Editionen, die Sie vielleicht verpasst haben

 
Heinrich Heidersberger
Der 1906 in Ingolstadt geborene Künstler (gest. 2006) kam nach einem kurzen Studium der Malerei bei Fernand Léger in Paris durch einen „Fingerzeig des Schicksals“, wie Heidersberger es selbst beschrieb, zur Fotografie: durch den Erwerb einer gebrauchten Holzkamera auf dem Marché aux Puces de Saint-Ouen. Befreundet mit Piet Mondrian und dem Surrealisten Yves Tanguy und anderen Protagonisten der Surrealisten, bewegte er sich in einem Paris, in dem die Avantgardekunst ihr weltweites Zentrum hatte.
Anfang der 1960er Jahre wurde Heidersberger nach Wolfsburg gerufen, um den Aufbruch der Stadt zu dokumentieren. Er wurde zu einem der führenden Industrie- und Architekturfotografen. Dass es ihm dabei mehr um Interpretation als um reine Dokumentation ging, zeigt eindrucksvoll die Edition „VW-Bad, Wolfsburg”. 1984 bat das Pariser Centre Pompidou den damals 78-Jährigen um Fotos für die Ausstellung "Image et Imaginaires d´Architecture"
Heinrich Heidersberger, Kleid aus Licht, 1949
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André Butzer
Die Augen der buckelnd-neugierigen Katze auf dem gleichnamigen Linoldruck hat der Maler André Butzer (*1973) dem Comic entlehnt, wie überhaupt die Figuren und Fantasiewesen in seinen Bildern an die Ästhetik dieses Genres erinnern. Sie verkörpern „ein infantiles, aus dem Lot geratenes Menschenbild, das in seiner malerischen Vergegenwärtigung jedoch beim Betrachter immer auch Liebenswürdigkeit sowie Mitgefühl entstehen lässt“, so beschreibt es der mit Butzer befreundete Kunsthistoriker Thomas Groetz. Butzer selbst bezeichnet seine Werke als abstrakt, und doch sei ihm klar, dass man den Figuren und dem Raum nie entfliehen könne. Die Katze ist in mehreren Farb-Varianten erhältlich. Außerdem tun Sie Gutes, denn der Großteil des Erlöses unterstützt die SOS-Kinderdörfer.
André Butzer, Katze /gruen
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Michelle Jezierski
Die Landschaft ist in den Werken der Berliner Künstlerin Michelle Jezierski Ausgangspunkt für Fragen des Raumes und unserer Wahrnehmung davon. Farbschichten türmen sich wie Wolken, Wellen oder Felsen auf, häufig überzogen von geometrischen Formen, die – Streiflichtern gleich - zusätzliche Tiefe und Dynamik erzeugen. Hell- und Dunkelkontraste, gedeckte und leuchtende Farben bestimmen die Atmosphäre darin, die uns Betrachter*innen auf ganz unterschiedliche, emotionale Weise einnimmt, so unterschiedlich wie das Licht an einem Morgen, im Vergleich zu dem am Tag und Abend oder in der Nacht.
Michelle Jezierski, Strain
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Gfeller + Hellsgård
Werke von Gfeller & Hellsgård waren 2020 in der Soloschau „Honor thy Error as a Hidden Intention“ in der Lage Egal in Berlin und der Gruppenausstellung „Mondo DERNIER CRI !!“ im MIAM – Musée International des Arts Modestes im französischen Sète zu sehen.
Gfeller + Hellsgård, Untitled 115
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Gfeller + Hellsgård
„Fotokopieren, ausschneiden, kleben – alles analoge Arbeit.“ So beschreibt das Künstler*innenduo Gfeller & Hellsgård den Entstehungsprozess der Siebdruckarbeiten „Untitled 115-117“. Und genau darum geht es ihnen: um den Prozess, innerhalb dessen sie Schichten um Schichten übereinanderlegen. So geraten Comichelden, Rasterbilder, Cowboys oder ein Pin-up-Girl aus Magazinen und Büchern aus den 60ern, 70ern, 80ern in Bezug. Sie strukturieren den Bildraum, überlagern sich, schaffen Tiefe, legen Spuren zu früheren Arbeiten der Künstler*innen. Die Wucht der Farbe und spannende Muster verstärken die fast psychedelische Wirkung auf uns Betrachter*innen.
Gfeller + Hellsgård, Untitled 116
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Malteser-Mappe mit 8 Künstler*innen
Tony Cragg, Isa Genzken, Christian Jankowski, Olaf Nicolai, Robin Rhode, Thomas Scheibitz, Rosemarie Trockel und Jorinde Voigt ‒ diese acht herausragenden, international bekannten KünstlerInnen haben sich einer guten Sache verschrieben: Sie alle spendeten eines ihrer Werke den Berliner Maltesern, einem der wichtigsten Träger karitativer Arbeit in Berlin seit über 80 Jahren.
Malteser-Mappe mit 8 Künstler*innen, Malteser Edition, (Tony Cragg, Isa Genzken, Christian Jankowski, Olaf Nicolai, Robin Rhode,  Thomas Scheibitz, Rosemarie Trockel, Jorinde Voigt)
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Antje Engelmann
Ob ihre eigene Mutterschaft, ihre donauschwäbische Herkunft oder die Vergangenheit ihrer Tante als Prostituierte – Antje Engelmann montiert und sampelt in ihren Werken Ausschnitte aus dem Bildarchiv der Familie, eigene dokumentarische Aufnahmen und Found-Footage-Materialien. In ihren multimedialen Arbeiten entsteht daraus ein auf realem Boden fußender, assoziativ und kreativ-wissenschaftlich erweiterter, spannender Kosmos.
Antje Engelmann, Spange
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Christoph Niemann
Christoph Niemanns Tusche-Arbeit „The Highline at 15th Street“ entstammt seiner New Yorker Bilderreihe – und zeigt die ehemalige Güterzugtrasse, die sich heute begrünt als Park durch die Metropole zieht. Genauso verdichtet wie einladend wirkt seine ehemalige Wahlheimat hier. Mit zielsicher gesetzten und der Kraft des Weißraums vertrauenden Pinselstrichen skizziert Niemann eine Großstadtszene, in der jeden Moment das pulsierende Leben New Yorks Einzug erhalten könnte.
Christoph Niemann, The Highline at 15th Street (Unikat, Tusche auf Papier)
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Jagoda Bednarsky
Als „Shadowland (signature edition)“ bezeichnet Jagoda Bednarsky ihre zehn – immer wieder anders kolorierten – Aquarelle, die alle Unikatcharakter besitzen. „Shadowland“ („Schattenland“), so heißt auch eine ganze Werkserie der Berliner Malerin, in der sie sich mit dem Bild der Frau und dem Muttersein auseinandersetzt. Den Titel hat sie einer 1919 in New York erstmalig erschienenen gleichnamigen Kulturzeitschrift entlehnt. Mal zeigt Bednarsky den konkreten Stillmoment ‒ Baby und Brust in Nahaufnahme ‒, mal wird die weibliche Brust zum ‚Schutzschirm‘ in einer Regenszenerie oder, wie in diesen Acrylarbeiten, zum aufragenden Gebirge inmitten einer Hügellandschaft. Die Realität hält Einzug in Bednarskys Werken – der kunstvoll geschwungene Schriftzug ihres Namens am Himmel deutet an, dass es in ihren Arbeiten auch um eigene Erfahrungen geht. Doch das Abstraktionsmoment ist stets stark genug, um assoziative Reflexionsprozesse wie jene über den weiblichen Körper oder tradierte Rollenklischees in Gang zu setzen. Selbstbewusstsein, Eigensinn und Ironie sprechen aus diesen genauso sinnlich-poetischen wie fantastisch-witzigen Werken.
Jagoda Bednarsky, Shadowland (Signature Edition) 9
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Dieter Kleintje
Kasimir Malewitschs „Schwarzes Quadrat“ gilt als Urknall für die Konkrete Kunst. Der russische Maler hatte sich vorgenommen, „die Kunst vom Gewicht der Dinge zu befreien“. Dass die konkreten Farben und Formen dabei über sich hinausweisen – Malewitsch sprach gar von der „Darstellung der reinen Empfindungen“ –, darauf pocht auch der 1944 in Hildesheim geborene Maler Dieter Kleintje in seiner Kunst, bei aller technischen Vollkommenheit und Transparenz der benutzten Mittel. Werke des Wahlmünchners sind unter anderem im Besitz der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und der Pinakotheken (Bayerische Staatsgemäldesammlungen) in München sowie des Städtischen Museums Braunschweig.
Dieter Kleintje, 12 Zweierkombinationen d. vier Bewegungsrichtingen: Vertikale, Horizontale, fallende u. steigende Diagonale
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Jurgen Ostarhild
Seine Karriere begann Jurgen Ostarhild Ende der 70er Jahre als junger Assistent von Oliviero Toscani, später vieldiskutiert für seine kontroversen Benetton-Kampagnen. Im Sommer 1979 wechselte er nach New York, wo er als Studioassistent des britischen Mode- und Porträtfotografen Albert Watson arbeitete, dessen Arbeiten regelmäßig die Cover der „Vogue“ oder des „Rolling Stone“ schmückten. Zurück in Deutschland, gründete Ostarhild 1982 dann sein eigenes Studio.</p>
<p>Später weltweit bekannten Fotografen wie Wolfgang Tillmans, Terry Richardson oder Juergen Teller ebnete er den Weg. Er hingegen ist bis heute zu Unrecht nur Insidern ein Begriff, dabei war seine Arbeit genrebildend. So erkannte er die Qualität des Schnappschusses als fotografisches Ausdrucksmittel, brachte die Action in die Modefotografie, schuf einzigartig intime, schonungslose Porträts und fotografierte superclose. </p>
<p>Seit 2010 arbeitet Ostarhild an einer Serie von Werken, die den Hexadezimalcode seiner Digitalfotos zeigen. 2019 zeigte er Beispiele daraus in einer Ausstellung am Institut für Konstruktive Kunst und Konkrete Poesie (IKKP) in Rehau.
Jurgen Ostarhild, KISS, Rue des Petites Ecuries, Paris 1999, c
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Joel Meyerowitz
Joel Meyerowitz zählt zu den bedeutendsten Mitbegründern der „Street Photography“ und der „New Color Photography“. Seit 1962 fotografiert er in Farbe ‒ seinerzeit ein Novum, denn nur die Schwarz-Weiß-Fotografie war damals als Kunst anerkannt. Gegenstand von Meyerowitz‘ Momentaufnahmen war das pulsierende Leben auf den Straßen New Yorks. Bis heute prägen seine Fotografien unser Bild von der amerikanischen Metropole. Für ein Buchprojekt reiste der in New York und Italien lebende Fotograf Joel Meyerowitz nach Frankreich in die Provence und besuchte in Aix-en-Provence unter anderem das Atelier des Malers Paul Cézanne.
Joel Meyerowitz, Cézanne's Objects. Pitcher
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Gfeller + Hellsgård
Angefangen haben Anna Hellsgård und Christian „Meeloo“ Gfeller alias Gfeller & Hellsgard mit Postern und Zines im Umfeld der Noise- und Punkszene in Straßburg. Später entwarfen sie auch Cover und Plakate für namhafte Musiker*innen wie Sonic Youth, Pj Harvey, Nick Cave oder Animal Collective. Künstler*innenbücher, Editionen und ein eigener Art Space in Berlin kamen hinzu. Doch je ausgefeilter ihr Handwerk wurde, umso mehr wuchs ihr Interesse an den vermeintlichen Fehlern im Druckprozess, an dem „Unperfekten“. Seit 2011 konzentrieren sich Gfeller & Hellsgård in erster Linie auf ihre freie, nicht-figurative, experimentelle Kunst. Damit sind sie in den renommiertesten Sammlungen wie der Staatsbibliothek Berlin, dem Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe oder dem Metropolitan Museum of Art sowie dem MoMA in New York vertreten.
Gfeller + Hellsgård, Stalker (14)
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Gfeller + Hellsgård
Kreise überlagern sich. Sie wecken Assoziationen an Planeten wie die Erde, an Himmelskörper wie die Sonne oder den Mond. Es herrscht Bewegung. Dunkelschwarze und leuchtende Farben erzeugen emotionale Wucht. Wir sind involviert in das, was wir sehen, auch wenn Gfeller & Hellsgård in ihrer Siebdruck-Unikatserie „Stalker“ keine ersichtliche Erzählung mitliefern. Vor allem die Farben katapultieren uns ins Jetzt. Neonfarbiges taucht immer wieder auf in dem vor Einfallsreichtum nur so strotzenden Gesamtwerk des schwedisch-französischen Künstler*innenduos. Stets aufs Neue werden die Grenzen des virtuos beherrschten kreativen Druckprozesses überdacht, dekonstruiert und verschoben.
Gfeller + Hellsgård, Stalker (16)
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Gfeller + Hellsgård
Kreise überlagern sich. Sie wecken Assoziationen an Planeten wie die Erde, an Himmelskörper wie die Sonne oder den Mond. Es herrscht Bewegung. Dunkelschwarze und leuchtende Farben erzeugen emotionale Wucht. Wir sind involviert in das, was wir sehen, auch wenn Gfeller & Hellsgård in ihrer Siebdruck-Unikatserie „Stalker“ keine ersichtliche Erzählung mitliefern. Vor allem die Farben katapultieren uns ins Jetzt. Neonfarbiges taucht immer wieder auf in dem vor Einfallsreichtum nur so strotzenden Gesamtwerk des schwedisch-französischen Künstler*innenduos. Stets aufs Neue werden die Grenzen des virtuos beherrschten kreativen Druckprozesses überdacht, dekonstruiert und verschoben.
Gfeller + Hellsgård, Stalker (17)
Martin Parr
„Be Bold with Bananas‟ ‒ das ist der Titel eines vom Banana Control Board (Pretoria) in den 70er Jahren veröffentlichten skurrilen Kochbuchs mit Bananenrezepten, das Martin Parr als Ausgangspunkt für seine Edition im Salon Verlag ausgewählt hat. „I was immediately struck when I saw ‚Be Bold with Bananas‛. It had some wonderful sexual undertones, and was just plain surreal‟, so der britische Fotograf. Eine sexuelle Konnotation ließe sich gleichermaßen in seiner großformatigen Fotografie einer auf dem Asphalt zerquetschten Banane erkennen. Zugleich ist diesem Motiv – wie auch dem aus dem Mülleimer quellender Bananenschalen – schon das Moment der Vergänglichkeit eingeschrieben. Es sind Stillleben, die die Regeln dieser Bildgattung sprengen. Bei Parr werden die Reste der Banane auf wunderbar lakonische Weise zum anthropologisch und kulturell aufgeladenen Objekt und Ausdruck unserer Zivilisation.
Martin Parr, Be Bold With Bananas (Collector´s Edition)
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Wilhelm Sasnal
Bilder, Motive und Eindrücke, die ihn tagtäglich umgeben, verarbeitet der polnische Künstler Wilhelm Sasnal in seinen Werken. Ausgangspunkt für eine Arbeit kann ein Foto seiner Familie sein, ein Bild aus den Medien oder auch eine künstlerische Vorlage wie Art Spiegelmans Comic über einen Holocaust-Überlebenden. Seine persönliche Geschichte und die Historie, vor allem die seines Heimatlandes Polen, sind von gleich hoher, zentraler Relevanz in Sasnals Werken.
Wilhelm Sasnal, Unexisting Book
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Tal R
Als „Kolbojnik“ beschreibt der Künstler Tal R den Stoff, aus dem seine Werke sind. Das hebräisch-jiddische Wort steht für den gemeinsamen Abfalleimer im Kibbuz, und der in Israel geborene Däne deutet damit an, dass es eine große Bandbreite an Themen ist, die er in seinen Arbeiten „recycelt“. Tal R bewegt sich auf den Feldern der Malerei und der Installation ebenso wie auf denen der Mode oder der Skulptur; er bedient sich populärer Sujets wie des Comics, der Videospielästhetik und der Musik. Gleichzeitig leuchten immer wieder Momente der Kunstgeschichte auf.
Tal R, Deaf Institute
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Leiko Ikemura
Ein vom Wind gebeugter Baum an einer felsigen Küste – dass es sich bei der Lithografie von Leiko Ikemura nicht nur um das Porträt eines Ortes am Meer handelt, machen die in zartes Rot-Rosa-Orange getauchte Szenerie und der vom Himmel fallende Kopf mit dem flammengleichen Haar klar. Die Künstlerin schöpft vielmehr aus dem Inneren, breitet Seelenlandschaften vor uns aus. Die „floating heads“ tauchen immer wieder auf in den Werken von Ikemura. Die Augen stets geschlossen, sind sie eingebettet in traumartige Welten, scheinen zu verschmelzen mit ihrer Umgebung, sind Ruhepol und Zeichen der Verwandlung zugleich. „Wir sollten das Seelische sehr wichtig nehmen, genauso wichtig wie unseren Intellekt“, sagt Ikemura, die Unsicherheiten, Mehrdeutigkeiten und Ambivalenzen Raum verschaffen möchte in der Kunst. Was für eine Wohltat in unserer allzu oft auf Eindeutigkeiten beharrenden Welt!
Leiko Ikemura, Ohne Titel 2
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Heinrich Heidersberger
Als Heinrich Heidersberger Ende der 40er Jahre seine später ikonisch gewordene Aktserie „Kleid aus Licht“ für die Zeitschrift „Stern“ fotografierte, löste das einen Skandal im prüden Nachkriegsdeutschland aus. Mithilfe selbstgebastelter Loch- und Lamellenmasken, die er vor eine leuchtstarke Lichtquelle hielt, warf der Künstler grafische Muster auf die nackten Körper – sein „Frauenakt“ von 1953 zeigt ein solches Kleid, gewebt aus Licht.
Heinrich Heidersberger, Kleid aus Licht (1949), Mensa der TU Braunschweig (1962), Rhythmogramm (1955)
Jörg Immendorff
Jörg Immendorff, 2007 im Alter von 61 Jahren der Nervenkrankheit ALS erlegen, gehört zweifellos zu den international bekanntesten und bedeutendsten deutschen Künstlern der Nachkriegszeit. Seit den späten sechziger Jahren hat sich Immendorff, der bei Beuys in Düsseldorf studierte, mit dem politischen Zeitgeschehen auseinandergesetzt und mit seiner Malerei auf tagespolitische Ereignisse reagiert. Mitte der achziger Jahre entstand der berühmte 16-teilige Zyklus „Café Deutschland“, in dem er wie auf einer düsteren Bühne seine Protagonisten von Erich Honecker bis Berthold Brecht, von uniformierten Polizisten bis zu Punks detailreich in Szene setzte und so die Teilung Deutschlands kommentierte.
Jörg Immendorff, Auf die kleine Reise gehen
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Fritz Can Poppenberg
Vor allem das „lange“ 19. Jahrhundert hat es Fritz Can Poppenberg angetan. Sein Künstlerbuch „Zehn Lithographien nach Rainer Maria Rilke“ fußt auf seiner intensiven Beschäftigung mit dem Lyriker. So gesehen sei seine Kunst „nicht von gestern, sondern sogar von vorgestern“, sagt er, und bediene gewisse Sehnsüchte. Doch Poppenberg weiß natürlich um den Schrecken des 20. Jahrhunderts und die darauf folgenden radikalen Abkehrbestrebungen auch in der Kunst. In diesem Spannungsverhältnis zwischen erinnerungsgetränkter Schönheit und dem Wissen um die Gefahr allzu großer Naivität beim Blick zurück entstehen seine Werke, immer auf der Suche nach Möglichkeiten der subtilen Darstellung von Brüchen und Verfremdungen.
Fritz Can Poppenberg, Zehn Lithografien nach Rainer Maria Rilke
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Willy Müller-Brittnau
In den Werken, die Willy (später Willi) Müller-Brittnau (1938‒2003) in der von ihm als „konkret“ bezeichneten Phase der 1960er und 1970er Jahre schuf, erreichte der Schweizer Künstler die größtmögliche Illusion von Plastizität. Mit diesen Arbeiten erregte er auch international Aufsehen. Inspiriert von der Pariser und New Yorker Kunstszene sowie von Künstlern wie Matisse, Arp und Kelly, hatte er zunächst mit Collagen begonnen, bevor er die Autonomie der Farben in den Vordergrund rückte und kurz darauf die geometrischen Formen für sich entdeckte.
Willy Müller-Brittnau, Construction
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Stefan Heyne
Abstraktion beginnt bei Stefan Heyne im Kopf: „Wenn ich arbeite, versuche ich meinen Verstand auszuschalten. Wenn man das Gelernte über die Welt vergisst, wird alles abstrakt und man gewinnt unermessliche Freiheit.“ Fasziniert von der Lichtbrechung des Himmels in den frühen Morgenstunden und der späten Abenddämmerung, angezogen von Phänomenen wie Staub und Asche in der Troposphäre, hat er Fotografien geschaffen, die uns in die Vollkommenheit des Lichtes einhüllen. Jedes Motiv vollkommen aufgelöst in Farb- und Formverläufe wird zu etwas Unbeschreiblichem, das nicht mit Worten zu fassen ist, sondern pure Emotion auslöst. Mit konventioneller Fotografie sind diese Arbeiten nicht zu vergleichen, eher mit gegenstandsloser Malerei. Statt den Wahrheitsgehalt eines Bildes zu überprüfen, wird das Bild selbst zum Bild, selbstreflexiv und stark im Ausdruck!
Stefan Heyne, Ohne Titel (Nr. 78)
Miriam Vlaming
Miriam Vlaming ist es gelungen, einen festen Platz als Malerin in der männlich dominierten Kunstwelt einzunehmen. Von Arno Rink, deren Meisterschülerin sie an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchdruck in Leipzig war, lernte sie, dass „Kunst machen“ eine Haltung ist, die nicht nach getaner Arbeit abgelegt werden kann.
Und so erscheint es logisch, dass sich Vlaming für ihre Kunst eine der schwierigsten und ältesten Maltechniken überhaupt ausgesucht hat: die Temperamalerei, bei der die Farbpigmente mit Eigelb gebunden werden. Schon in der Zeit der Renaissance verwendeten nur die besten und geschicktesten Maler diese Technik, denn sie verlangt größeres Vermögen und umfassenderes technisches Wissen als die herkömmliche Ölmalerei.
Miriam Vlaming, Berlin Babylon Girl
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John Baldessari
Mit John Baldessaris Lithografie „Hot Tub“ (2016) reisen wir in die Vergangenheit. Das Foto zeigt eine Aufnahme aus den 70er Jahren. Ein Paar sitzt in einem Whirlpool, er hält einen Drink mit Eiswürfeln in der rechten Hand, umschlingt mit dem linken Arm seine Partnerin. Was tut sie? Sie schmiegt sich an seinen Körper. Irritierend, charmant und humorvoll: Das Paar sitzt angekleidet im sprudelnden Whirlpool-Wasser. Er trägt ein Hemd und sie eine Bluse, der Stoff klebt nass an ihren Körpern. Wer ist dieses Paar in Partystimmung? Baldessari macht eine Identifizierung unmöglich, mit Filzstift hat der Künstler die Gesichter unkenntlich gemacht. Datenschutz analog!
John Baldessari, Hot Tub
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Philip Grözinger
Der in Berlin lebende, international bekannte Künstler Philip Grözinger wurde 1972 in Braunschweig geboren. Er studierte freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Sein Werk umfasst Malerei, Zeichnung, Grafik und Skulptur. Grözingers künstlerisches Universum ist reich an Figuren, Kreaturen, Hybriden zwischen Mensch und Maschine. Als Künstler ist er ein Erfinder. Seine Bilder sind Visionen einer anderen Welt. Sie erzählen uns von der Zukunft und von den Weiten des Weltraumes gleich einem visuellen Science-Fiction-Roman. Humorvoll, sarkastisch, poetisch, so lässt sich Grözingers Werk beschreiben. Sein Farbauftrag ist expressiv, sein Kolorit mal grell, mal zurückhaltend. 2014 nahm er an einem „Artist in Residence“-Programm des CCA Andratx, Mallorca, teil.
Philip Grözinger, Calamity
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Wolfgang Tillmans
Die Tischinstallation „Kepler Venice Tables” stellte Wolfgang Tillmans 2010 in seiner Retrospektive in der Londoner Serpentine Gallery aus, und zwar gemeinsam mit seiner „Venus Transit”-Serie. Letztere umfasst Fotografien, die der Künstler während dieses besonderen astronomischen Spektakels – die Venus zieht an der Sonne vorbei – mithilfe eines Teleskops aufgenommen hatte, das er seit seiner Teenagerzeit besitzt. Die vorliegende Edition ist ein Tintenstrahldruck auf Baumwollpapier, der den Inhalt der Londoner Tischinstallation zeigt. Diese verdankt ihren Werktitel dem Weltraumteleskop „Kepler”, mit dem die NASA nach Planeten außerhalb des Sonnensystems sucht, bzw. dem Astronomen Johannes Kepler, der wiederum als Namensgeber für das Teleskop diente.
Wolfgang Tillmans, Kepler Venice Tables
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Antje Dorn
Vor einem gelben Hintergrund setzen sich einzelne Worte in schwarzen unterschiedlich großen Buchstaben ab. Sie stehen Kopf, sind vertikal und horizontal angeordnet und fügen sich doch zu einem Gesamtbild zusammen – ein scheinbar organisiertes Durcheinander, das an Comicsprache erinnert. Die Begriffe als solche sind verständlich, man liest etwa „Bohnen“, „Apparat“ oder „Kopfschmerzen“. Nur Sinn machen sie in unserem klassischen Verständnis von Kontext keinen- und mit ebendiesem Moment spielt die Künstlerin Antje Dorn.
Antje Dorn hegt eine besondere Vorliebe für diversen "Stuff", Zeug oder Kram der Warenwelt also, wie Schilder auf Imbissen, Schokoladenriegel, Billboards oder Straßen-Piktogramme.
Antje Dorn, shuddup
Tilo Baumgärtel
Tilo Baumgärtel hat dieser Lithografie den passenden Titel „Arsenal“ (2013) gegeben. Denn dargestellt ist tatsächlich ein Lager, eine Sammlung, eine Kammer, angefüllt mit Bildern und Einrichtungsgegenständen. Inmitten dieser hohen Halle oder Höhle sitzt ein kleiner Mann auf einem Sofa, vor ihm, die Hände in den Hosentaschen, steht ein zweiter. Doch irgendetwas stimmt an diesem Bild nicht ‒ die teils realistischen, teils unwirklich anmutenden Größenverhältnisse zwischen Gegenständen und Menschen wirken beängstigend. An diesem Ort ist der eigenen Wahrnehmung nur schwer zu trauen.
Tilo Baumgärtel, Arsenal
Vergriffen
Günter Grass
Dass ihm noch zwölf Jahre bleiben würden, dass hätte Günter Grass bei der Arbeit an „Letzte Tänze“ im Jahr 2003 wahrscheinlich nicht gedacht. In Gedichten und Zeichnungen umkreist er dort seine Leidenschaft: den Tanz. Sein fast alterslos wirkendes tanzendes Paar scheint vor Energie, Lust und Körperspannung zu vibrieren – Rücken an Rücken. Die Lithografie „Rag und Blues – zwischendurch Damenwahl“ erzählt von fiebrig durchtanzten Nächten in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Und Grass beschönigt nichts: „Weil Krieg war und Männer / in Stiefeln weit ostwärts / so daß sich die Mädchen / aus Mangel und Tanzlust / uns Jungs von der Bank weg / mit Fingerschnalz wegholten“, heißt es im aufwendig gestalteten, von ihm signierten Steidl-Band.
Günter Grass, Letzte Tänze I (Rag und Blues – zwischendurch Damenwahl)
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Franz Ackermann
Franz Ackermann ist ein moderner Nomade. Der 1963 geborene und in Berlin und Karlsruhe lebende Künstler reist – nicht nur aufgrund seiner intensiven Ausstellungsarbeit in den größten Museen weltweit – exzessiv. Schon seit den 1990er Jahren entstehen kleinformatige Aquarell- oder Gouacheskizzen, während er unterwegs ist, eine andauernde Serie sogenannter „Mental Maps“.
Franz Ackermann, Crossing Center
Bestellbar
Chris Cunningham
„This Aphex Twin video happened and everbody knew: here comes a genius!“ So beschreibt Björk die Reaktionen auf den Clip zu Aphex Twins „Window Licker“ im Jahr 1997– ein geniales Spiel mit US-Gangster-Stereotypen. Dieser Clip war der entscheidende Auslöser für die Zusammenarbeit der Musikerin mit ebenjenem Genie: Chris Cunningham. Björk selbst zählte in den 90ern zu den innovativsten Künstlerinnen auf dem Gebiet des Videoclips. Das ästhetische Wunderwerk rund um zwei ihr nachempfundene und sich ineinander verliebende Roboter, das Cunningham dann zu „All is Full of Love“ schuf, gehört zu den einflussreichsten Musikvideos überhaupt – und ist bis heute absolut zeitgemäß.
Schon in Cunninghams Musikvideo-Debüt zu Autechres „Second Bad Vilbel“ zeigte sich seine Handschrift der extremen Synchronisation von Bild und Sound. Das abstrakte, technoide Bildmaterial passt genauso perfekt zur experimentellen und repetitiven Elektromusik Autechres wie die elegante Roboterästhetik zu Björks softer, nahezu entmenschlichter Stimme.
Die Editionen Cunninghams – signierte Offsetdrucken von Storyboard-Zeichnungen seiner Filme – zeigen auf eindrückliche Weise, wie die spektakulären Filmwerke dieses Künstlers entstehen.
Chris Cunningham, o.T. (Björk: All is Full of Love)
Roy Lichtenstein
Hier treffen sich zwei Meister: So wie Roy Lichtenstein neben Andy Warhol als wohl bekanntester Vertreter der Pop-Art gilt, gehört Hans-Peter Haas aka HPH zu den renommiertesten Siebdruckern in der Kunstwelt. Die Edition „Big Painting No. 6“ von Lichtenstein stammt aus seiner Werkstatt. Die Arbeit aus der sogenannten “Brushstroke”- bzw. „Pinselstrich“-Serie erinnert schon durch seine Bildsprache mit den für Lichtenstein so typischen Rasterpunkten an maschinell reproduzierte Druckerzeugnisse. Gleichzeitig persifliert der Künstler mit den vermeintlich gestisch-spontan aufgetragenen Pinselstrichen im Comicstil das künstlerische Pathos der Abstrakten Expressionisten.
Roy Lichtenstein, Big Painting No. 6
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Olaf Nicolai
Olaf Nicolai (*1962 in Halle a.d. Saale) ist aus der Berliner Kunstszene nicht wegzudenken. Hier lebt und arbeitet der Konzeptkünstler. Der promovierte Sprachwissenschaftler interessiert sich in seinen Arbeiten für Zeichensysteme jeglicher Art. Für seine Ideen nutzt er unterschiedlichste Medien, setzt Theorien aus der Wissenschaft in Ästhetik um. Seine künstlichen Landschaftsräume sind Erlebniswelten, bei denen die vertraute Wahrnehmung ins Wanken gerät.
Nicolai gehört zu den erfolgreichsten Künstlern Deutschlands, was nicht zuletzt seine Präsenz im Deutschen Pavillon während der Biennale in Venedig (2015) und seine zweifache Beteiligung (1997 und 2017) an der Documenta in Kassel unterstreichen. Seit 2011 lehrt er als Professor für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. In diesem Jahr wurde ihm der renommierte Karl-Sczuka-Preis für sein Radiostück „In the Woods there is a Bird” verliehen. Seine Arbeiten sind international in öffentlichen Sammlungen zu sehen, darunter das MoMA, New York, das Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich, und die Städtische Galerie, Wolfsburg.
Olaf Nicolai, Bumerang (Still #1‒121)
Vergriffen
Christian von Steffelin
6 Jahre, von 2003 bis 2009, dauerte die behutsame Restaurierung des Neuen Museums in Berlin, jenes Glanzstücks der dortigen Museumsinsel, das zwischen 1843 und 1855 nach Plänen des Schinkel-Schülers Friedrich August Stüler errichtet und im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde.
Der Fotograf Christian von Steffelin ahnte, als er 2005 diese Aufnahme im Nordkuppelsaal des Neuen Museums machte, nicht, dass der Raum mit der Wiedereröffnung im Jahr 2009 das „Wohnzimmer“ der Nofretete werden sollte. Von Steffelin beweist einen langen Atem, wenn er in Langzeitstudien tags oder nachts, bei Nebel oder im Morgenlicht Orte und Gebäude über Jahre hinweg fotografiert und sie damit vor dem Verschwinden und Vergessen bewahrt.
Christian von Steffelin, Nordkuppelsaal I
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Christo
24 Jahre lang bemühten sich Christo und Jeanne-Claude um die Realisierung ihres Projekts „Verhüllter Reichstag“. Mit 292:223 Stimmen (bei 9 Enthaltungen) endete schließlich am 25. Februar 1994 die Abstimmung im Deutschen Bundestag – mehr als eine Stunde war dort über das Kunstwerk debattiert worden.
Christo, Reichstag X
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Marcel Dzama
Marcel Dzama ist bekannt für seine detaillierten, feingliedrigen Zeichnungen. Gedämpfte Farben, obskure Figuren, erotische Motive und psychosexuelle Themen machen das Werk des kanadischen Künstlers unverkennbar. Dzama, der 1974 in Winnipeg geboren wurde, arbeitet darüber hinaus mit Skulptur, Malerei und Video. Er wird in New York und London von David Zwirner vertreten, einem der wichtigsten Galeristen weltweit.
Marcel Dzama, Opposition and Sister, Squares Reconciled Ex Libris Nr. 20
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Latifa Echakhch
Zu Schulzeiten war die französisch-marokkanische Künstlerin Latifa Echakhch (*1974) eine exzellente Läuferin. Was hielt sie davon ab, in den Leistungssport zu gehen? Die Angst davor zu gewinnen und die Angst vor zu viel Publicity, mutmaßte sie selbst in einem Interview. Schaut man auf ihren kometenhaften Aufstieg in die höchsten Gefilde der Kunstwelt, so scheint dies allerdings kaum vorstellbar. Ihr jüngstes Etappenziel: Latifa Echakhch gewann 2013 den renommierten Prix Marcel Duchamp, verbunden mit einer Einzelschau im Pariser Centre Pompidou. Früh machte sie namhafte Kuratoren wie Ruth Noack und Roger M. Buergel auf sich aufmerksam, eroberte die Londoner Tate Modern, die Kunsthalle Fridericianum in Kassel und nicht zuletzt die Venedig-Biennale.
Latifa Echakhch, Ohne Titel (Latifa Echakhch)
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André Butzer
Die Figuren und Fantasiewesen in André Butzers (*1973) Bildern erinnern an die Ästhetik von Comics. Sie verkörpern „ein infantiles, aus dem Lot geratenes Menschenbild, das in seiner malerischen Vergegenwärtigung jedoch beim Betrachter immer auch Liebenswürdigkeit sowie Mitgefühl entstehen lässt“, so beschreibt es der mit Butzer befreundete Kunsthistoriker Thomas Groetz. Der Maler selbst bezeichnet seine Werke als abstrakt, und doch sei ihm klar, dass man den Figuren und dem Raum nie entfliehen könne.
André Butzer, Ohne Titel
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Antoni Tàpies
„Zeichnet man die Dinge nur andeutungsweise, so ist der Betrachter gezwungen, sie mit eigener Imagination zu ergänzen“, so der katalanische Künstler Antoni Tàpies. „Das zwingt zu einer Teilnahme des Betrachters, einer Beteiligung am kreativen Prozess.“ Auch in seiner handsignierten Original-Farblithografie aus der Serie „Clau del Foc“ aus dem Jahr 1973 fordert er uns gemäß seiner künstlerischen Leitlinie heraus.
Von den Kritikern wurde Tàpies meist als abstrakter Künstler begriffen. Der Maler selbst hielt sich für einen Realisten.
Antoni Tàpies, Clau del Foc XVI
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Georg Herold
„Kunst muss heiter sein“, so beschreibt Georg Herold seinen Part in der Kunst. Er bemüht sich erfolgreich darum, „eine gewisse Stimmung zu erzeugen und trotzdem Haltung zu bewahren.“ Der Künstler, 1977 bis 1983 ein Schüler Sigmar Polkes, stellte Anfang der Achtziger Jahre zusammen mit Martin Kippenberger, Werner Büttner und Albert Oehlen radikal und sarkastisch Kunst und Kunstbetrieb in Frage – und eben mit Humor. Diesen hält er starren Selbst- und Weltbildern entgegen. Er sucht sich ungewöhnliche Werkstoffe für seine Arbeiten, darunter Dachlatten, Knöpfe und Kaviar. Herold selbst nennt sie „dummes Material“, denn sie sind historisch nicht besetzt.
Georg Herold, Image Perdu 2
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Martin Parr
Für Martin Parr gibt es drei elementare Dinge im Leben: Lachen, Glück und Talent. Davon hat der 1952 in Epsom geborene Brite mehr als genug. Mit wenig Melancholie, aber dafür mit umso mehr Humor ausgestattet, fotografiert Parr seit Anfang der 70er Jahre erfolgreich. Er ist ein Chronist unserer Zeit, seine Perspektive auf die Welt ist einzigartig. Freizeit, Konsum und Kommunikation sind seine Themen. Die Motive seiner Fotos wirken grotesk, ihre Ansichten sind ungewöhnlich, ihre Farben grell. In Parrs Bilderkosmos ist alles übertrieben und zugleich so banal.
Martin Parr, Be Bold With Bananas. Edition Ex Libris Nr. 27
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