Editionen, die Sie vielleicht verpasst haben

 
Joseph Beuys
Und wieder wählte Joseph Beuys Rostbraun. 1984, zwei Jahre vor seinem Tod, bannte der Künstler und Mystiker verschiedene Motive in Form von Siebdrucken auf Papier. Und zwar genau in dieser an Erde und Blut erinnernden Farbe, die es ihm so angetan hatte. Neben dem kleinen, einer Tasse ähnelnden „Topf“ hielt er so auch den „Sonnenschlitten“, das „Ufo“ und eine ganze Sammlung abstrahierter Gegenstände mit dem Titel „Zeichen aus dem Braunraum“ fest, die Einblicke geben in das Beuyssche Vokabular. Der „Schamanentopf“ erzählt von der Verbundenheit des Künstlers mit den spirituellen Mittlern zwischen Menschen und Geistern. Schamanistische Praktiken spielen eine nicht unbedeutende Rolle in seinem vielseitigen Werk.
Joseph Beuys, Schamanentopf
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Lothar Quinte
Lothar Quintes handsignierter Siebdruck o. T. aus dem Jahr 1972 fügt sich ein in sein ungegenständliches, von vorgegebenen Denkräumen in der Malerei weitgehend unbelastetes Werk, das so die Chance einer vorurteilsfreien Betrachtung in sich birgt. Und in dieser Arbeit gibt es einiges zu entdecken: Der Blauverlauf ist nicht spannungsfrei, die Weißräume zwischen den senkrechten Streifen deuten ein Dahinter an. „Was ich male, bin ich“, mit diesem Satz betonte Quinte einmal die Ernsthaftigkeit seiner Kunst. Dass sie dabei dennoch vieldeutig bleibt, eröffnet zugleich auch einen Resonanzraum für das eigene Ich, das auf verlockende Art und Weise emotional herausgefordert wird. Somit schuf Quinte nichts weniger als ein universelles Moment und damit eine Kunst, der ein Wahrheitskern innewohnt.
Lothar Quinte, Ohne Titel
Achim Riethmann
Achim Riethmann – ehemaliger Meisterschüler von Leiko Ikemura – beherrscht wie kaum ein anderer die Kunst der Aquarelltechnik. Mithilfe feinster Pinselstriche und kleiner Farbflächen arbeitet er seine Motive heraus, die in ihrer Detailliertheit und ihrer Farbigkeit, changierend zwischen zartesten Blau-, Rosa-, Grün- oder Schwarznuancen, bestechend schön sind. In ihnen deuten sich jedoch Geschichten an, bei denen es nicht nur um diese vordergründige Schönheit geht:
Wenn Riethmann Menschen mit Helmen und heruntergelassenem Visier malt, wenn Kameradrohnen oder emporgereckte Fäuste zu Bildträgern werden, wird deutlich, dass es dem gebürtigen Londoner um Ausnahmesituationen geht, um jene Momente, in denen sich Zustände innerhalb weniger Sekunden radikal ändern können.
Achim Riethmann, o.T. (2)
Vergriffen
Wim Wenders
Wim Wenders ist nicht nur als Filmregisseur weltberühmt, sondern auch als Fotograf. „Ich mache Aufnahmen von Dingen, die es gibt, und manipuliere nichts“, sagte er einmal über seine Herangehensweise. Umso mehr fasziniert sein fotografisches und filmisches Auge, das sich auch in seiner Edition „Girl in Window, Los Angeles“ offenbart. Die große Wirkmacht von Bildern wurde ihm nicht zuletzt in der kalifornischen Filmmetropole bewusst, in der er selbst vorübergehend lebte. „L.A. hat einen unglaublichen Einfluss auf die Kultur auf diesem Planeten, mehr als jede andere Stadt auf der Welt, aber es hat sich selbst infiziert mit seinen eigenen Bildern“, so Wenders. Die Auseinandersetzung mit dem Konflikt zwischen Fiktion und Realität bezeichnet er als grundlegend für sein Schaffen.
Wim Wenders, Girl in Window, Los Angeles
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Christoph Niemann
Das Wort Kreativität muss für Menschen wie Christoph Niemann erfunden worden sein, schaut man auf die Fülle seiner Ideen. Die Arbeiten des in New York wie Berlin gefeierten Illustrators sind genauso schlicht wie genial: Wenn ein Mohnbrötchen in Niemann´s Zeichnungen zum Dreitagebart mutiert, Bananen zu Hinterflanken eines Pferdes oder Eddings zu gestiefelten Beinen werden, nicken und schmunzeln wir zustimmend. Aber selber drauf gekommen wären wir nie! Seit acht Jahren postet Niemann, der visuelle Geschichtenerzähler, in seinem Sonntags-Blog „Abstract Sunday“ - früher „Abstract City“ - in der New York Times seine erfindungsreichen und humorvollen alltäglichen Beobachtungen
Christoph Niemann, Courtyard (Andalucia)
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A.R. Penck
An A. R. Pencks frühes Vorbild Picasso erinnern nicht nur die kubistischen Anleihen in der Lithografie „Ariadne – Minotaurus“, sondern auch das Motiv: Keine andere Figur tritt so oft in den Werken des spanischen Malerstars auf wie der Minotaurus, eine Gestalt mit menschlichem Körper und dem Kopf eines Stiers. Und auch Penck greift immer wieder auf dieses Zwitterwesen zurück. Die Edition aus dem Jahr 1992 erzählt eine jahrtausendealte Geschichte: Laut der griechischen Mythologie half Ariadne, die Tochter des kretischen Königs Minos, dem späteren Herrscher Athens, Theseus, dabei, den Minotaurus zu besiegen. Auch dass sie als Fruchtbarkeitsgöttin verehrt wurde, scheint sich in Pencks Interpretation zu spiegeln. Die Linienführung sowie das geheimnisvolle Zeichenvokabular aus Strichfigur, Pfeil, Sonne oder Mond machen aus der Lithografie einen typischen Penck – grafisch kraftvoll und archaisch.
A.R. Penck, Ariadne - Minotaurus
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Yves Popet
Sie wollten das Unsichtbare sichtbar machen, vorurteilsfrei und fern von jedweder Symbolik: die Vertreter*innen der sogenannten konkreten Kunst. Wie sie setzt der französische Maler Yves Popet auf eine ungegenständliche Malerei, verwendet sie als universelle Sprache. Er gehört zu den bedeutendsten Repräsentant*innen der geometrischen Abstraktion in Frankreich. Der 1946 in Reims geborene und in Paris lebende Künstler konzentriert sich seit Jahrzehnten vor allem auf ein seit Kasimir Malewitsch in der Kunstgeschichte fest verankertes Motiv: das Quadrat. Dieses grundlegende Element der Malerei reflektiert Popet immer wieder neu. Die Magie liegt hier in der Einfachheit bei gleichzeitiger Variationsvielfalt in Form und Farbe. Popets Werke versetzen uns in einen Zustand, der in unserer vielstimmigen, lärmenden Gegenwart fast vergessen zu sein scheint: den einer produktiven Stille. Die Kraft, die davon ausgeht, lässt sich hier unmittelbar erspüren. </p>
<p>Yves Popet ist mit seinen Werken in zahlreichen Sammlungen weltweit vertreten, darunter der Fonds National d’Art Contemporain in Frankreich, das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen am Rhein und die Foundation for Constructive Art an der Universität von Calgary in Kanada.
Yves Popet, Ohne Titel
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Christo & Jeanne-Claude
Die Maßstäbe sind klein im Vergleich zu anderen Arbeiten von Christo und Jeanne-Claude, aber die Skulptur „Package on a Hunt (Projekt für Goslar)” hat dennoch Sensationspotenzial: Denn im Gegensatz zu den sonst temporären Werken der beiden ist sie immer noch da. Entstanden ist die Arbeit 1988, ein Jahr nach der Verleihung des Kaiserrings der Stadt Goslar an Christo. Als das älteste Erzbergwerk der Welt ebendort geschlossen wurde, verpackte der Künstler den letzten Erzförderwagen – bergmännisch „Hunt“ genannt – und schenkte ihn dem Mönchehaus Museum, in dessen Skulpturengarten er nach Ausleihen als Teil der Sammlung dauerhaft steht. Verhüllt mit Stoff, verschnürt zu einem Paket. Die handsignierte Farboffsetlithografie stammt aus dem Entstehungsjahr. Christos Zeichnung kommt dem finalen Kunstwerk schon sehr nah, zugleich ist der noch unverpackte „Hunt“ zu sehen ‒ eine Edition, die Bergwerks- und Kunstgeschichte in sich vereint.
Christo & Jeanne-Claude, Package on a Hunt
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Marcel Dzama
Marcel Dzama, 1974 in Winnipeg geboren, ist bekannt für seine detaillierten, feingliedrigen Zeichnungen. Gedämpfte Farben, obskure Figuren, erotische Motive und psychosexuelle Themen machen sein Werk unverwechselbar. Der kanadische Künstler arbeitet darüber hinaus mit Skulptur, Malerei und Video, zudem sucht er immer wieder die Möglichkeit zur Kooperation mit Kolleg*innen wie Raymond Pettibon, Kim Gordon, Spike Jonze und Dave Eggers.
Marcel Dzama, Where All Harmonies Are Tuned
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Lawrence Weiner
Die Idee für ein Kunstwerk ist bereits das Kunstwerk selbst ‒ Lawrence Weiner (1942-2021) hat den Kunstbegriff radikalisiert. In den sechziger Jahren, einer der bedeutendsten Dekaden der Gegenwartskunst, leistete er Pionierarbeit: Er machte Sprache zum Medium der bildenden Kunst. Mit seinen Textbotschaften demokratisierte er die Kunst. Der Künstler als Autor mit Deutungshoheit rückte in die Ferne, der Betrachter geriet ins Zentrum. Wie selten zuvor lag es an ihm, ein Werk gedanklich zu vollenden. 1968 bekräftigte Weiner in drei kurzen Leitsätzen, dass ein Kunstwerk keine physische Gestalt mehr annehmen muss: „1. Der Künstler kann die Arbeit herstellen. 2. Die Arbeit kann angefertigt werden. 3. Die Arbeit muss nicht ausgeführt werden.“
Lawrence Weiner, here & there some swimming in a vast whirlpool
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Jonathan Meese
„Mir liegt das Direkte und Schnelle, es ist am radikalsten“, sagt Jonathan Meese. Das ist im druckgrafischen Werk des genreübergreifend arbeitenden deutschen Künstlers gut ablesbar. „Zardoz“-Bezüge ziehen sich durch Meeses Werk. „Ich habe 'Zardoz' mit zwölf gesehen. Und der ist mir nie mehr aus dem Kopf gegangen“, sagt er. Der Kopf der Gottheit ist fest verankert in Meeses Zeichenvokabular – ebenso wie das Eiserne Kreuz, mit dem er jedoch keinesfalls Botschaften verknüpft wissen möchte. Von dem endlosen Gebrauch verspricht er sich vielmehr das Gegenteil: das Todlaufen jeglicher Ideologie. Für Meese ist Kunst Spiel und Spiel Kunst – das Gegenteil von Ideologie, Politik und Religion. </p>
<p>Der Künstler wurde mit seinem Beitrag für die erste, von Klaus Biesenbach, Hans-Ulrich Obrist und Nancy Spector kuratierte Berlin Biennale im Jahr 1998 international bekannt. Ob in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, im Pariser Centre Pompidou oder im MoMA PS1 in New York ‒ seine expressiven Arbeiten finden weltweit größte Beachtung.
Jonathan Meese, Zardoz
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Jack Pierson
Jack Pierson arbeitet in unterschiedlichen Medien: Skulptur, Fotografie, Video und Zeichnung. International bekannt ist der US-amerikanische Künstler, geboren 1960 in Plymouth, Massachusetts, für seine Künstlerbücher wie „The Hungry Years“ und Installationen aus Buchstaben- und Wortschildern. 1991 hat Pierson erstmals alte Buchstaben, einst Werbeschriften oder Beschriftungen von Gebäuden, zu neuen Wörtern oder Sätzen zusammengefügt. Seine kurzen Statements wirken gleichermaßen politisch und poetisch auf den Betrachter. Auch seine Fotografien sind vielfältig. Pierson hat Prominente im Bild festgehalten, etwa Naomi Campbell, Snoop Dogg oder Brad Pitt. Aufmerksamkeit erregte er außerdem mit seiner Publikation „Self-Portrait“ (2003), für die er gut aussehende Männer unterschiedlichen Alters fotografierte, nicht aber sich selbst. Zeigt sich darin ein ausgeprägter Sinn für Ironie, spielen darüber hinaus Gefühle eine wichtige Rolle in Piersons Werk.
Jack Pierson, YELLOW ROAD
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Martin Parr
Martin Parr liebt Pferderennen. Entsprechende Szenen hielt er in berühmten britischen Wettkampfstätten wie in seiner Heimatstadt Epsom, in Ascot, aber auch in Südafrika, Australien oder Dubai fest. Die Fotografie „Glenbeigh Races“ entstand bereits im Jahr 1983 im irischen County Kerry am Rossbeigh Beach, auf dem dieses Rennen seit 1924 veranstaltet wird. Parr fotografierte zu jener Zeit noch in Schwarz-Weiß, so auch bei weiteren traditionellen Events wie Pferde- und Viehauktionen oder religiösen Festen der Katholiken. Irland, wo er selbst zwei Jahre lebte, war damals gezeichnet von Rezession und hoher Arbeitslosigkeit. Die Edition „Glenbeigh Races“, 2021 signiert und in limitierter Auflage gedruckt, liegt seiner Collector’s Edition „From the Pope to a Flat White. Ireland 1979‒2019‟ bei. Irlands jüngste Geschichte lässt sich mit Parr wunderbar eindrücklich nachvollziehen.
Martin Parr, Glenbeigh Races, County Kerry, 1983
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Madeleine Boschan
Die Künstlerin Madeleine Boschan erschafft mit ihren Werken neue Räume. Sobald wir ihre Skulpturenensembles betreten, verändert sich unser Blick, unsere Haltung, unsere Wahrnehmung. Für die Bildhauerin steckt darin nicht weniger als die Möglichkeit der Erfahrung von Transzendenz. Doch das braucht Offenheit: „Den eigenen Ort kann man nur allein finden, das nimmt einem niemand ab.“ Dieser Aufgabe stellt sich die Künstlerin zunächst immer wieder selbst, wenn sie die Ausstellungsräume ihrer ortsbezogenen Arbeiten erstmals begeht.
Madeleine Boschan, Antae (brimstone / light blue)
Dieter Kleintje
Kasimir Malewitschs „Schwarzes Quadrat“ gilt als Urknall für die Konkrete Kunst. Der russische Maler hatte sich vorgenommen, „die Kunst vom Gewicht der Dinge zu befreien“. Dass die konkreten Farben und Formen dabei über sich hinausweisen – Malewitsch sprach gar von der „Darstellung der reinen Empfindungen“ –, darauf pocht auch der 1944 in Hildesheim geborene Maler Dieter Kleintje in seiner Kunst, bei aller technischen Vollkommenheit und Transparenz der benutzten Mittel. Werke des Wahlmünchners sind unter anderem im Besitz der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und der Pinakotheken (Bayerische Staatsgemäldesammlungen) in München sowie des Städtischen Museums Braunschweig.
Dieter Kleintje, 12 Zweierkombinationen d. vier Bewegungsrichtingen: Vertikale, Horizontale, fallende u. steigende Diagonale
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Bel Borba
Der brasilianische Künstler Bel Borba, geboren 1957, lebt und arbeitet in Salvador da Bahia, der drittgrößten Stadt Brasiliens. Seit den späten 1970er Jahren entsteht auf den dortigen Straßen seine Kunst in Form von grafischen Arbeiten und Skulpturen. Die Wände der Stadt dienen ihm als Leinwand, die Plätze und Strände als Atelier. Jeder in Bahia kennt Borba, wünscht sich ein Kunstwerk von ihm in seiner Nachbarschaft. Sein Werk, häufig knallbunt, lässt nicht nur an Kunst im öffentlichen Raum und Street-Art denken, sondern auch an Pop-Art. Inspiration für seine kleinen Mosaiken wie für die großformatigen Wandarbeiten und Installationen aus zerbrochenen Fliesen, Stahl, Holz und recyceltem Material findet Borba in der Landschaft und an den Küsten Brasiliens, in der Kultur seiner Heimat und der Urbanität der Megacity.
Bel Borba, Landscape: Hommage to Sean Scully
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Heinrich Heidersberger
Als Heinrich Heidersberger Ende der 40er Jahre seine später ikonisch gewordene Aktserie „Kleid aus Licht“ für die Zeitschrift „Stern“ fotografierte, löste das einen Skandal im prüden Nachkriegsdeutschland aus. Mithilfe selbstgebastelter Loch- und Lamellenmasken, die er vor eine leuchtstarke Lichtquelle hielt, warf der Künstler grafische Muster auf die nackten Körper – sein „Frauenakt“ von 1953 zeigt ein solches Kleid, gewebt aus Licht.
Heinrich Heidersberger, Kleid aus Licht, 1949
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Johannes Hüppi
Die Frauen in Johannes Hüppis Bildern sind Repräsentationen des Weiblichen, alle einem Grundtraum des Künstlers entspringend, auch wenn ihre Züge und Eigenschaften variabel sind wie die Liebesgeschichten, die in seiner Malerei erzählt werden. Seine filmästhetisch durchdrungene, zwischen höchst subjektiv und kühl-distanziert changierende Bildsprache nimmt die Betrachter mit auf intime Reisen durch Landschaften und Interieurs, Alltags- und Traumregionen, in denen seine Protagonistinnen warten, flanieren, sich ausruhen oder der Liebe hingeben. Seine „Salome“ in der signierten Radierung aus dem Jahr 2011 ist direkt der Kulturgeschichte entsprungen. Sie hält den Kopf des Johannes, den sie auf Geheiß ihrer Mutter von ihrem Vater Herodes gefordert hatte, fast vorsichtig mit der rechten Hand. Was verrät uns ihr Blick? Der romantische Realist Hüppi überlässt das Weiterspinnen der Geschichten stets der Fantasie seines Publikums, das so Teil seines Werks wird.
Johannes Hüppi, The Salome
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Tal R
Als „Kolbojnik“ beschreibt der Künstler Tal R den Stoff, aus dem seine Werke sind. Das hebräisch-jiddische Wort steht für den gemeinsamen Abfalleimer im Kibbuz, und der in Israel geborene Däne deutet damit an, dass es eine große Bandbreite an Themen ist, die er in seinen Arbeiten „recycelt“. Tal R bewegt sich auf den Feldern der Malerei und der Installation ebenso wie auf denen der Mode oder der Skulptur; er bedient sich populärer Sujets wie des Comics, der Videospielästhetik und der Musik. Gleichzeitig leuchten immer wieder Momente der Kunstgeschichte auf.
Tal R, Deaf Institute
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Michelle Jezierski
„Selten hat man in der jungen deutschen Kunst eine derartige Licht-Malerei gesehen“, beschreibt Christoph Tannert, Leiter des Kunsthauses Bethanien in Berlin, die Arbeit von Michelle Jezierski, in deren Leben Kreativität von jeher eine große Rolle spielt. Die Landschaft ist in den Werken der Berliner Künstlerin Michelle Jezierski Ausgangspunkt für Fragen des Raumes und unserer Wahrnehmung davon. Farbschichten türmen sich wie Wolken, Wellen oder Felsen auf, häufig überzogen von geometrischen Formen, die zusätzliche Tiefe und Dynamik erzeugen. Hell- und Dunkelkontraste, gedeckte und leuchtende Farben bestimmen die Atmosphäre darin, die uns Betrachter*innen auf ganz unterschiedliche, emotionale Weise einnimmt, so unterschiedlich wie das Licht an einem Morgen, im Vergleich zu dem am Tag und Abend oder in der Nacht.
Michelle Jezierski, Replace
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Christoph Niemann
Das Wort Kreativität muss für Menschen wie Christoph Niemann erfunden worden sein, schaut man auf die Fülle seiner Ideen. Die Arbeiten des in New York wie Berlin gefeierten Illustrators sind genauso schlicht wie genial: Wenn ein Mohnbrötchen in Niemann´s Zeichnungen zum Dreitagebart mutiert, Bananen zu Hinterflanken eines Pferdes oder Eddings zu gestiefelten Beinen werden, nicken und schmunzeln wir zustimmend. Aber selber drauf gekommen wären wir nie! Seit acht Jahren postet Niemann, der visuelle Geschichtenerzähler, in seinem Sonntags-Blog „Abstract Sunday“ - früher „Abstract City“ - in der New York Times seine erfindungsreichen und humorvollen alltäglichen Beobachtungen
Christoph Niemann, Waterfront
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Bianca Kennedy
Ist die Badewanne der letzte Ort des Rückzugs und der Kontemplation? Die transformierende Kraft des Wassers in der Wanne, die als Dreh- und Angelpunkt besonders in Filmen genutzt wird, fängt Bianca Kennedy mit ihrer Edition „Portraits of Taking a Bath in Movies“ ein. Denn im Film spielt die Badewanne und das, was in ihr passiert, eine besondere Rolle: als Ort von lebensverändernden Geheimnissen, von Mord und Totschlag oder auch als Beichtstuhl, in dem Verborgenes preisgegeben wird.
Bianca Kennedy, Serie
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Bianca Kennedy
Ist die Badewanne der letzte Ort des Rückzugs und der Kontemplation? Die transformierende Kraft des Wassers in der Wanne, die als Dreh- und Angelpunkt besonders in Filmen genutzt wird, fängt Bianca Kennedy mit ihrer Edition „Portraits of Taking a Bath in Movies“ ein. Denn im Film spielt die Badewanne und das, was in ihr passiert, eine besondere Rolle: als Ort von lebensverändernden Geheimnissen, von Mord und Totschlag oder auch als Beichtstuhl, in dem Verborgenes preisgegeben wird.
Bianca Kennedy, Serie
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Stefan Marx, Jonathan Meese, Henning Wagenbreth etc
„Splendid Isolation“ lautet der Titel der so entstandenen Mappe in Anlehnung an die politische Selbstisolierung, die das Vereinigte Königreich einst im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zur Wahrung des europäischen Mächtegleichgewichts freiwillig wählte. „Splendid“? Das kommt auf die Perspektive an! Intim, unbeeindruckt, zart, ratlos, melancholisch – die emotionale Bandbreite der in der Tabor-Mappe versammelten 40 Druckgrafiken, die von zwei Texten von Durs Grünbein begleitet werden, ist groß. Auch ein Holzschnitt und eine Spiegelfolie liegen bei.
Stefan Marx, Jonathan Meese, Henning Wagenbreth etc, Splendid Isolation Mappe (mit 40 Künstler*innen)
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Fabian Warnsing
Ob Stillleben oder Akte – der Künstler Fabian Warnsing greift immer wieder auf klassische Motive aus der Kunstgeschichte zurück. Die Badenden am See in seinen auf Bleistiftzeichnungen beruhenden Acrylarbeiten aus der Serie „hotdaystudy 1-8“ erinnern an Cézanne, Kirchner oder Katz. Und doch ist bei Warnsing die Zeitgenossenschaft im Blick auf die Körper, Kleider und Konstellationen nicht zu übersehen. Auch digitale Bilderwelten beeinflussen den Maler stark. Allerdings nicht im Hinblick auf Rendering und Perfektion, denn Warnsings Werke legen Arbeitsprozesse und Korrekturen offen, wie sie auch bildästhetischen Fragestellungen nachgehen, etwa zu Flächigkeit und Tiefe, Figuration und Abstraktion. Solche Bruchstellen lassen Raum für Unsicherheit und Assoziation. Trotzdem oder gerade deswegen sprühen Warnsings Bilderfindungen nur so vor narrativer Kraft.
Fabian Warnsing, Hot Day Study 1
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Lothar Wolleh
Es greift zu kurz, Lothar Wolleh einfach nur als Fotografen zu bezeichnen. Er war ein leidenschaftlicher Freund und Förderer der Kunst, zugleich war er selbst ein Künstler ‒ ein Künstler, der andere Künstler fotografierte, einer, der mit technischer Präzision sein Medium, die Fotografie, herausforderte und innovative Projekte in Form von Künstlerporträts, Künstlerbüchern oder thematischen Fotomappen anschob. Neben Joseph Beuys lichtete Wolleh unter anderem Lucio Fontana, René Magritte, Otto Piene, Man Ray und Günther Uecker sowie deren Werke ab, oftmals aus eigener Initiative. Entstanden sind Arbeiten, die von großer Sensibilität und einem feinen Gespür für Bildkompositionen zeugen.
Lothar Wolleh, Günther Uecker I
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Lothar Wolleh
Lothar Wollehs Werk geriet nach seinem Tod 1979 zunächst in Vergessenheit. Erst im Jahr 2005 fand in der Kunsthalle Bremen eine große Einzelausstellung mit dem zutreffenden Titel „Lothar Wolleh. Eine Wiederentdeckung ‒ Fotografien 1959‒1979“ statt. Die Schau wanderte im Anschluss in das Ludwig Museum Koblenz, das Kunstmuseum Ahlen und das Stadtmuseum Hofheim am Taunus weiter. 2012 zeigte der Hamburger Bahnhof ‒ Museum für Gegenwart in Berlin Wollehs im Januar 1971 entstandene Fotos von Joseph Beuys im Stockholmer Moderna Museet. Zu aktuellen Ausstellungen siehe https://www.lothar-wolleh.com/de/ausstellungen/.
Lothar Wolleh, Günther Uecker II
Juan de la Rica
„I like to say that the subject is nothing more than a MacGuffin, to use Hitchcock’s language, a plot excuse for the painting to advance.“ Jedes Motiv kann den technisch brillanten spanischen Maler Juan de la Rica zu neuen Werken motivieren – wie in den Filmen von Regisseur Hitchock eine beliebige Person, ein nebensächliches Objekt die Handlung vorantreiben kann. De la Ricas Faszination für die „Saltadora“, die sich an seinem signierten, neunfarbigen Siebdruck aus dem Jahr 2022 ablesen lässt, geht also nicht zurück auf die Springerin an sich, sondern auf die Herausforderung, sich diese Figur künstlerisch ganz zu eigen zu machen. Dabei verdankt sich der hohe Wiedererkennungswert seiner Arbeiten einem starken Formwillen und großer Ausdruckskraft. Die Werke, so scheint es auf den ersten Blick, sind aus der Zeit gefallene: Das 20. Jahrhundert hallt hier nach ‒ und doch ist ihnen ebenso die Jetztzeit auf wunderbare Weise eingeschrieben.
Juan de la Rica, Saltadora
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Bettina Krieg
Die Arbeiten von Bettina Krieg (geb. 1981), die in Berlin, Marseille und Canberra studierte und Meisterschülerin von Daniel Richter, Robert Lucander und Hans-Jürgen Diehl war, geben Fragen auf. Die mal zart, mal mit kräftigem Strich ausgeführten Zeichnungen bewegen sich zwischen Figürlichkeit und Abstraktion. Das Auge sucht nach Halt, findet Ankerpunkte, Details inmitten eines Strudels, dann verliert es sich wieder in der Tiefe der Zeichnung. Bewusst gibt die Künstlerin keine Antworten in Bezug auf Perspektive, Materialität, Anfang oder Ende. Ihre Werke tragen keine Titel, denn jeder sieht das, was er vermag.
Bettina Krieg, EASE
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René Holm
Mit der Arbeit „If you think you can do it better then fucking do it yourself “ kehrt René Holms zu den Anfängen seines Schaffens als Graffiti-Künstler zurück und macht klar: Hier steht die Botschaft selbst im Vordergrund. Holms setzt die Buchstaben im kräftigen Blau mit Nachdruck und nahezu blattfüllend auf das Papier – Kleckse und Schlieren entstehen, die die Dringlichkeit der Aussage nur noch weiter unterstreichen. Er spricht damit allen aus dem Herzen, die schon lange keine Lust mehr auf die ständige Besserwisserei haben. Macht es doch selbst! Mit diesem Werk an der Wand setzen Sie ein Statement!
René Holm , If you think you can do it better then fucking do it yourself
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Tobias Molitor
Die „Duty Free Bag“ von Tobias Molitor ist nicht denkbar ohne Brendan O’Regan, einen irischen Geschäftsmann, der als Vater der Duty-free-Shops gilt, die Molitor als ikonisch begreift: Auf allen Flughäfen dieser Welt zugegen, lassen sie sich als Symbol für ein Freiheitsversprechen verstehen, über das sich in diesen Krisenzeiten schon fast eine Art von Nostalgie gelegt hat. Sie ist Teil von Molitors „PlasticBag“-Serie, in der er Plastiktüten mit all ihren Gebrauchsspuren in einem aufwendigen Siebdruckverfahren fotorealistisch reproduziert und zu der auch die „AldiBag“ – als Hommage an Günter Fruhtrunk, den Schöpfer des berühmten Motivs auf der Aldi-Tüte – gehört. „Für mich sind diese Überbleibsel Souvenirs, Relikte und Beweismittel einer visuellen Kultur des Menschen und der menschlichen Existenz im Allgemeinen“, sagt Molitor, der in seinem künstlerischen Schaffen Alltagsobjekten und Konsumartikeln eine ungeahnte Poesie einhaucht.
Tobias Molitor, Duty Free Bag
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Candida Höfer
Seit über 30 Jahren richtet Candida Höfer ihre Kamera auf die Innenräume von Kulturstätten. Ob Museumshallen, Bibliotheken oder auch einmal ein Zoologischer Garten: Bei Höfer sind sie völlig menschenleer, aber zugleich voll gefühlter Anwesenheit und gelebter Geschichte – das ist zum Markenzeichen der gebürtigen Eberswalderin geworden. Dabei manipuliert die Künstlerin nichts: Kein Stuhl in der Kantine des Spiegel-Verlags wird verrückt, kein Vorhang im Florentiner Palazzo Vecchio beiseitegeschoben. Mit der Kamera hält sie rare Momente der Leere und Stille in diesen Räumen fest und bewahrt damit auf Ewigkeit die Vermächtnisse unserer Vergangenheit.
Neben Thomas Ruff, Andreas Gursky und Thomas Struth steht Candida Höfer längst an der Spitze der internationalen Kunstszene. Ihre Arbeiten sind in Sammlungen wie den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München oder der Londoner Tate Collection vertreten.
Candida Höfer, Reggia di Portici
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Joseph Beuys
Die handsignierte Radierung „Raumecke, Filz, Fett“ von 1982 gehört zu Joseph Beuys’ grafischem Zyklus „Suite Zirkulationszeit“. Für diese Serie aus insgesamt 21 Blättern hat er neben Tieren und menschlichen Figuren auch diese Raumecke gezeichnet, die auf den ersten Blick an eine technische Zeichnung erinnert. Für Beuys hatte Fett jedoch stets eine besondere Bedeutung als Wärme speicherndes Material ‒ um die Speicherung von Energie als Verweis auf sich kontinuierlich verändernde Existenz- und Konsistenzzustände ging es Beuys in seiner Kunst. Und so erscheint es nur logisch, dass er den sorgfältig gestalteten Stempel „Hauptstrom“ mit (Braun-)Kreuz prominent auf dieser Grafik platziert, womit seine Edition klug-beiläufig zu einer wichtigen Botschafterin seiner Kunsthaltung wird.
Joseph Beuys, Zirkulationszeit: Raumecke, Filz, Fett
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Lukas Glinkowski
Der 1984 im polnischen Chelmno geborene Wahlberliner Lukas Glinkowski involviert uns als Rezipient*innen immer wieder in sein Werk, nicht nur mithilfe von Spiegeloberflächen, teils lädt er auch zu konkreten Mitmalaktionen ein. Sein Inspirationsfeld ist der öffentliche Raum. Der Schriftzug „Just keep swimming“ verweist auf seine Vorliebe für Graffitis, aber auch für Wandkritzeleien, wie sie häufig auf Wänden, Fliesen oder eben Spiegeln in Clubtoiletten und U-Bahn-Tunneln zu finden sind. Den Maler interessiert die multiple Urheberschaft solcher „Werke“ genauso wie die offenen Interpretationsmöglichkeiten der hinterlassenen Botschaften, die uns mit gesellschaftlichen oder auch ganz persönlichen Sinnfragen konfrontieren.
Glinkowski war Meisterschüler bei Katharina Grosse an der Kunstakademie Düsseldorf. Der Preisträger des Berlin Hyp-Preises von 2018 erhielt 2019 ein Stipendium der Villa Aurora in Los Angeles.
Lukas Glinkowski, Just Keep Swimming
Franck Noto
Diese Farben! Diese Gesten! Die abstrakten Werke des französischen Künstlers Franck Noto (*1980 in Montpellier) erinnern in ihrer Intensität an Naturschauspiele, deren wirkungsvoller Zauber nie ganz zu greifen ist. So lässt sich seine exklusiv für artflash entstandene signierte Serigrafie mit dem Titel "Swimming Circles“ mühelos mit den Pastelltönen des Himmels bei auf- oder untergehender Sonne assoziieren. Gleichzeitig lässt der Duktus seiner Arbeiten keinen Zweifel daran, dass sie tief in der Graffiti-Kunst wurzeln – Noto begann bereits als 15-Jähriger zu sprayen und reiste später als ZEST mit dem Kollektiv TDM um die Welt. Aus diesem Spannungsverhältnis entwickelt sich ein erstaunlicher Sog, ein verführerisches und singuläres visuelles Vokabular, das keiner rationalen Entschlüsselung bedarf.
Franck Notos Werke sind in internationalen Solo- und Gruppenausstellungen zu sehen. Seine künstlerische Handschrift zeigt sich auch in zahlreichen Murals an Orten weltweit, darunter Montpellier, Bordeaux, Buenos Aires, Las Vegas, Zaragoza oder Heidelberg.
Franck Noto, Swimming Circles
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Wolfgang Tillmans
Wolfgang Tillmans, 1968 geboren, gilt als einer der wichtigsten deutschen Fotokünstler. Bekannt wurde der Turner-Preisträger in den 1990er-Jahren als Chronist seiner Zeit mit ungeschönten Porträts seiner engsten Freunde, etwa in der Serie „Chemistry Squares“ (benannt nach einem Club in London), 15 kleinformatigen Schwarz-Weiß-Bildern von Jugendlichen auf Ecstasy. Der gelebte Moment wird in diesen Arbeiten öffentlich gemacht und das Private zur Kunst erhoben, aber der Schein trügt: Seine „Schnappschüsse“ sind sorgsam komponiert. Tillmans’ vielschichtiges Werk umfasst neben Porträts auch Stillleben, Abstraktes, All-Over-Installationen sowie Fotografien auf Basis von Fotokopien.
Wolfgang Tillmans, Kepler Venice Tables
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Eberhard Havekost
Trau' keiner Fotografie! „Malerei ist eine Lüge, die näher an der Wahrheit ist als Fotografie“, so formuliert es Eberhard Havekost. Und stiftet uns mit seinen Bildern an, unsere Wahrnehmung zu hinterfragen. Der in den 90ern neben Neo Rauch und Thomas Scheibitz zum neuen Superstar der ostdeutschen Malereiszene auserkorene Dresdner Havekost verfremdet beispielsweise Sonnenuntergänge so, dass die Apokalypse bei der Sehnsucht Pate steht, die den Menschen angesichts dieses Naturschauspiels befällt. „The End“ hat der Malereiprofessor der Düsseldorfer Kunstakademie diese Serie genannt. Havekost glaubt nicht an ein bezifferbares Wesen der Dinge, er glaubt an die Widersprüche – und Möglichkeiten. 2019 ist Havekost überraschend verstorben.
Havekosts Werke befinden sich in den Sammlungen des Museum of Modern Art in New York und des Denver Museum sowie in der Sammlung Marx, in der in Miami ansässigen Rubell Family Collection oder auch in der Sammlung Frieder Burda in Baden-Baden und der Londoner Tate Collection.
Eberhard Havekost, AU
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Victor Vasarely
Sein malerisches Schlachtfeld war die geometrische Abstraktion. Und ihr fügte Victor Vasarely durch raffinierte Raumsuggestionen eine entscheidende Komponente hinzu: den optischen Effekt. Deshalb gilt der in Ungarn geborene Künstler (1908‒1997) als Vater der sogenannten Op-Art. Diese fordert uns mit wahrnehmungspsychologischen Wirkungen von Bildmustern heraus, löst Bewegungs- oder Flimmereffekte auf der Netzhaut aus. In die Kunst Vasarelys flossen auch seine Erfahrungen als Grafiker ein. Für die Olympiade in München 1972 entwarf er das offizielle spiralenförmige Logo. Und auch die Raute von Renault entstammt seinem Zeichenblock. Von 1955 bis 1968 waren seine Arbeiten regelmäßig auf der Kasseler Documenta zu sehen. Vasarely gründete im Jahr 1976 die Fondation Vasarely in Aix-en-Provence. In seiner Geburtsstadt Pécs eröffnete 1976 das Vasarely-Museum. Ein weiteres folgte 1987 in Budapest.
Victor Vasarely, YKA
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Cecily Brown
„The Tribulations of St. Anthony“ heißt die handsignierte Aquatinta-Radierung von Cecily Brown, entstanden in Auseinandersetzung mit dem berühmten Kupferstich gleichen Themas von Martin Schongauer, einem deutschen Meister des 15. Jahrhunderts. Auf den ersten Blick ist Browns Werk gestisch-abstrakt, es dominieren die Farben Ockergelb und Braunrot; erst auf den zweiten Blick erkennt man im Bildzentrum den dämonenumschwirrten Heiligen.
Die britische Künstlerin schöpft immer wieder aus der Kunstgeschichte. Sie sei Malerin, weil sie auf das antworten wolle, was ihr vor allem in der Kunst der vorangegangenen Jahrhunderte begegne. Die Münchner Pinakothek der Moderne hat sie jüngst als eine der aufregendsten Positionen der aktuellen Gegenwartskunst präsentiert ‒ überzeugen Sie sich selbst!
Cecily Brown, The Tribulations of St. Anthony
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Rose Wylie
„The whole business about being an artist is you don’t have to do what you’re told to do. There are no rules.“ Das sagte Rose Wylie 2020 in einem Interview. Und in ihrer Kunst ist dieser Freiheitsgedanke augenscheinlich verwirklicht. Die Arbeiten der britischen Künstlerin wirken unmittelbar, ihre Lebendigkeit springt uns an. In ihrer Lithografieserie „Things around the House“ von 2016 zeigt sich dieses Spielerische, auch in Abgrenzung zum Zögerlichen, zum Konzeptuellen. Ganz unterschiedlich gestimmte Frauen, Insekten, teils flatternd, ein krabbelndes Spinnentier, eine Doppeltür mit Fenstern, geschlossen – Wylie konzentriert sich auf die Essenz von Dingen und Menschen, auf das, was ihr mehr oder weniger zufällig begegnet, wie es sich ihr zeigt.
Rose Wylie, Things around the house VI
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Rose Wylie
Die Arbeiten der britischen Künstlerin wirken unmittelbar, ihre Lebendigkeit springt uns an. In ihrer Lithografieserie „Things around the House“ von 2016 zeigt sich dieses Spielerische, auch in Abgrenzung zum Zögerlichen, zum Konzeptuellen. Ganz unterschiedlich gestimmte Frauen, Insekten, teils flatternd, ein krabbelndes Spinnentier, eine Doppeltür mit Fenstern, geschlossen – Wylie konzentriert sich auf die Essenz von Dingen und Menschen, auf das, was ihr mehr oder weniger zufällig begegnet, wie es sich ihr zeigt. Zwei ihrer Fundgruben sind ihr Haus und ihre Umgebung in Kent. 1934 dort geboren, ist sie bis heute der Grafschaft treu geblieben. Sie begann früh zu malen, setzte lange aus, um ihre Kinder großzuziehen, begann erneut. Und nun hat sie Erfolg, großen, sehr späten Erfolg. Wylie scheint das nicht zu kümmern: „Suddenly, it all came together“, meint sie, „but the work is no different, and I’m no different.“
Rose Wylie, Things around the house V
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John Cage
Der „Mozart Mix“ von John Cage ist das wahrscheinlich erste Sound-Multiple überhaupt. Herausgeber René Block arbeitete damals eng mit dem Künstler zusammen. „Nach der Klanginstallation ‚33 ½‘ von 1982 existierte der Wunsch nach einem Multiple, das Cages Idee von Klang repräsentieren könnte.“ Bei „33 1/3“ wurde aus einem Konzertstück eine Installation, in der das Publikum aus 100 Schallplatten an 12 Plattenspielern eine Klangmischung erschaffen konnte. „1991 – zum Mozartjahr – entstand dann ‚Mozart Mix‘“, so Block. Eine Klanginstallation in einem Holzkasten, hergestellt in einer Auflage von 35 Exemplaren, Mozarts Lebensjahren entsprechend. 25 Endloskassetten unterschiedlicher Länge enthalten verschiedene Mozart-Stücke, jeweils fünf werden gleichzeitig abgespielt – ein neuer Soundmix entsteht.
John Cage, Mozart Mix
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Arthur Elgort
„I love...“ ist der Titel dieser großartigen Collector´s Edition, eine über 200 Seiten starke Liebeserklärung des US-amerikanischen Modefotografen Arthur Elgorts an die Frau – an ihre Schönheit, Weiblichkeit, Ausstrahlung und Stärke!
Zu der Publikation gehört die auf 30 Stück limitierte Foto-Edition von Elgort, die das Supermodel Gia Ciangari in einem ungewöhnlichen Moment portraitiert: barbusig und mit Lockenwicklern in den Haaren. Entstanden ist das Foto 1980 auf Fire Island. Die damals 20-jährige Gia war zu der Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, im selben Jahr zierte sie das Cover der amerikanischen Vogue.
Elgort gewährt uns mit dem Foto einen sehr intimen Einblick in das Leben eines Supermodels, das 1986 tragisch endete. Gia Ciangari starb 1986 an einer Überdosis Heroin.
Arthur Elgort, I love ... 'Gia Carangi', Fire Island, 1980
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Julio Le Parc
„Alchemie“ (spanisch „Alchimie“), das ist nicht nur der Titel dieser handsignierten und nummerierten Lithografie aus dem Jahr 2018 ‒ eine ganze Serie im Werk des argentinischen Künstlers Julio Le Parc (*1928 in Mendoza) ist so benannt, ihr Ursprung reicht weit zurück, in Form von kleinen Skizzen, die Ende der 80er Jahre entstanden. „Diese ‚Alchemien‘ sind Teil meiner gelebten Abenteuer, die ihren Ausdruck in meiner Arbeit als experimenteller Künstler finden“, hat Le Parc einmal gesagt. Farbe, Variation und Bewegung – das sind die Felder, in denen er sich bewegt. In dieser Edition formen die Anordnung und die sich verändernde Dichte der Farbpunkte durch Überlagerungen ein an Windräder oder Blüten erinnerndes Motiv, das mit jenen flirrenden Momenten spielt, die der Op-Art eigen sind. Le Parc gilt als ihr Vorreiter und Visionär, auch in Bezug auf die kinetische Kunst, er selbst wollte allerdings nie darauf festgelegt werden. Zart im Ausdruck und in spielerischer Weise, wie es für den Künstler so charakteristisch ist, erinnert uns diese vielfarbige Arbeit daran, dass es im Leben keinen Stillstand gibt – genauso wenig wie in der Kunst.
Julio Le Parc , Alchimie
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Bianca Kennedy
Ist die Badewanne der letzte Ort des Rückzugs und der Kontemplation? Die transformierende Kraft des Wassers in der Wanne, die als Dreh- und Angelpunkt besonders in Filmen genutzt wird, fängt Bianca Kennedy mit ihrer Edition „Portraits of Taking a Bath in Movies“ ein. Denn im Film spielt die Badewanne und das, was in ihr passiert, eine besondere Rolle: als Ort von lebensverändernden Geheimnissen, von Mord und Totschlag oder auch als Beichtstuhl, in dem Verborgenes preisgegeben wird.
Bianca Kennedy, Serie
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John Baldessari
In der Edition „Picture in a Frame“ hat John Baldessari gleich zwei Zitate versteckt. Er bezieht sich mit dem Werk auf den gleichnamigen Song des US-amerikanischen Singer-Songwriters Tom Waits und liefert damit quasi den Soundtrack zur Betrachtung des Werks. Der Titel hält erst einmal nüchtern fest, was wir vor uns haben: ein Bild in einem Rahmen. „I love you baby and I always will / Ever since I put your picture in a frame“, heißt es dagegen hochromantisch bei Waits. Verpackt Baldessari hier also eine Liebeserklärung an die Malerei? Der Künstler zeigt uns ein – gespiegeltes – Detail aus Gustave Courbets Gemälde „L’Hallali du cerf“, in dem der französische Maler 1867 auf großer Leinwand den Tod eines Rothirschs während einer Parforcejagd festhielt. Vielleicht lässt sich Baldessaris zeitgenössische Antwort darauf als Reset-Taste interpretieren, das vermeintlich überkommene Genre ausgerechnet anhand von zum Klischee geronnenen Hirsch- und Jagddarstellungen noch einmal neu und vorurteilsfrei zu betrachten.
John Baldessari, Picture in a Frame
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Wolfgang Tillmans
1998 zeigte Tillmans erstmals „nicht mit der Kamera gemachte Bilder“. Hierzu hat er entweder unbelichtetes Fotopapier oder solches, das vorher unterschiedlich farbigen Lichtquellen ausgesetzt war, durch die Entwicklungsmaschine geführt, wobei diese noch Spuren von Chemikalien oder Wasser enthielt. Indem das Papier diesen Vorgang durchläuft, kommt es zu Schlieren, Kratzern, Druckstellen oder anderen unvorhergesehenen Veränderungen. Auch für Fotografie von 2005, die Vorlage für den signierten Offsetprint mit dem Titel „It´s Only Love, Give It Away“ war, nutzt Tillmans dieses experimentelle Vorgehen. Das Ergebnis ist eine verblüffend körperliche, farbintensive und zugleich zarte Fotografie, deren letzte Exemplare wir heute auf artflash präsentieren.
Wolfgang Tillmans, It´s Only Love – Give It Away
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George Byrne
Der Schatten eines Schwimmreifens, Palmen vor wolkenlosem Himmel, menschenleere Gebäudefassaden, bizarre Details - der australische Fotograf George Byrne schaut hin, wo scheinbar nichts passiert. Doch die Straßen- und Landschaftsfotografie des Vierzigjährigen Australiers strahlt! Sie ist Lebensgefühl pur. Ein Roadmovie durch bezaubernde Farben, schillerndes Licht und ungewöhnliche Bildkompositionen.

Für sein letztes Projekt „Local Devision“ fuhr Byrne Tag um Tag, Stunde um Stunde in einem ehemaligen Polizeiauto durch die Vororte seiner Wahlheimat Los Angeles. „Local Devision“ so hieß auch seine erste große Einzelausstellung, als er zurück nach Australien kam, bei dem Galeristen Tim Olsen 2016 in Sydney. Ein Senkrechtstart ‒ mit ihr wurde Byrne einem größeren Kunstpublikum bekannt. Byrne, der an der Sydney University und am Sydney College for the Arts studierte, ist zudem Sänger und Songwriter. Angesichts seiner Bilder ist es wahrlich nicht schwer, einen Song vom ewigen Sommer im Ohr zu haben.
George Byrne, 99c Silverlake #3
Vergriffen