoupil von der Kunstwelt zugeschrieben. Er selbst meinte schon 1992, eine Retrospektive seines Werkes werde einmal aussehen wie eine Gruppenausstellung von 20 Malern. Dies hat sich inzwischen bewahrheitet: Große Soloausstellungen in den Hamburger Deichtorhallen oder im Museo Nacional Reina Sofia in Madrid sind der eindrucksvolle Beleg dafür.
Jiří Georg Dokoupil , Köpfe
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Roy Lichtenstein
Wer ist Freund, wer ist Feind? Wer hier spricht, das ist auf Roy Lichtensteins nach „Whaam!“ berühmtestem Kriegsbild nicht ganz klar. „As I Opened the Fire“ ist ein Triptychon, das wenige Sekunden zweier Kampfflugzeuge während der Schlacht zeigt. Das erste und das letzte der einem DC Comic mit dem Titel „All American Men of War“ nachempfundenen Panels vertauschte der gefeierte Pop-Art-Künstler, was das Verständnis dieser kurzen Episode zusätzlich erschwert. „As I Opened the Fire“ steht für Lichtensteins Vorliebe für Cartoons und Comics zu Beginn seiner Karriere und den Rückgriff auf die Populärkultur, mit der er und seine Weggenossen die bildende Kunst revolutionieren sollten.
Roy Lichtenstein, As I Opened the Fire
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Meret Oppenheim
Meret Oppenheim gelang ein kometenhafter Aufstieg als Künstlerin. Der Schweifstern kann als Sinnbild für ihre frühe Karriere stehen. „Kleiner Komet“ heißt auch die monogrammierte Farbserigrafie aus dem Kerber Verlag. Hier erinnert er an eine Art Himmelsgefährt, umwebt von vielen kleinen Sternen, golden glänzend wie er. Stehen die zwei Kreise für ein androgynes Wesen? So jedenfalls, geschlechtsneutral, wünschte sich Oppenheim stets die Kunst.
Meret Oppenheim, Kleiner Komet
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Dorothy Iannone
Welche Antwort gibt man auf diese Frage: „Doesn't everyone make mistakes in September?" Auf 2014 datiert ist diese Edition in Schwarz-Weiß. Die Originalzeichnung entstand bereits 1976. Damals zeichnete Dorothy Iannone das Motiv auf eine Postkarte. Noch im selben Jahr gab die in Boston, Massachusetts, geborene Künstlerin ihrem Leben eine neue Richtung und ging mit einem DAAD-Stipendium nach Berlin. Dort lebt sie bis heute. Neben dem ironisch anmutenden Text der Zeichnung fällt Iannones explizite Bildsprache ins Auge, ein Mix aus Comic-Ästhetik und tantrischer Malerei bzw. buddhistischer Motivik. Letztere entdeckte die Künstlerin auf ihren Auslandsreisen.
Weibliche Sexualität, freie Liebe: Iannones Kunst der Kompromisslosigkeit verweigert bereits seit den 1960er Jahren die Zensur. In Gemälden, Texten, Bilderzählungen und Filmen kämpft sie für die Emanzipation. Ihr Werk dreht sich um die sexuelle, aber auch intellektuelle Unabhängigkeit der Frau und ihrer Gleichheit im Verhältnis zum Mann.
Dorothy Iannone, Doesn’t Everyone Make Mistakes in September?
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Michael Sailstorfer
Eine seiner frühesten Arbeiten verwirklichte Michael Sailstorfer noch ohne Auftraggeber: Er stattete Wartehäuschen an Bushaltestellen in seiner bayrischen Heimat mit Betten, Kochstellen, Tischen, Stühlen und Toiletten aus und nannte seine Installationen „Wohnen mit Verkehrsanbindung“. Und schon sie verweisen auf zwei wichtige Komponenten seiner Arbeitsweise: die Lust an der Umwandlung von Alltagsobjekten und Humor.
Michael Sailstorfer, P 99
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Hanne Darboven
Schon morgens um vier Uhr saß Hanne Darboven in ihrer Schreibstube, um erst am Mittag den Griffel aus der Hand zu legen. Für die Künstlerin war das Leben eine von Stundenplänen geregelte „Hausaufgabe“, unter die man abends ein Häkchen setzt. Aus dieser Disziplin entstand ein anspruchsvolles Werk, das man näherungsweise als künstlerisches Schreibwerk, als bildende Kunst und als minimalistische musikalische Kompositionsarbeit bezeichnen könnte. Das Thema „Stundenplan“ ist auch in „Theatre“ deutlich sichtbar. Täglich führte Darboven mit einer Gründlichkeit, die gleichermaßen grandios, einschüchternd wie furchterregend ist, Buch.
Hanne Darboven, Theatre
Bestellbar
Joseph Beuys
Aktionskünstler, Bildhauer, Sozialphilosoph und Exzentriker: Joseph Beuys gilt weltweit als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts überhaupt. Getreu seiner Maxime „Jeder Mensch ist ein Künstler" machte er auch sich selbst zum Kunstwerk: Sein Auftreten mit Hut, Sportweste und enormem Charisma bleibt einzigartig. In legendären Aktionen trug er, den Kopf mit Blattgold und Honig beschmiert, 1965 einen toten Hasen durch eine Ausstellung und führte damit vor, „wie man dem toten Hasen die Kunst erklärt", oder baute für die documenta 6 im Jahr 1977 seine „Honigpumpe am Arbeitsplatz", eine riesige, über mehrere Stockwerke verteilte Anlage, die insgesamt drei Zentner "Honig der marke Langnese" durch ein Schlauchsystem transportierte. Beuys’ Aktionen bestanden aus vielfach verstörenden Handlungen und Gesten, die unsere verkrusteten Denkmuster sprengen: verstiegen, aber nie verrückt – einfach, aber nie banal – genial.
Joseph Beuys, Beuys boxt für Direkte Demokratie
Vergriffen
Victor Vasarely
Sein malerisches Schlachtfeld war die geometrische Abstraktion. Und ihr fügte Victor Vasarely durch raffinierte Raumsuggestionen eine entscheidende Komponente hinzu: den optischen Effekt. Deshalb gilt der in Ungarn geborene Künstler (1908‒1997) als Vater der sogenannten Op-Art. Diese fordert uns mit wahrnehmungspsychologischen Wirkungen von Bildmustern heraus, löst Bewegungs- oder Flimmereffekte auf der Netzhaut aus. In die Kunst Vasarelys flossen auch seine Erfahrungen als Grafiker ein. Für die Olympiade in München 1972 entwarf er das offizielle spiralenförmige Logo. Und auch die Raute von Renault entstammt seinem Zeichenblock. Von 1955 bis 1968 waren seine Arbeiten regelmäßig auf der Kasseler Documenta zu sehen. Vasarely gründete im Jahr 1976 die Fondation Vasarely in Aix-en-Provence. In seiner Geburtsstadt Pécs eröffnete 1976 das Vasarely-Museum. Ein weiteres folgte 1987 in Budapest.
In 2018 / 2019 zeigt das Städel Museum in Frankfurt eine Retrospektive des Künstlers.
Victor Vasarely, Voeroech
Bestellbar
Louise Bourgeois
Louise Bourgeois eine Grande Dame der zeitgenössischen Kunst zu nennen, ist nicht zu hoch gegriffen, schließlich stellte die 2010 mit 98 Jahren verstorbene Künstlerin in den großen Museen weltweit aus. 1983 richtete ihr das Museum of Modern Art in New York als erster Künstlerin eine Einzelausstellung aus. Ihre Skulpturen und Installationen aus Bronze und Marmor, Gips, Latex und Textilien erzielen Höchstpreise – sie gilt als eine der teuersten Künstlerinnen der Gegenwart überhaupt. Und doch trifft die Würdigung nicht ganz: Denn bis zuletzt verweigerte sich die geborene Französin, die ab 1938 in New York lebte, dem Gesetzten, Damenhaften. Im Rahmen der legendären Salons in ihrem Atelier in Chelsea suchte sie noch in hohem Alter den Austausch mit jungen Künstlern.
Sie blieb eine Fragende, die in ihrer autobiografisch motivierten Kunst Angst, Hass, Wut und vor allem ihre traumatischen Kindheitserinnerungen thematisierte. Welche Grande Dame ließe sich von Robert Mapplethorpe porträtieren, verschmitzt lächelnd im Fellmantel mit übergroßem Phallus unter dem Arm? Eben. Und so können wir Louise Bourgeois in Erinnerung behalten als weise alte Frau mit großem Humor, die uns gelehrt hat, dass Schmerz und Tod zum Leben gehören und das Fragen niemals endet.
Louise Bourgeois, The Reticent Child
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