Editionen, die Sie vielleicht verpasst haben

 
Fritz Can Poppenberg
Die Ölmalereien „Love in the Soviet Union” und „Vue du Bosphore prise à Kandilli” von Fritz Can Poppenberg zeigen es schon: Die Kunst des 1991 in Berlin geborenen Malers hat mit der Vergangenheit zu tun. Wobei der selbstbewusste Blick der Frau aus dem Bild heraus, ihr Sichabwenden vom Liebhaber und die von Plattenbauten und Fabrikschloten geprägte Landschaft gleich wieder aufzuräumen scheinen mit romantisierenden Klischees, genauso wie die Ansicht des Bosporus-Uferidylls – einer alten Postkarte nachempfunden (Poppenbergs Großmutter stammt aus Istanbul) – ohne die Bauwut in der heutigen Türkei kaum mehr vorstellbar ist.
Fritz Can Poppenberg, Vue du Bosphore prise à Kandilli
Carlos Cruz-Diez
I am 94. I am a man of my time, I am not of the past.“ Das sagte Carlos Cruz-Diez (1923‒2019), Pionier der kinetischen, auf Beweglichkeit bzw. Bewegung beruhenden Kunst, noch im hohen Alter – und sein Schaffen zeugt davon. Schon in der Kunsthochschule fragte sich Cruz-Diez, der in der Folge einer der prominentesten lateinamerikanischen Künstler der jüngeren Moderne werden sollte, warum alle mit denselben Materialien arbeiteten. Er selbst wollte weg von der traditionellen Malerei. Während diese „eine Erinnerung“ repräsentierten, hoffte er darauf, in seinen Werken „die Gegenwart“ zu zeigen.
Carlos Cruz-Diez, Couleur Additive 2
Fritz Can Poppenberg
Welche Gefühle sind angemessen, welcher künstlerische Ausdruck ist erlaubt? Und ist nicht eigentlich schon alles gesagt? Die Arbeiten von Poppenberg behandeln zutiefst zeitgenössische ‒ individuelle, aber auch gesellschaftliche ‒ Fragen nach Identität, Authentizität und Orientierung. Insofern sind sie überhaupt nicht von vorgestern, sondern ganz im Gegenteil der Zukunft zugewandt.
Fritz Can Poppenberg, Love in the Soviet Union
Andy Warhol
Im Jahr 1981 blickte die Kestner Gesellschaft als erste Kunstinstitution in Deutschland auf das bedeutende Werk von Andy Warhol zurück. 68 Werke des schillernden Multitalents wurden vom 23. Oktober bis 13. Dezember in einer Retrospektive in Hannover ausgestellt. Der Ansturm zur Vernissage war gewaltig: Warhol war umringt von seinen Fans, gab Autogramme, doch bereits nach einer halben Stunde verschwand der Künstler durch den Hinterausgang. Insgesamt zählte die damalige Warhol-Ausstellung 18.000 Besucher. Das Plakat zur Ausstellung zeigt ein typisches Werk des Pop-Art-Künstlers, der sich in seiner Arbeit häufig mit Abbildern von Medienstars auseinandersetzte. Wiedergegeben ist das Porträt von Greta Garbo als Mata Hari. Im gleichnamigen Film spielte Garbo 1931 die Hauptrolle der exotischen Tänzerin. Warhols Bild zeigt eine Ikone der Filmgeschichte. Garbo, der Filmstar, erreicht durch seinen Siebdruck Unsterblichkeit. Doch zugleich bestätigt und entlarvt die Künstlichkeit der farbigen Darstellung das Starsystem Hollywoods.
Andy Warhol, Greta Garbo
Auf Anfrage
Joel Meyerowitz
Joel Meyerowitz zählt zu den bedeutendsten Mitbegründern der „Street Photography“ und der „New Color Photography“. Seit 1962 fotografiert er in Farbe ‒ seinerzeit ein Novum, denn nur die Schwarz-Weiß-Fotografie war damals als Kunst anerkannt. Gegenstand von Meyerowitz‘ Momentaufnahmen war das pulsierende Leben auf den Straßen New Yorks. Bis heute prägen seine Fotografien unser Bild von der amerikanischen Metropole. „Farbe hatte mehr beschreibende Kraft als Schwarz und Weiß. Ich verstand es als eine Erweiterung der Bandbreite von Inhalten und Emotionen“, hat Meyerowitz seine Entscheidung erläutert.
Als 2001 die Türme des World Trade Centers einstürzten, verschaffte sich der Fotograf Zugang zum tagelang abgesperrten Gelände und fotografierte das rauchende Trümmerfeld. Auch diese dramatischen Bilder haben sich in das kollektive visuelle Gedächtnis in Bezug auf New York eingeschrieben.
Joel Meyerowitz, Morandi’s Objects. Pitcher
Vergriffen
Arthur Elgort
I love...“ ist der Titel dieser großartigen Collector´s Edition, eine über 200 Seiten starke Liebeserklärung des US-amerikanischen Modefotografen Arthur Elgorts an die Frau – an ihre Schönheit, Weiblichkeit, Ausstrahlung und Stärke! Zu der Publikation gehört die auf 30 Stück limitierte Foto-Edition von Elgort, die das Supermodel Gia Ciangari in einem ungewöhnlichen Moment portraitiert: barbusig und mit Lockenwicklern in den Haaren. Entstanden ist das Foto 1980 auf Fire Island. Die damals 20-jährige Gia war zu der Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, im selben Jahr zierte sie das Cover der amerikanischen Vogue.
Elgort gewährt uns mit dem Foto einen sehr intimen Einblick in das Leben eines Supermodels, das 1986 tragisch endete. Gia Ciangari starb 1986 an einer Überdosis Heroin.
Arthur Elgort, I love ... 'Gia Carangi', Fire Island, 1980
Vergriffen
Paul Hutchinson
Hutchinson entwickelt Großstadtgeschichten von großer narrativer Kraft, die dabei aber nur einen Ausgangspunkt für eine mögliche Weiter-Erzählung und deren Wendungen bilden. Der Faltenwurf auf dem C-Print „Hoodie, green glow“ wird so zum Ausdruck einer inneren Haltung, Sinnbild einer Emotion. Doch die Fotografien betören uns auch allein im Hinblick auf ihre visuelle Form: durch ebenjenes leuchtende Grün, den Glanz einer Silberfolie oder die Reflexionen einer roten Synthetikjacke. „Eine Art bittersweetness und Poesie“ wohne seinen Werken inne, sagt Hutchinson, andere nennen es auch: Magie.
Paul Hutchinson, Hoodie, green glow
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Heinrich Heidersberger
Ich habe eine Abneigung gegen Gebrauchsanweisungen.“ Das sagte der Fotograf Heinrich Heidersberger einst über sich. Vielleicht strotzen die technisch ausgefeilten und perfekt inszenierten Arbeiten des großen Dokumentaristen der Nachkriegsmoderne gerade deswegen nur so vor Experimentierfreude und erstaunlichen Kompositionsideen. Seine Edition „Kleid aus Licht” aus dem Jahr 1949 zeugt davon. Berühmt sind auch seine „Blicke von oben“ wie etwa das 1935 in Kopenhagen entstandene Bild der Fahrradkuriere auf der Laederstraede.
Heinrich Heidersberger, VW Bad Wolfsburg, 1961
Vergriffen
Heinrich Heidersberger
„Ich habe eine Abneigung gegen Gebrauchsanweisungen.“ Das sagte der Fotograf Heinrich Heidersberger einst über sich. Vielleicht strotzen die technisch ausgefeilten und perfekt inszenierten Arbeiten des großen Dokumentaristen der Nachkriegsmoderne gerade deswegen nur so vor Experimentierfreude und erstaunlichen Kompositionsideen. Seine Edition „Kleid aus Licht” aus dem Jahr 1949 zeugt davon. Berühmt sind auch seine „Blicke von oben“ wie etwa das 1935 in Kopenhagen entstandene Bild der Fahrradkuriere auf der Laederstraede.
Heinrich Heidersberger, Laederstraede, Kopenhagen, 1935
Vergriffen
Roy Lichtenstein
Hier treffen sich zwei Meister: So wie Roy Lichtenstein neben Andy Warhol als wohl bekanntester Vertreter der Pop-Art gilt, gehört Hans-Peter Haas aka HPH zu den renommiertesten Siebdruckern in der Kunstwelt. Die Edition „Big Painting No. 6“ von Lichtenstein stammt aus seiner Werkstatt. Die Arbeit aus der sogenannten “Brushstroke”- bzw. „Pinselstrich“-Serie erinnert schon durch seine Bildsprache mit den für Lichtenstein so typischen Rasterpunkten an maschinell reproduzierte Druckerzeugnisse. Gleichzeitig persifliert der Künstler mit den vermeintlich gestisch-spontan aufgetragenen Pinselstrichen im Comicstil das künstlerische Pathos der Abstrakten Expressionisten.
Roy Lichtenstein, Big Painting No. 6
Bestellbar
Jenny Holzer
Da flackert nichts. Mit farbenreichen LED-Schriftbändern hat die New Yorker Konzeptkünstlerin Jenny Holzer Weltruhm erlangt, doch hier ruhen große rote Lettern auf gelbem Grund.
„YOU CAN WATCH PEOPLE ALIGN THEMSELVES WHEN TROUBLE IS IN THE AIR. SOME PREFER TO BE CLOSE TO THOSE AT THE TOP AND OTHERS WANT TO BE CLOSE TO THOSE AT THE BOTTOM. IT’S A QUESTION OF WHO FRIGHTENS THEM MORE AND WHOM THEY WANT TO BE LIKE.” Dieser Gedankensplitter, in Form eines Kupferdrucks auf Büttenpapier gebracht, ist Teil der „Living Series” (1980–82), in der die 63-Jährige Beobachtungen sozialer Phänomene beschreibt. Sie bemüht sich darin wie stets um eine moderate Sprache, und doch gerät der Leser ins Wanken, weil er in einen Strudel von Fragen gerät: Bin ich ein Hin- oder Weggucker? Warum verstecke, wovor fürchte, nach welchem Ich sehne ich mich? Die Harmlosigkeit, die eine Alltagssituation zunächst verspricht, gerät so leicht aus den Fugen.
Jenny Holzer, Selection from Living 1980–82
Bestellbar
Salvador Dalí
Als Dalís Lithografie „The Path to Wisdom (Drawer)” 1978/79 gedruckt wurde, war der exzentrische Künstler bereits Mitte 70 – und hatte längst zum katholischen Glauben gefunden. Was zeigt uns diese rätselhafte Szene vor dem Felsen in karger Landschaft? Ein gottähnliches Wesen, einen alten – dem Künstler selbst verwandten – Mann? Die Schublade ist ein sprechendes Motiv, verkörperte sie für Sigmund Freud doch die verdeckte Sexualität der Frau. In den Werken Dalís tauchen Schubladen immer wieder auf. Ihr leicht geöffneter Zustand könnte ein Hinweis darauf sein, dass ihre Geheimnisse gelüftet sind - und nichts mehr zu befürchten ist. Aber was hatte Dalí schon zu befürchten? Hat er sich doch am am Ende seiner Tage selbst „der Göttliche“ genannt.
Salvador Dalí, Retrospective - The Path to Wisdom (Drawer)
Vergriffen
Tal R
Als „Kolbojnik“ beschreibt der Künstler Tal R den Stoff, aus dem seine Werke sind. Das hebräisch-jiddische Wort steht für den gemeinsamen Abfalleimer im Kibbuz, und der in Israel geborene Däne deutet damit an, dass es eine große Bandbreite an Themen ist, die er in seinen Arbeiten „recycelt“. Tal R bewegt sich auf den Feldern der Malerei und der Installation ebenso wie auf denen der Mode oder der Skulptur; er bedient sich populärer Sujets wie des Comics, der Videospielästhetik und der Musik. Gleichzeitig leuchten immer wieder Momente der Kunstgeschichte auf.
Tal R, Deaf Institute
Bestellbar
Anna und Bernhard Blume
In der Fotoserie „Trautes Heim“ (1985‒1990) verliert die Hausfrau samt Hausrat ihren Halt. Hier fliegt erst das Küchenmobiliar wie von Geisterhand durch die Luft und später die Hausherrin vom Stuhl. Anna Blume, in grobgemustertem Kostüm und hausfraulicher Lockenperücke gekleidet, flog damals für diese ‚überirdische‘ Aufnahme tatsächlich durch das Kölner Atelier. Sie und ihr Mann Bernd Blume arbeiteten bei ihren oft waghalsigen Stunts nur mit einfachen Sicherungskonstruktionen, Halteseilen, Matratzen. Die ungewöhnlichen Kameraperspektiven und die Bildunschärfe ermöglichen dann die scheinbare Verselbstständigung der Dinge. Die Fotografien aus „Trautes Heim“ wirken mysteriös. Sie greifen dem voraus, was später durch Spezialeffekte im ‚digitalen Zeitalter’ zur Norm von Science Fiction & Mystery wird. Auch die Schwarz-Weiß-Fotografie dieser Edition (1986) gehört zur Serie „Trautes Heim“. Sie sticht heraus. Die Fotografie ist nicht nur das letzte Bild einer Aktion, bestehend aus vier Fotografien mit wirbelnden Tellerstapeln und einer an der Decke klebenden Anna Blume, sie ist darüber hinaus ein Künstlerporträt, ganz und gar erfüllt von Blume’scher Ironie. Das Künstlerduo blickt uns von einem der wenigen nicht zerbrochenen Teller inmitten eines Scherbenhaufens an ‒ vollkommen unscharf! Die Gesichter sind verschwommen, die Münder weit geöffnet. Anna und Bernd Blume scheinen zu lachen. Lachen sie uns aus? Vermutlich hat ein Dämon sie befallen.
Anna und Bernhard Blume, aus der Serie: Trautes Heim
Bestellbar
Günther Uecker
Günther Uecker zählt zu den wichtigsten Nachkriegskünstlern Deutschlands überhaupt. 1961 wurde er Mitglied der von Heinz Mack und Otto Piene kurz zuvor gegründeten Gruppe ZERO und wandte sich daraufhin verstärkt der Lichtkunst zu. Wenige Jahre später, 1970, war er neben Karl-Georg Pfahler, Mack und Thomas Lenk deutscher Vertreter auf der Biennale in Venedig. Seine Hauptwerke, wie etwa seine genagelten Reliefs, werden heute am Kunstmarkt auf eine halbe Million Euro oder mehr taxiert.
Günther Uecker, Lesioni - Legami
Auf Anfrage
Friedrich Kunath
Friedrich Kunaths Werk ist getragen von Poetik, Melancholie, Ironie, Absurdität und Existenzialismus. Das Gewöhnliche spielt ebenso wie das Erhabene eine Rolle in seiner Kunst. Selbstbewusstsein und Zweifel widersprechen sich bei Kunath nicht. Seine Ausdrucksweise in Malerei, Zeichnung, Objektkunst, Fotografie, Video- sowie Mixed-Media-Installation und Performance ist immer überraschend und unendlich reich an Ideen. Seine Rauminszenierungen wirken oft befremdlich, verbinden das scheinbar Unvereinbare miteinander.
In der internationalen Kunstszene ist Kunath seit den späten 1990er Jahren erfolgreich und berühmt. Er wurde 1974 in Chemnitz geboren und wuchs in Ost-Berlin auf. Bei Walter Dahn studierte er an der Hochschule für Bildende Künste, heute lebt und arbeitet er in Los Angeles. 2012 erhielt er den renommierten Sprengel-Preis für Bildende Kunst.
Friedrich Kunath, I don't worry anymore
Vergriffen
Stefan Marx
„Ich wollte immer die visuelle Seite meiner Lieblingskultur mitgestalten.“ Das war der Teenagertraum von Stefan Marx, Künstler und Designer, der tief in der Skateboarder-Szene verankert ist. Bereits mit 16 Jahren gründete er sein eigenes T-Shirt-Label und brachte Zines in kleinen Auflagen heraus. Heute wird er heftigst umworben, sei es von Plattenfirmen, Verlagen oder Galerien. In Hamburg studierte er Typografie. Marx spricht von sich am liebsten als Zeichner. „Eine bewusste Entscheidung, Künstler zu werden, habe ich immer noch nicht getroffen“, sagt er. Es ist ihm wichtig, die Kunstwelt regelmäßig auch wieder verlassen zu können. Der Zauber seiner Arbeiten liegt im Alltäglichen, das sie verhandeln.
Stefan Marx, Feelings aren't final
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Robert Indiana
Er war einer der Hauptvertreter der amerikanischen Pop-Art. Robert Indiana wurde 1928 unter dem bürgerlichen Namen Robert Clark in New Castle, Indiana, geboren. Bekannt wurde er durch seine Textbilder. Sein Buchstabenwerk „LOVE“ (1966) hat ihn weltweit berühmt gemacht. Angeregt wurde die Idee zu „LOVE“ vom New Yorker Museum of Modern Art, das Indiana im Jahr 1965 darum bat, eine Weihnachtsgrußkarte zu gestalten. Erst später entstanden seine LOVE-Walls und LOVE-Skulpturen. Die schablonenhafte Schrift, adaptiert von der kommerziellen Schildermalerei, wurde zum Leitmotiv all seiner „Sign-Paintings“. Sie sind auch gestaltgebend in der vorliegenden Edition.
Robert Indiana, Polygon Square
Bestellbar
Marcel Dzama
Marcel Dzama ist bekannt für seine detaillierten, feingliedrigen Zeichnungen. Gedämpfte Farben, obskure Figuren, erotische Motive und psychosexuelle Themen machen das Werk des kanadischen Künstlers unverkennbar. Dzama, der 1974 in Winnipeg geboren wurde, arbeitet darüber hinaus mit Skulptur, Malerei und Video. Er wird in New York und London von David Zwirner vertreten, einem der wichtigsten Galeristen weltweit.
Marcel Dzama, Opposition and Sister, Squares Reconciled Ex Libris Nr. 20
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François Morellet
„Recso-Verto 45°“, ein Siebdruck von 2011 von François Morellet, hat sich der formalen Strenge und der festgelegten Systematik verschrieben. Die schwarzen Linien fließen scheinbar ins Unendliche. Auf dem weißen Bildfeld suggerieren sie ihre Wiederholung. Doch aufgepasst: Nach der Krümmung öffnet sich die Linie zur Wand, ihr Strich wird breiter. Der versteckte Witz, der Clou dieser minimalistischen Wandarbeit liegt in einer optischen Täuschung. Das Werk löst sich links. Was ist hier Wand, was Werk? „Recso-Verto 45°“ hält für uns einen Knick in der Optik bereit!
François Morellet, Recso-Verto 45°
Bestellbar
Roy Lichtenstein
Wer ist Freund, wer ist Feind? Wer hier spricht, das ist auf Roy Lichtensteins nach „Whaam!“ berühmtestem Kriegsbild nicht ganz klar. „As I Opened the Fire“ ist ein Triptychon, das wenige Sekunden zweier Kampfflugzeuge während der Schlacht zeigt. Das erste und das letzte der einem DC Comic mit dem Titel „All American Men of War“ nachempfundenen Panels vertauschte der gefeierte Pop-Art-Künstler, was das Verständnis dieser kurzen Episode zusätzlich erschwert. „As I Opened the Fire“ steht für Lichtensteins Vorliebe für Cartoons und Comics zu Beginn seiner Karriere und den Rückgriff auf die Populärkultur, mit der er und seine Weggenossen die bildende Kunst revolutionieren sollten.
Roy Lichtenstein, As I Opened the Fire
Auf Anfrage
Rosemarie Trockel
Sie ist eine der bedeutendsten und vielseitigsten deutschen KünstlerInnen überhaupt: Rosemarie Trockel, die in den 70er Jahren erst Anthropologie, Theologie und Mathematik studierte, bevor sie zum Kunst- und Designstudium nach Köln wechselte, fertigt Skulpturen, Zeichnungen, Installationen und Objekte, die aus dem Rahmen fallen – unvorhersehbar, rätselhaft und lebendig.
Rosemarie Trockel, Ohne Titel
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Lars-Gunnar Nordström
Lars-Gunnar Nordström war ein finnischer Maler, Grafikdesigner, Bildhauer und Jazzliebhaber. 1924 geboren, arbeitete er über Jahrzehnte an seinem künstlerischen Werk, bevor er 2014 im hohen Alter von 90 Jahren starb. Als Pionier der Konkreten Kunst in Finnland schuf Nordström ein Œuvre aus streng komponierten Formen und Farben. Musik war dabei eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen.
Lars-Gunnar Nordström, Composition
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Jiří Georg Dokoupil
Über 100 verschiedene Stile und Techniken werden Jiří Georg Dokoupil von der Kunstwelt zugeschrieben. Er selbst meinte schon 1992, eine Retrospektive seines Werkes werde einmal aussehen wie eine Gruppenausstellung von 20 Malern. Dies hat sich inzwischen bewahrheitet: Große Soloausstellungen in den Hamburger Deichtorhallen oder im Museo Nacional Reina Sofia in Madrid sind der eindrucksvolle Beleg dafür.
Jiří Georg Dokoupil , Köpfe
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Meret Oppenheim
Meret Oppenheim gelang ein kometenhafter Aufstieg als Künstlerin. Der Schweifstern kann als Sinnbild für ihre frühe Karriere stehen. „Kleiner Komet“ heißt auch die monogrammierte Farbserigrafie aus dem Kerber Verlag. Hier erinnert er an eine Art Himmelsgefährt, umwebt von vielen kleinen Sternen, golden glänzend wie er. Stehen die zwei Kreise für ein androgynes Wesen? So jedenfalls, geschlechtsneutral, wünschte sich Oppenheim stets die Kunst.
Meret Oppenheim, Kleiner Komet
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Dorothy Iannone
Welche Antwort gibt man auf diese Frage: „Doesn't everyone make mistakes in September?" Auf 2014 datiert ist diese Edition in Schwarz-Weiß. Die Originalzeichnung entstand bereits 1976. Damals zeichnete Dorothy Iannone das Motiv auf eine Postkarte. Noch im selben Jahr gab die in Boston, Massachusetts, geborene Künstlerin ihrem Leben eine neue Richtung und ging mit einem DAAD-Stipendium nach Berlin. Dort lebt sie bis heute. Neben dem ironisch anmutenden Text der Zeichnung fällt Iannones explizite Bildsprache ins Auge, ein Mix aus Comic-Ästhetik und tantrischer Malerei bzw. buddhistischer Motivik. Letztere entdeckte die Künstlerin auf ihren Auslandsreisen.
Weibliche Sexualität, freie Liebe: Iannones Kunst der Kompromisslosigkeit verweigert bereits seit den 1960er Jahren die Zensur. In Gemälden, Texten, Bilderzählungen und Filmen kämpft sie für die Emanzipation. Ihr Werk dreht sich um die sexuelle, aber auch intellektuelle Unabhängigkeit der Frau und ihrer Gleichheit im Verhältnis zum Mann.
Dorothy Iannone, Doesn’t Everyone Make Mistakes in September?
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Michael Sailstorfer
Eine seiner frühesten Arbeiten verwirklichte Michael Sailstorfer noch ohne Auftraggeber: Er stattete Wartehäuschen an Bushaltestellen in seiner bayrischen Heimat mit Betten, Kochstellen, Tischen, Stühlen und Toiletten aus und nannte seine Installationen „Wohnen mit Verkehrsanbindung“. Und schon sie verweisen auf zwei wichtige Komponenten seiner Arbeitsweise: die Lust an der Umwandlung von Alltagsobjekten und Humor.
Michael Sailstorfer, P 99
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Hanne Darboven
Schon morgens um vier Uhr saß Hanne Darboven in ihrer Schreibstube, um erst am Mittag den Griffel aus der Hand zu legen. Für die Künstlerin war das Leben eine von Stundenplänen geregelte „Hausaufgabe“, unter die man abends ein Häkchen setzt. Aus dieser Disziplin entstand ein anspruchsvolles Werk, das man näherungsweise als künstlerisches Schreibwerk, als bildende Kunst und als minimalistische musikalische Kompositionsarbeit bezeichnen könnte. Das Thema „Stundenplan“ ist auch in „Theatre“ deutlich sichtbar. Täglich führte Darboven mit einer Gründlichkeit, die gleichermaßen grandios, einschüchternd wie furchterregend ist, Buch.
Hanne Darboven, Theatre
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Victor Vasarely
Sein malerisches Schlachtfeld war die geometrische Abstraktion. Und ihr fügte Victor Vasarely durch raffinierte Raumsuggestionen eine entscheidende Komponente hinzu: den optischen Effekt. Deshalb gilt der in Ungarn geborene Künstler (1908‒1997) als Vater der sogenannten Op-Art. Diese fordert uns mit wahrnehmungspsychologischen Wirkungen von Bildmustern heraus, löst Bewegungs- oder Flimmereffekte auf der Netzhaut aus. In die Kunst Vasarelys flossen auch seine Erfahrungen als Grafiker ein. Für die Olympiade in München 1972 entwarf er das offizielle spiralenförmige Logo. Und auch die Raute von Renault entstammt seinem Zeichenblock. Von 1955 bis 1968 waren seine Arbeiten regelmäßig auf der Kasseler Documenta zu sehen. Vasarely gründete im Jahr 1976 die Fondation Vasarely in Aix-en-Provence. In seiner Geburtsstadt Pécs eröffnete 1976 das Vasarely-Museum. Ein weiteres folgte 1987 in Budapest.
In 2018 / 2019 zeigt das Städel Museum in Frankfurt eine Retrospektive des Künstlers.
Victor Vasarely, Voeroech
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Louise Bourgeois
Louise Bourgeois eine Grande Dame der zeitgenössischen Kunst zu nennen, ist nicht zu hoch gegriffen, schließlich stellte die 2010 mit 98 Jahren verstorbene Künstlerin in den großen Museen weltweit aus. 1983 richtete ihr das Museum of Modern Art in New York als erster Künstlerin eine Einzelausstellung aus. Ihre Skulpturen und Installationen aus Bronze und Marmor, Gips, Latex und Textilien erzielen Höchstpreise – sie gilt als eine der teuersten Künstlerinnen der Gegenwart überhaupt. Und doch trifft die Würdigung nicht ganz: Denn bis zuletzt verweigerte sich die geborene Französin, die ab 1938 in New York lebte, dem Gesetzten, Damenhaften. Im Rahmen der legendären Salons in ihrem Atelier in Chelsea suchte sie noch in hohem Alter den Austausch mit jungen Künstlern.
Sie blieb eine Fragende, die in ihrer autobiografisch motivierten Kunst Angst, Hass, Wut und vor allem ihre traumatischen Kindheitserinnerungen thematisierte. Welche Grande Dame ließe sich von Robert Mapplethorpe porträtieren, verschmitzt lächelnd im Fellmantel mit übergroßem Phallus unter dem Arm? Eben. Und so können wir Louise Bourgeois in Erinnerung behalten als weise alte Frau mit großem Humor, die uns gelehrt hat, dass Schmerz und Tod zum Leben gehören und das Fragen niemals endet.
Louise Bourgeois, The Reticent Child
Auf Anfrage