Editionen, die Sie vielleicht verpasst haben

 
Steina Vasulka
Bevor Steina Vasulka (geb. 1940 in Reykjavík) gemeinsam mit ihrem Mann Woody Vasulka die Medienkunst revolutionierte, war sie – studiert in klassischer Violine – Mitglied im Isländischen Symphonieorchester. In ihrer Performance-Arbeit „Violine Power“ verwebte sie 1979 Audio- mit Videosignalen – und erzielte erstaunliche Effekte.
Was Steina und Woody Vasulka in ihren frühen Arbeiten einte, war ihr Interesse an dem Medium Video. Beide hatten großen Anteil daran, dass sich Videokunst als eigenes künstlerisches Genre etablieren konnte, als sich Ende der 1970er Jahre das Fernsehen als Massenmedium ausbreitete. Sie experimentierten mit der elektronischen Technologie, um das Verhältnis von Bild und Ton neu zu definieren, und nutzten Verfahren der Farbmanipulation und Überblendung oder elektronische Bildbeeinflussungen durch Synthesizer mit dem Ziel, die filmische Dramaturgie und die narrativen Möglichkeiten zu erweitern.
Steina Vasulka erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, bespielte den Isländischen Pavillon auf der Venedig-Biennale (1997) und ist heute in zahlreichen namhaften Sammlungen vertreten, darunter dem MoMA in New York und dem ZKM Karlsruhe.
Steina Vasulka, Pyrospheres
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Heinrich Heidersberger
Der 1906 in Ingolstadt geborene Künstler (gest. 2006) kam nach einem kurzen Studium der Malerei bei Fernand Léger in Paris durch einen „Fingerzeig des Schicksals“, wie Heidersberger es selbst beschrieb, zur Fotografie: durch den Erwerb einer gebrauchten Holzkamera auf dem Marché aux Puces de Saint-Ouen. Befreundet mit Piet Mondrian und dem Surrealisten Yves Tanguy und anderen Protagonisten der Surrealisten, bewegte er sich in einem Paris, in dem die Avantgardekunst ihr weltweites Zentrum hatte.
Anfang der 1960er Jahre wurde Heidersberger nach Wolfsburg gerufen, um den Aufbruch der Stadt zu dokumentieren. Er wurde zu einem der führenden Industrie- und Architekturfotografen. Dass es ihm dabei mehr um Interpretation als um reine Dokumentation ging, zeigt eindrucksvoll die Edition „VW-Bad, Wolfsburg”. 1984 bat das Pariser Centre Pompidou den damals 78-Jährigen um Fotos für die Ausstellung "Image et Imaginaires d´Architecture"
Heinrich Heidersberger, Kleid aus Licht, 1949
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Wolfgang Tillmans
1998 zeigte Tillmans erstmals „nicht mit der Kamera gemachte Bilder“. Hierzu hat er entweder unbelichtetes Fotopapier oder solches, das vorher unterschiedlich farbigen Lichtquellen ausgesetzt war, durch die Entwicklungsmaschine geführt, wobei diese noch Spuren von Chemikalien oder Wasser enthielt. Indem das Papier diesen Vorgang durchläuft, kommt es zu Schlieren, Kratzern, Druckstellen oder anderen unvorhergesehenen Veränderungen. Auch für Fotografie von 2005, die Vorlage für den signierten Offsetprint mit dem Titel „It´s Only Love, Give It Away“ war, nutzt Tillmans dieses experimentelle Vorgehen. Das Ergebnis ist eine verblüffend körperliche, farbintensive und zugleich zarte Fotografie, deren letzte Exemplare wir heute auf artflash präsentieren.
Wolfgang Tillmans, It´s Only Love – Give It Away
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Heinrich Heidersberger
Der 1906 in Ingolstadt geborene Künstler (gest. 2006) kam nach einem kurzen Studium der Malerei bei Fernand Léger in Paris durch einen „Fingerzeig des Schicksals“, wie Heidersberger es selbst beschrieb, zur Fotografie: durch den Erwerb einer gebrauchten Holzkamera auf dem Marché aux Puces de Saint-Ouen. Befreundet mit Piet Mondrian und dem Surrealisten Yves Tanguy und anderen Protagonisten der Surrealisten, bewegte er sich in einem Paris, in dem die Avantgardekunst ihr weltweites Zentrum hatte.
Heinrich Heidersberger, Rhythmogramm, 1955
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Ines Doleschal
Als architekturbezogene Malerei lässt sich das Werk von Ines Doleschal bezeichnen. Inspiration findet sie im Stadtraum, vor allem in den Bauten der Moderne. „Kunst hat für mich viel mit Form zu tun – der guten Form. Ich vermisse sie im ‚richtigen‘ Leben oft“, sagt die Künstlerin. Mit Form verbindet sie auch Disziplin und Ordnung, die sucht sie in der Kunst. Doch dabei interessiert sie das Abseitige mehr als die Ikonen. Sie fertigt Skizzen von Gebäuden als Ausgangspunkt für ihre Arbeiten. Dann werden Strukturen aufgebrochen und reduziert, Perspektiven verschoben. Doleschal schafft offene Kompositionen, changierend zwischen Fläche und Raum. Sie konzentriert sich dabei auf Details, driftet in Richtung Abstraktion. Ihre Werke sind in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Über ihre künstlerischen Arbeiten hinaus setzt Doleschal sich intensiv für die Sichtbarkeit von Künstlerinnen im Ausstellungsbetrieb ein. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Dessau
Ines Doleschal, Faltungen Nr. 20
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Gunilla Jähnichen
„Ich benutze meine Figuren wie ein Musiker sein Instrument. Bei mir kommen eben Bilder heraus“, so beschreibt Gunilla Jähnichen ihr künstlerisches Schaffen. Und wie bei einem guten Song erreicht uns die Wirkung ihrer Arbeiten unmittelbar. Die Malerin braucht nur wenige Pinselstriche, um uns hineinzuziehen in die wundersame Welt ihrer einzigartigen Wesen. In ihrem Siebdruck „Gap“ (2021) zeigen sie sich – wie so oft bei Jähnichen – von ihrer zarten Seite. Und dennoch: Welche Wucht diese Szene hat! Wie viel Vertrauen in den anderen dazugehört, sich auf seine stützende Kraft zu verlassen, in Anbetracht eines solchen Abgrundes! Es scheint um Gemeinsamkeiten und Trennendes zu gehen, um Traurigkeit und Trost. Kaum ein anderes Werk könnte also besser passen in unsere Gegenwart. Wobei Jähnichen von solch universellen Gefühlen erzählt, dass ihre Werke nicht angewiesen sind auf den Resonanzraum einer spezifischen Zeit.
Gunilla Jähnichen, Gap
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Imi Knoebel
Als 2008 die außergewöhnliche Anfrage kam, für die alte Krönungskirche der französischen Könige in Reims die Kappellenfenster neben denen Marc Chagalls zu entwerfen, wollte der deutsche Maler und Bildhauer Imi Knoebel erst nicht – er und Religion? Doch seine Frau erinnerte ihn an seine „Messerschnitte/Rot Gelb Blau“, eine Serie aus den 1970er-Jahren, in der Knoebel mit einem Cutter freihändig Formen – kurvig und spitz wie Glasscherben – aus bemaltem Papier zugeschnitten hatte, und er nahm sie als Vorlage für diese Aufgabe.

Auch dieser Siebdruck geht auf die „Messerschnitt“-Collagen zurück. Wie autarke Inseln schweben die Formen auf der Fläche – und verhalten sich dennoch zueinander. Sie scheinen miteinander zu kommunizieren, allerdings in einer Offenheit, die die Wahrnehmung des Betrachters schärft.
Imi Knoebel, o.T. (3)
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Sarah Morris
Kunst gewordene Mathematik? Geometrische Schönheit? Sarah Morris‘ Tafelbilder und raumbezogenen Wandmalereien bewegen sich im Grenzbereich zwischen der Tradition moderner geometrisch-abstrakter Kunst und zeitgenössischem Design.
Die heute hier vorgestellte limitierte Edition, ein aufwändig hergestellter 11-farbiger Siebdruck - ist nüchtern geometrisch aufgebaut – und fasziniert zugleich durch die leuchtenden Farben. Aus den vielen Schichten glänzender Farben und Haushaltslacke entstehen bei genauerer Betrachtung reliefartige Strukturen, visuelle Rhythmen. Das Werk mit dem Titel „(Sony) /Los Angeles“ spielt mit seiner komplexen Geometrie und der leuchtenden Farbgebung auf das Bild einer pulsierenden Metropole an, zugleich garantiert die kompositorische Klarheit ein Gefühl von Kontrolle.
Morris ist bekannt für ihre Werke, in und mit denen sie über Alltagsgegenstände, Industriedesign und Architektur reflektiert, aber auch über die Scheinwelt und Oberflächenästhetik des Hollywoodfilms, der Hochglanzmagazine, der Mode und Werbung.
Sarah Morris, Sony (Los Angeles)
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Louisa Clement
Louisa Clement ist die Entdeckung der Stunde. Louisa Clement war Meisterschülerin bei Andreas Gursky. 2017 erhielt sie ein Stipendium der Konrad Adenauer Stiftung, 2016 den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Medium ihrer Wahl ist die Fotografie. Mit ihr erfasst sie ihre Umgebung, lenkt einen detailverliebten Blick auf den Alltag. Ihre Fotografie wirkt haptisch, mit ihr kann man die Beschaffenheit von Papier, den Fall eines Stoffes regelrecht spüren. Auch ungewöhnliche Perspektiven beherrscht sie Meisterhaft. Porträts sind bei Clement nicht einfach Porträts. In der Serie „Headlong“ widersetzt sich Louisa Clement dem Standard: Statt Auge, Nase, Mund gestaltetet sie Oberflächen. Ein Mensch, der durch seinen Gesichtsausdruck charakterisiert ist, wird bei Clement durch Köpfe von Schaufensterpuppen ersetzt und fotografiert. „Headlong IV“ (2015) ist demnach kein Porträt im Sinne des erwünschten Seelenspiegels. „Headlong IV“ ist Konzeptkunst: Ein geschlechtsloser Kopf, der alleine durch die farbige Oberflächengestaltung individualisiert wird. Für die Serie „Headlong“ reiste Clement mehrere Monate durch Europas Großstädte
Louisa Clement, Headlong IV
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Verena Johanna Müller
Als selbsternannte Stewardess mit Bodenmission ist Verena Johanna Müller im Auftrag der VERENA AIRLINES unterwegs. Sie bringt mit dem "air sickness bag in der Business Class Edition" einen mit Blattgold veredelten Spuckbeutel für gehobene Ansprüche auf den Markt. Das goldene V steht für ihre virtuelle Fluggesellschaft, die Verena Airlines. Durch freie Entfaltung oder zweckgemäße Benutzung wird aus dem flachen Stück Papier ein dreidimensionaler Gegenstand. Wir befanden, dass diese Arbeit viel zu schade fürs Reisegepäck ist und haben sie daher nach Absprache mit der Künstlerin in einen schönen Objektrahmen montiert. Die Arbeit ist auf Wunsch der Künstlerin nicht signiert und nummeriert.
Verena Johanna Müller, Air Sickness Bag (Business Class Edition)
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Dieter Masuhr
Die großformatige Arbeit des 2015 verstorbenen Malers Dieter Masuhr - eine aufwändige 5-farbige Lithografie - trägt den Titel „Liebespaar I“. Wo die Körper des eng umschlungenen Liebespaares anfangen oder aufhören, ist zweitrangig. Nicht der maskenhafte Ausdruck der Gesichter, sondern die Berührung drängt sich auf. Der expressive Zeichenstil dieser Grafik fällt ins Auge: wenige grobe, frei schwingende Linien reichen für das Liebesspiel aus. „Die Liebe meines Mannes will mich nicht festlegen, nicht einordnen, sie gibt mir Luft, Nahrung, Raum, zu wachsen und reicher zu werden, so wie jeder neue Tag eine Revolution entfaltet.“ Masuhr hat 1985 die Gedichte der nicaraguanischen Widerstandskämpferin Gioconda Belli ins Deutsche übersetzt. Vielleicht waren es ihre Worte, die ihm hier als Inspiration dienten?
Dieter Masuhr, Liebespaar I
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Brigitte Waldach
Wenn ich lese, sehe ich Bilder, und wenn ich zeichne, sehe ich Texte. Ich kann keinen Bereich ohne den anderen denken“, so hat Brigitte Waldach ihr künstlerisches Arbeiten einmal erläutert. Sie war Meisterschülerin bei Georg Baselitz an der Hochschule für Künste in Berlin, zuvor studierte sie Germanistik. Die Schrift ist wichtiger Bestandteil ihrer oft großformatigen Zeichnungen und Rauminstallationen, in denen sie Inhalte und Bezüge auch mithilfe sogenannter Verspannungen – meterlanger flexibler Gummibänder – ins Dreidimensionale übersetzt. Nicht alles ist lesbar, vieles überlagert sich, die Bedeutungsebene reicht über den konkreten Inhalt hinaus. Lichtspiele und Wortklänge erweitern die Raum- und Sinneserfahrung. Bei Waldach verdichtet sich Schrift zu Wolken, türmen sich Texte zu Gebirgen auf, werden Kompositionen dreidimensional begehbar. Komplexität wird hier zu einem außergewöhnlichen Kunstereignis. Waldachs Werke sind häufig ortsspezifisch und in Museen, Galerien und auf Messen zu sehen. Ihre Arbeiten befinden sich in zahlreichen öffentlichen Sammlungen, u.a. in der Albertina in Wien, der Fondation Francés bei Paris, der Berlinischen Galerie sowie dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin.
Brigitte Waldach, Reform
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Gabriela Kobus
In ihren Malereien und Zeichnungen schafft Gabriela Kobus durch Tiefenwirkung – wenngleich allein gedanklich – begehbare Räume. Eine Variante von „Mount“ war, betitelt als „Iceberg“, neben der Arbeit „Greetings“ in der 2019 in Leipzig und dieses Jahr in Dresden gezeigten Ausstellung „Who’s afraid of ROSA“ zu sehen. Polnische und deutsche Künstlerinnen näherten sich hier Rosa Luxemburgs Werk und Person in Bezug auf aktuelle Fragen assoziativ an. Der Mensch ist in den Werken von Kobus zwar abwesend, so auch in den sechs Unikaten auf Papier, die 2020 entstanden sind. Dennoch verliert sie ihn nie aus dem Blick, prägen doch soziale Bedürfnisse ihre Raumformationen auf subtile Weise. Vielleicht fühlen wir uns deshalb so hineingezogen in diese verspielten, eigenen statischen Gesetzen und Rhythmen folgenden Welten, die voller Abenteuer zu stecken scheinen.
Gabriela Kobus, Welcome
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Louisa Clement
Wie schon in ihrer Werkserie „heads“ zeigt die Edition „o.T.“ aus dem Jahr 2019 eine von Louisa Clement durch Glas fotografierte Schaufensterpuppe – aufgenommen mit dem Smartphone mit geringer Tiefenschärfe. In dieser Arbeit konzentriert sich die Künstlerin jedoch auf die Gliedmaßen. Trotz der unverkennbaren Künstlichkeit des Körpers lässt sich der herabhängenden Hand eine gewisse Zärtlichkeit zuschreiben. Verstärkt durch die körnigen Oberflächen und die Lichtreflexe wirken die Puppenglieder hier fast sinnlich-körperlich, zudem nähert sich die Fotografie dadurch visuell der Malerei an. Wo endet die reale, wo beginnt die virtuelle Welt? Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es heute nicht mehr. Die künstlerischen Versuchsanordnungen von Clement spielen mit der künstlich hergestellten, vermeintlich idealen Oberfläche, die den Druck auf die so gar nicht makellosen Individuen erhöht. Gleichzeitig scheint auf, was den idealen Abziehbildern fehlt: Sie sind unheimlich perfekt, in aller Doppeldeutigkeit.
Louisa Clement, Ohne Titel
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Dennis Hopper
Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor, Maler – und Fotograf: Dennis Hopper war vieles. In „... denn sie wissen nicht, was sie tun“ und „Giganten“ spielte er in den 50er Jahren an der Seite seines Freundes James Dean. Schon im Jahrzehnt darauf widmete er sich intensiv der Fotografie. Was Hopper auf Partys, an Filmsets oder auf der Straße einfing, beschrieb Filmregisseur Pedro Almodóvar einmal als „Alltagsgesicht der amerikanischen Populärkultur“. Neben Künstlerfreund*innen wie Robert Rauschen¬berg, Andy Warhol, Roy Lich¬ten¬stein, James Rosen¬quist oder Jane Fonda fotografierte er auch die Bürgerrechtsmärsche Martin Luther Kings.
Dennis Hopper, Untitled (Diamonds)
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Helmut Sundhaußen
Im Umgang mit der Form pflegt Helmut Sundhaußen einen äußerst sparsamen Stil. Trotzdem haben seine Werke wenig mit dem kühlen Purismus der „De Stijl“-Ästhetik zu tun. Allein anhand der Farbgebung in seinem Siebdruck ohne Titel wird deutlich, dass er auf Emotionen zielt. Die senkrecht gestapelten Trapezformen in Orange und Pink – als „Turmgeschichte“ beschreibt sie Sundhaußen selbst – wirken mehr als belebend, verursachen ein Flirren vor den Augen des Betrachters, wecken Nervosität. Erst der komplementärfarbene, türkisgrüne Hintergrund verschafft Beruhigung, Erholung – ein spannender und intensiver Kontrast.
Helmut Sundhaußen, ohne Titel
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Wilhelm Sasnal
Bilder, Motive und Eindrücke, die ihn tagtäglich umgeben, verarbeitet der polnische Künstler Wilhelm Sasnal in seinen Werken. Ausgangspunkt für eine Arbeit kann ein Foto seiner Familie sein, ein Bild aus den Medien oder auch eine künstlerische Vorlage wie Art Spiegelmans Comic über einen Holocaust-Überlebenden. Seine persönliche Geschichte und die Historie, vor allem die seines Heimatlandes Polen, sind von gleich hoher, zentraler Relevanz in Sasnals Werken.
Wilhelm Sasnal, Unexisting Book
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Julius Hofmann
Gelangweilt schaut er uns an ‒ oder eher: durch uns hindurch ‒, der weibliche „Lurking Teen“ von Julius Hofmann, den Finger auf dem Touchpad, den Kopf in die Hand gestützt. Mit geschminkten Augen und Lippen und trotzigem Selbstbewusstsein liegt das Mädchen da im Schein des Displays, ein wenig zu verführerisch, aber ebenso verführbar. Hofmanns Porträt spiegelt nicht nur die Fluidität der Gefühle des Coming of Age. Durch den Verweis auf unser digitales Zeitalter ist dieses klassische Sujet ohne die allgegenwärtige Bilderflut inklusive Selfie-Kultur, Voyeurismus und des Problemfelds sensibler Daten im Hinterkopf kaum mehr zu denken oder heutiger: zu konsumieren. Auf diese Weise schafft der Künstler einen spannenden Spagat und schmuggelt die Komplexität der bildergestützten Gegenwart in die alten, künstlerisch seit jeher bearbeiteten Fragen.
Julius Hofmann, Lurking Teen
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Jasper Sebastian Stürup
„The core of what I do is drawing.“ Das Zeichnen bildet das Herzstück der Werke von Jasper Sebastian Stürup, dies gilt neben den eigentlichen Zeichnungen ebenso für seine Malerei, seine skulpturalen Arbeiten wie für seine Druckgrafiken. Der 1969 geborene dänische Künstler begann bereits in seiner Kindheit zu zeichnen – und hörte nie mehr damit auf. Es geht ihm um die einfache, auf das Wesentliche reduzierte Darstellung, den essenziellen Strich. „Da sind die solistischen Linien, linearen Bögen und Linienverdichtungen, die das Handschriftliche in ästhetische Energie übersetzen“, so beschreibt Christoph Tannert vom Berliner Künstlerhaus Bethanien Stürups stilistische Besonderheit.
Stürup studierte Bildende Kunst an der Royal Danish Academy of Fine Art in Kopenhagen sowie an der Jutland Academy of Fine Arts in Aarhus und stellt international aus.
Jasper Sebastian Stürup, Ohne Titel
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Oskar Rink
Wenn Oskar Rink anfängt zu arbeiten, folgt sie „einem Gefühl von Verliebtsein“, wie es die Künstlerin in einem Interview im aktuellen „Clouds“-Magazin beschreibt. Impulsgeber kann eine kleine Beobachtung, eine Begegnung, eine Form oder ein Zeitungsfoto sein. Rink benutzt Skizzen für Skulpturen, Papierkonstruktionen oder auch gebaute Modelle als Ausgangspunkte für ihre Malereien in Öl; daneben entstehen Objektwelten und Installationen. „Das Räumliche so weit zu abstrahieren, wie es mir möglich ist, bestimmt mein momentanes Interesse“, sagt sie
Oskar Rink, POSITION III
Auf Anfrage
Gfeller + Hellsgård
Werke von Gfeller & Hellsgård waren 2020 in der Soloschau „Honor thy Error as a Hidden Intention“ in der Lage Egal in Berlin und der Gruppenausstellung „Mondo DERNIER CRI !!“ im MIAM – Musée International des Arts Modestes im französischen Sète zu sehen.
Gfeller + Hellsgård, Untitled 115
Bestellbar
Gfeller + Hellsgård
Angefangen haben Anna Hellsgård und Christian „Meeloo“ Gfeller alias Gfeller & Hellsgard mit Postern und Zines im Umfeld der Noise- und Punkszene in Straßburg. Später entwarfen sie auch Cover und Plakate für namhafte Musiker*innen wie Sonic Youth, Pj Harvey, Nick Cave oder Animal Collective. Künstler*innenbücher, Editionen und ein eigener Art Space in Berlin kamen hinzu. Doch je ausgefeilter ihr Handwerk wurde, umso mehr wuchs ihr Interesse an den vermeintlichen Fehlern im Druckprozess, an dem „Unperfekten“. Seit 2011 konzentrieren sich Gfeller & Hellsgård in erster Linie auf ihre freie, nicht-figurative, experimentelle Kunst. Damit sind sie in den renommiertesten Sammlungen wie der Staatsbibliothek Berlin, dem Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe oder dem Metropolitan Museum of Art sowie dem MoMA in New York vertreten.
Gfeller + Hellsgård, Untitled 117
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Candida Höfer
Das titelgebende Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Oldenburg (heute: Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg) ist Schauplatz für die beiden Editionen von Candida Höfer aus dem Jahr 1988. Kulturelle Einrichtungen – neben Museen auch Bibliotheken oder Nationalarchive – zählen immer wieder zu ihren Fotomotiven. Die Künstlerin verschafft uns ungeahnte Einblicke in Arbeitsräume und hinter die Kulissen. Ihres musealen Präsentationskontextes beraubt, schärfen die von Höfer als ‚nackte‘ Exponate eingefangenen Ausstellungsstücke unseren Blick für die Wirklichkeit und eröffnen ganz neue Fragestellungen in Bezug auf die Institution Museum und ihre Sammlungen. Wen interessiert sie nicht, die Geschichte hinter der Geschichte? Zumal in einer Zeit, in der Provenienzen von künstlerischen und kulturellen Objekten grundsätzlicher als je zuvor auf dem Prüfstand stehen.
Candida Höfer, Museum für Naturkunde u. Vorgeschichte Oldenburg XIV
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Olaf Hajek
"Gerade das florale Element war für mich immer besonders wichtig. Das sind für mich einfach Symbole, die den Kreislauf des Lebens – Tod, Geburt, Blühen, Aufblühen, Vergänglichkeit – symbolisieren.“ Der Maler und Illustrator Olaf Hajek feiert die Welt der Blumen und Pflanzen in seinen „Flowerheads“, Porträts von Frauen, auf deren Köpfen farbenprächtige und symbolträchtige Stillleben wachsen.
In der im Mai 2020 entstandenen handsignierten Edition „Golden Tear“ zeigt sich eine wichtige Inspirationsquelle Hajeks: die Kunst Afrikas. Sie fasziniert und beeindruckt ihn zutiefst. Im Jahr 2011 verbrachte er drei Monate in Südafrika, um für eine Ausstellung in Kapstadt an neuen Werken zu arbeiten. In der Folge ist sein malerischer Duktus noch freier, seine Experimentierfreude noch größer geworden. Zugleich ist Hajek ein Geschichtenerzähler, seine Porträts erreichen auf ganz eigene Weise emotionale Tiefe. Man sollte sich Zeit nehmen für diese wirkkräftigen Werke. Denn schaut man sie an, begibt man sich auf kulturelle und seelische Entdeckungsreise und driftet ab ins verheißungsvolle Land der Fantasie.
Olaf Hajek, Golden Tear
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Lucie Bennett
Die Frau und der weibliche Körper ziehen sich als Motiv durch das gesamte Werk von Lucie Bennett. „I started getting serious about drawing aged three“, sagt die britische Künstlerin. „Even then my preferred subject was women. I drew women in elaborate outfits spending lots of time on the pattern and design.“ Waren es am Anfang ihrer Künstlerinnenkarriere Uniform tragende Frauen in selbstbewussten Pin-up-Posen, unterzog Bennett ihre Darstellungen mit der Zeit einer immer stärkeren Reduktion.
Auch der Siebdruck aus dem Jahr 2018 mit dem verlockenden Titel „Honey Island” kommt mit wenigen Linien aus. Und doch: Der sichere, grafisch anmutende Pinselstrich, die mit zartem Schwung angedeutete Wirbelsäule oder die an Pop und die 1980er erinnernde Farbwahl – die Werke haben einen hohen Wiedererkennungswert und verkörpern eine bestimmte, ganz eigene Haltung: den Lucie-Bennett-Style. Ihre Porträts wirken so cool und schwerelos, wie sich Weiblichkeit anfühlen sollte. Dazu selbstbestimmt. Intim, aber nicht ausgestellt. Es ist ein Balanceakt, den Bennett meistert, und zwar mit großer Sensibilität.
Lucie Bennett, Honey Island
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Roy Lichtenstein
Hier treffen sich zwei Meister: So wie Roy Lichtenstein neben Andy Warhol als wohl bekanntester Vertreter der Pop-Art gilt, gehört Hans-Peter Haas aka HPH zu den renommiertesten Siebdruckern in der Kunstwelt. Die Edition „Big Painting No. 6“ von Lichtenstein stammt aus seiner Werkstatt. Die Arbeit aus der sogenannten “Brushstroke”- bzw. „Pinselstrich“-Serie erinnert schon durch seine Bildsprache mit den für Lichtenstein so typischen Rasterpunkten an maschinell reproduzierte Druckerzeugnisse. Gleichzeitig persifliert der Künstler mit den vermeintlich gestisch-spontan aufgetragenen Pinselstrichen im Comicstil das künstlerische Pathos der Abstrakten Expressionisten.
Roy Lichtenstein, Big Painting No. 6
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Èva Beresin
„The story of where I come from and who I am today seems an inexhaustible source.“ Die in Wien lebende ungarische Künstlerin Éva Beresin beschreibt hier, woraus sie schöpft, und offenbart zugleich einen wesentlichen Eindruck ihres Werks: die Intimität. Beresins Herkunft ist fundamental für das Verständnis ihres künstlerischen Schaffens. Als Kind zweier Holocaust-Überlebender haben sich die Gräuel des Zweiten Weltkriegs auch in ihr eigenes Körpergedächtnis eingeschrieben. Denn die Traumata der Eltern endeten nicht mit deren Tod. „Sometimes in the paintings, I am moving naked and vulnerable, in order to be able to start a dialogue with those I was never able to actually meet“, schreibt Beresin noch. Details über ihre Familiengeschichte erfuhr sie erst, als sie nach dem Tod ihrer Mutter deren Tagebuch las – Grundlage für ihre bislang größte Werkreihe und das Buchprojekt „Acht Und Neunzig Seiten“.
Èva Beresin, Participation in Art Basel Miami 2019 ... as if I had already guessed...
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Jörg Immendorff
Jörg Immendorff bleibt zwar auch in seiner Spätzeit figurativ, doch zusätzlich hält die Abstraktion Einzug in sein Werk. Monochrome Flächen, geheimnisvolle Figuren laden zum Reflektieren ein. Auch dieser Siebdruck von 2006 wirkt rätselhaft: ein Affe, ein Pferd, eine Kugel. Das Pferd bäumt sich auf, zeigt seine Stärke, jongliert die Kugel zwischen Vorderlauf und Kopf. Die Kugel trägt unzählige Augen. Und es verharrt vor dem Rad – Symbol für die Sonne, die Zeit, das Leben? Welcher Symbolik folgt diese Darstellung? Der Affe ist ein häufiges Motiv in Immendorffs Spätwerk. Das Tier ist sein Alter Ego, es ist das Sinnbild seines Künstlertums. Immendorff nimmt hier einen Topos der Kunstgeschichte auf: Der Künstler ist gleichzeitig Schöpfergott und nachäffender Kreator. Der Affe ist des Künstlers Freund und Feind. Immendorffs Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte wird auch bei der Wahl des Pferdemotivs ersichtlich. So steht das Sujet des roten Pferdes in der Tradition des berühmten Expressionisten Franz Marc. Das wilde Tier bändigt die Kugel. Dieser entgeht nichts, ihre Augen sehen alles. Und es lässt sich bändigen, ergibt sich dem Kreislauf des Lebens und damit vielleicht auch der Endlichkeit.
Jörg Immendorff, Ohne Titel (Pferd, Affe, Rad)
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Michelle Jezierski
„Selten hat man in der jungen deutschen Kunst eine derartige Licht-Malerei gesehen“, beschreibt Christoph Tannert, Leiter des Kunsthauses Bethanien in Berlin, die Arbeit von Michelle Jezierski, in deren Leben Kreativität von jeher eine große Rolle spielt. Die Amerikanerin, 1981 in Berlin geboren, wächst als Tochter zweier Musiker ebendort auf, ihr Vater ist der Philharmoniker Stefan de Leval Jezierski. Früh lernt Michelle Klavier, Geige und Bratsche und erhält sogar die Chance auf ein Musik-Stipendium an einer amerikanischen Elite-Universität. Doch sie wählt einen anderen Weg – ihr Herz brennt für die bildende Kunst. Über Nacht entscheidet sich die 17-Jährige, Malerin zu werden. Aber auch die Kunstakademie hat andere Pläne mit der ambitionierten Studentin. Tony Cragg, renommierter Professor für Bildhauerei an der UdK, kann Michelle für seine Klasse gewinnen. Er sieht in ihr die geborene Bildhauerin. Sie jedoch bleibt der Malerei treu. In dieser Zeit wird der Grundstein für Michelles Umgang mit Farbe und Räumlichkeit gelegt: „Ich habe viel über die physische Präsenz von Raum gelernt, nur dass bei mir eben die Malerei das Medium ist – ich habe schnell gemerkt, dass ich das Räumliche in die Fläche umsetzen will“, beschreibt sie diese prägenden Jahre. Nach einem anschließenden Stipendium an der Cooper Union in New York bei Amy Sillman macht die Künstlerin 2008 ihren Abschluss an der UdK bei Valérie Favre. Seither lebt und arbeitet sie in der Hauptstadt, weiterhin widmet sie sich der Auseinandersetzung mit Licht, Raum, Illusion und Realität. Sie wird vertreten von der Galerie Kunst & Denker Contemporary Düsseldorf. Bis Ende November waren Arbeiten von Jezierski bei SP2 in Berlin zu sehen.
Michelle Jezierski, Strain
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Victor Vasarely
Sein malerisches Schlachtfeld war die geometrische Abstraktion. Und ihr fügte Victor Vasarely durch raffinierte Raumsuggestionen eine entscheidende Komponente hinzu: den optischen Effekt. Deshalb gilt der in Ungarn geborene Künstler (1908‒1997) als Vater der sogenannten Op-Art. Diese fordert uns mit wahrnehmungspsychologischen Wirkungen von Bildmustern heraus, löst Bewegungs- oder Flimmereffekte auf der Netzhaut aus. In die Kunst Vasarelys flossen auch seine Erfahrungen als Grafiker ein. Für die Olympiade in München 1972 entwarf er das offizielle spiralenförmige Logo. Und auch die Raute von Renault entstammt seinem Zeichenblock. Von 1955 bis 1968 waren seine Arbeiten regelmäßig auf der Kasseler Documenta zu sehen. Vasarely gründete im Jahr 1976 die Fondation Vasarely in Aix-en-Provence. In seiner Geburtsstadt Pécs eröffnete 1976 das Vasarely-Museum. Ein weiteres folgte 1987 in Budapest.
Victor Vasarely, YKA
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Lars-Gunnar Nordström
Lars-Gunnar Nordström war ein finnischer Maler, Grafikdesigner, Bildhauer und Jazzliebhaber. 1924 geboren, arbeitete er über Jahrzehnte an seinem künstlerischen Werk, bevor er 2014 im hohen Alter von 90 Jahren starb. Als Pionier der Konkreten Kunst in Finnland schuf Nordström ein Œuvre aus streng komponierten Formen und Farben. Musik war dabei eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen.
Lars-Gunnar Nordström, Composition
Bestellbar
Peter Nürnberg
Es ist ein musikhistorischer Moment, als Maria Callas im Mai 1959 ihr erstes Solokonzert überhaupt in Deutschland in der Hamburger Musikhalle singt. Fünf Arien sind sie an diesem Abend. Das visuell vielleicht eindrücklichste Foto rund um dieses Ereignis gelingt damals Peter Nürnberg. Die Star-Sopranistin auf dem Weg zum Konzert: gehüllt in einen Pelz, selbstbewusst der Blick. Die Mütze des Pagen vom Hotel Atlantic im Hintergrund verrät den Ort. Ein Polizist schirmt die damals 35-Jährige international gefeierte Diva von ihren Fans ab.

Ob Sophia Loren, Marlene Dietrich, Hildegard Knef oder eben Maria Callas – Peter Nürnberg fotografierte mitten unter den Stars. Die Liste der international gefeierten Künstlerinnen und Künstler, die er vor die Kamera bekam, ist lang. Sie waren die Helden seiner Kindheit, die Kamera verschaffte ihm Zugang zu ihrer Welt. Peter Nürnberg verstarb 2015 in Hamburg.
Peter Nürnberg, Maria Callas (1959)
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A.R. Penck
„Seine berühmten Strichmännchen sind keine Markenzeichen zum Zwecke der schnellen Wiedererkennbarkeit, sondern archaische Symbole des Aufeinanderzugehens.“ Das schrieb die „taz“ 2017 in ihrem Nachruf auf A. R. Penck. Und die „Süddeutsche Zeitung“ stellte anlässlich seines Todes klar, „dass ‚Strichmännchen‘ womöglich eine schablonenhafte Vereinfachung des Lebensprojektes eines Ausnahme-Künstlers war“. Penck entwickelte sein Zeichensystem unter repressiven Bedingungen, fand notgedrungen zu einem hohen Grad an Abstraktion – und blieb seiner Bildsprache auch später treu. „So viel Anfang war nie“, lautet der feierlich-ironische Titel der 1990 entstandenen handsignierten Serigrafie. Wer zeigt da mit dem Pfeil (oder ist es ein Speer?) auf wen? Und ist es jetzt Zeit, sein Kreuzchen zu setzen? Ist sogar die Farbwahl politisch gemeint? Letzteres ist dem Freigeist Penck wohl nicht zuzutrauen.
A.R. Penck, So viel Anfang war nie
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Bianca Kennedy
Bianca Kennedy, 1989 in Leipzig geboren, hat an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert. In ihren Videos und Stop-Motion-Filmen setzt sie sich mit den (Un-)Tiefen der menschlichen Psyche und den Grenzen dessen, was als erträglich empfunden wird, auseinander. In raumgreifenden Installationen hangelt sie sich am menschlichen Körper entlang, um seine Zukunft in einer technologisierten Welt auszuloten. Zusammen mit The Swan Collective erarbeitet sie Filme und VR-Installationen. Sie ist eine der wenigen Künstler*innen, die VR-Technologien regelmäßig nutzen und damit ganz neue Zugänge zur Kunst schaffen. Gemeinsam mit Janine Mackenroth hat Kennedy den Sammelband „I Love Women in Art“ herausgegeben, der im letzten Jahr zum 100-jährigen Jubiläum der Zulassung von Frauen an Kunsthochschulen erschienen ist.
Bianca Kennedy, Serie
Vergriffen
Günter Fruhtrunk
Der Münchener Günter Fruhtrunk, geboren 1923, gestorben 1982, war Maler und Grafiker. Er ist ein wichtiger Vertreter der Nachkriegskunst im Bereich der konstruktiven Malerei. Sein Thema galt der Abstraktion. 1951 machte Fruhtrunk eine Reise nach Paris und arbeitete im Atelier von Fernand Léger. Im Jahr 1955 arbeitete er im Atelier von Hans Arp. Fruhtrunk nahm an der 4. Documenta in Kassel und an der 34. Biennale in Venedig teil. Von 1967 bis zu seinem Tod war er Professor an der Akademie der Bildenden Künste München. Sein bekanntestes Werk: Das 1970 gestaltete Design auf der Plastik-Tüte des Supermarkt-Discounters Aldi-Nord, vermutlich gibt es keine weitere Edition weltweit, die so häufig so günstig verkauft wurde. Erst im letzten Jahr wurde die Produktion der Fruhtrunk-Plastik-Tüte eingestellt.
Günter Fruhtrunk, Blaue Partikel
Vergriffen
Annika Kahrs
Die Konzeptkünstlerin Annika Kahrs hat mit ihren eigenwilligen Fragestellungen schon früh die Kunstwelt auf sich aufmerksam gemacht. Mal lässt sie, wie in ihrem Werk „Lines“, Seemänner die eigenen Wohnungen beschreiben, ein anderes Mal in einer Performance einen Pianisten Franz Liszts „Vogelpredigt“ vor Vögeln spielen oder auch ausgewählte Personen den Nachthimmel fotografieren – und bewegt sich damit im Spannungsfeld zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Poesie entsteht und wird kurz darauf vielleicht doch als Fantasie entlarvt. Kahrs generiert intime Momente, auch dadurch, dass sie andere Personen in ihre künstlerische Arbeit mit einbezieht. „Mir gefällt es sehr, ein künstlerisches Konzept zu entwickeln und ab einem bestimmten Punkt Dinge, Handlungen, Reaktionen und Entscheidungen anderen zu überlassen und zu sehen, was dann passiert“, sagt die Künstlerin. „So können schnell interessante Situationen und somit auch Fragestellungen entstehen.“
Annika Kahrs, Nima’s sunset
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Josh Klassman
Josh Klassman ist Insider, Surfer, Skater ‒ und Fotograf. Er wuchs in Venice, dem westlichen Stadtteil von Los Angeles, auf. Der Venice Pavilion war ab den 70er Jahren nicht nur legendärer Skatepark, sondern auch ein gefährliches Pflaster mit täglichen Gang-Shootings. Hier verbrachte Klassman seine Jugend und dokumentierte mit seiner Nikon FM2 die Skate- und Surfszene der 1980er und 1990er Jahre. „My photos are an insider’s perspective, I was a part of all you see, it was my everyday life.“ Klassmans Fotoarchiv aus analogen Schwarz-Weiß-Bildern versammelt heute wertvolle Momentaufnahmen. Sie dokumentieren eine Zeit, in der aus Pionieren der Skateszene wie beispielsweise Jay Adams die ersten Profiskater wurden.
Josh Klassman, Jay Adams (RIP) Venice Hat, 1988
Vergriffen
Sigmar Polke
Christo verpackte den VW Käfer in den 1960-Jahren in Stoff, der Ironiker Sigmar Polke setzte ihm 2002 in seinem Siebdruck „Kardinäle“ eine Wollmütze auf. Just in diesem Jahr wurde das bis dahin mit 21 Millionen Exemplaren meistverkaufte Auto der Welt vom VW Golf abgelöst. Polkes Käfer steht am Beginn eines abschüssigen Weges, dessen Struktur an die Oberfläche eines Autoreifens erinnert, und um ihn herum ist einiges in Bewegung – was genau, bleibt wie so häufig bei Polke offen.
Der Weggefährte Gerhard Richters wurde früh als deutsche Antwort auf die Pop-Art und deren Vertreter Robert Rauschenberg, Roy Lichtenstein und Andy Warhol gefeiert. Auch Letzterer bildete den VW Käfer, „the famous car“, ab, und zwar gleich mehrfach. Den Suppendosen Warhols setzte Polke deutsche Würstchen und die Ästhetik der „Bäckerblume“ entgegen und dessen Konzept der Serie die Malerei, die zu dieser Zeit gemeinhin für tot galt. Das musste den Anti-Ideologen Polke reizen, der von sich selbst behauptete: „Ich bin ja Anarchist.“
Sigmar Polke, Kardinäle
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Antje Engelmann
Speziell und exklusiv für artflash hat Antje Engelmann, Wahl-Berlinerin, mehrfache Kunstpreisträgerin und Filmemacherin, diese Edition mit Unikatcharakter geschaffen. Die ehemalige Meisterschülerin von Lothar Baumgarten hat ein tiefes, ethnologisches Gespür für die ungewöhnlichen Sujets, die sie in Form von Videos, Dokumentarfilmen oder Collagen vor dem Vergessen bewahrt.
Und so lenkt auch diese Edition, in der keine Arbeit identisch mit einer anderen ist, unseren Blick auf das kaum Sichtbare, wenn die Künstlerin einen alten DEFA-Lehrfilm zur Entwicklung der DNA so zerschneidet und arrangiert, dass das Filmmaterial selbst zum Kunstobjekt wird und wunderschöne, ornamentale Sequenzen eine neue Bedeutung erfahren. Als wollte Engelmann die Zeit anhalten, wird das Lehrmaterial damit zum Filmstill, und für den Moment des Betrachtens bleibt tatsächlich die Zeit stehen …
Antje Engelmann, 2013_16mm_DEFA: Replikation-der-DNS_KF96_Teil3_Genetik_Rolle1
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Julian Wasser
Julian Wasser war Fotograf von ‚Time’ als er diese legendäre Schachszene ablichtete. Mit der Fotografie "Duchamp Playing Chess with a Nude (Eve Babitz)" schuf er 1963 eine der berühmtesten Fotografien der Kunstwelt.
2014 wurde ein Print der Fotografie unter dem Titel „The Way We Were“ neu aufgelegt. Die Protagonisten auf dem Foto sind der französische Avantgarde Künstler Marcel Duchamp, der mit seinen Readymades zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Kunstwelt revolutionierte und Eve Babitz, eine junge Amerikanerin, die in der Kunstszene Kaliforniens eine bekannte Größe war. Während Duchamp am Schachtisch im schwarzen Anzug sitzt, ist die über 40 Jahre jüngere Eve Babitz vollkommen nackt. Nur ihre Haare bedecken ihr Gesicht. Wie konnte es zu dieser Provokation kommen? Die Schwarz-Weiß-Fotografie entstand im Pasadena Art Museum, während einer Retrospektive zu Ehren Duchamps. Es soll nicht, wie häufig vermutet, der Dadaist, Wegbereiter der Konzeptkunst und leidenschaftliche Schachspieler Marcel Duchamp gewesen sein, der diese Fotoszene inszenierte. Es soll Julian Wasser gewesen sein, der zu dem Bild angeregt hat. Babitz verlor zwar die Schachpartie, doch wurde sie seitdem für ihren Mut und ihre Schönheit verehrt.
Julian Wasser, The Way We Were / Marcel Duchamp and Eve Babitz, 1963
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Jannis Kounellis
Jannis Kounellis zählt zu den prägendsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Der 1936 in Griechenland geborene Künstler wählte Italien zu seiner Heimat. Als er 1969 zwölf lebende Pferde in einem Galerieraum in Rom anband, gelang ihm eine Revolution: Kounellis brach nicht nur mit dem sterilen Ambiente einer Galerieshow, er ersetzte auch das klassische Tafelbild. Statt eines gerahmten Gemäldes nagelte er ein Leinentuch an die Wand, hing Eisenplatten davor, klemmte Mäntel dazwischen und befestigte Kohlebrocken an der Decke.
Jannis Kounellis, Senza Titolo
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