Editionen, die Sie vielleicht verpasst haben

 
Friedrich Kunath
Friedrich Kunaths Werk ist getragen von Poetik, Melancholie, Ironie, Absurdität und Existenzialismus. Das Gewöhnliche spielt ebenso wie das Erhabene eine Rolle in seiner Kunst. Selbstbewusstsein und Zweifel widersprechen sich bei Kunath nicht. Seine Ausdrucksweise in Malerei, Zeichnung, Objektkunst, Fotografie, Video- sowie Mixed-Media-Installation und Performance ist immer überraschend und unendlich reich an Ideen. Seine Rauminszenierungen wirken oft befremdlich, verbinden das scheinbar Unvereinbare miteinander.
In der internationalen Kunstszene ist Kunath seit den späten 1990er Jahren erfolgreich und berühmt. Er wurde 1974 in Chemnitz geboren und wuchs in Ost-Berlin auf. Bei Walter Dahn studierte er an der Hochschule für Bildende Künste, heute lebt und arbeitet er in Los Angeles. 2012 erhielt er den renommierten Sprengel-Preis für Bildende Kunst.
Friedrich Kunath, I don't worry anymore
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Stefan Marx
„Ich wollte immer die visuelle Seite meiner Lieblingskultur mitgestalten.“ Das war der Teenagertraum von Stefan Marx, Künstler und Designer, der tief in der Skateboarder-Szene verankert ist. Bereits mit 16 Jahren gründete er sein eigenes T-Shirt-Label und brachte Zines in kleinen Auflagen heraus. Heute wird er heftigst umworben, sei es von Plattenfirmen, Verlagen oder Galerien. In Hamburg studierte er Typografie. Marx spricht von sich am liebsten als Zeichner. „Eine bewusste Entscheidung, Künstler zu werden, habe ich immer noch nicht getroffen“, sagt er. Es ist ihm wichtig, die Kunstwelt regelmäßig auch wieder verlassen zu können. Der Zauber seiner Arbeiten liegt im Alltäglichen, das sie verhandeln.
Stefan Marx, Feelings aren't final
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Robert Indiana
Er war einer der Hauptvertreter der amerikanischen Pop-Art. Robert Indiana wurde 1928 unter dem bürgerlichen Namen Robert Clark in New Castle, Indiana, geboren. Bekannt wurde er durch seine Textbilder. Sein Buchstabenwerk „LOVE“ (1966) hat ihn weltweit berühmt gemacht. Angeregt wurde die Idee zu „LOVE“ vom New Yorker Museum of Modern Art, das Indiana im Jahr 1965 darum bat, eine Weihnachtsgrußkarte zu gestalten. Erst später entstanden seine LOVE-Walls und LOVE-Skulpturen. Die schablonenhafte Schrift, adaptiert von der kommerziellen Schildermalerei, wurde zum Leitmotiv all seiner „Sign-Paintings“. Sie sind auch gestaltgebend in der vorliegenden Edition.
Robert Indiana, Polygon Square
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Thomas Prochnow
Die 2015 entstandene Arbeit „Vitamin“ von Thomas Prochnow ist ein Kunstwerk und ein fotografisches Dokument zugleich. „Vitamin“ zeigt eine Installationsansicht der gleichnamigen Arbeit aus Prochnows Werkschau „Der Zweite Öffentliche Raum“ aus ebendiesem Jahr, die im UNESCO-Welterbe Zeche Zollverein in Essen stattfand. An diesem denkmalgeschützten Ort hat Prochnow einen Raum im ehemaligen Stellwerk ausgewählt und dessen ursprünglichen Charakter durch eine künstlerische Intervention hervorgehoben und ergänzt. Farben im Spektrum von Blau-Grün bis Rot-Gelb wechseln sich an den Wänden ab und bringen sie zum Leuchten. Hier trifft Industriekultur auf monochrome Farbflächen. Durch Prochnows Eingriff wird der ganze Raum zum Kunstwerk: Die Wand- und Bodenflächen sind geprägt von jahrzehntelanger Abnutzung, in der Fotografie wirken sie hingegen wie durch Künstlerhand gestaltet.
Thomas Prochnow, Der Zweite öffentliche Raum (Vitamin)
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Reinhard Voigt
Blumenstillleben oder Computerspiel? Tulpenensemble oder Commodore 64-Game? Die klare Rasterstruktur dieses Siebdrucks von Reinhard Voigt gehört der Vergangenheit an. Die „Tulpen“ stammen aus dem Jahr 1974. Doch statt verwelkt zu sein, leuchten sie in sattem Rot. Echt sind sie nicht, sie sind „Bild“. Oder anders: Sie zeigen, woraus ein Bild gemacht ist ‒ aus Rasterpunkten bzw. Pixeln. Dieses Bild blickt in die Zukunft. Denn es ist per Hand gefertigt, verweist aber bereits auf das digitale Bild unserer Gegenwart. Auch wenn Voigts Arbeit heute nostalgisch wirkt, damals war „Fünf Tulpen“ seiner Zeit voraus und kündigte an, was heute im digitalen Zeitalter allgegenwärtig ist: Bilder sind konstruiert, sie sind zusammengesetzt aus Pixeln (Rastern).
Reinhard Voigt, Fünf Tulpen
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Anton Stankowski
Ein Quadrat – oder doch keines? Vier Farben oder doch viel mehr? Die Formensprache in dieser Edition ist klar, denkbar einfach. Und doch sieht man zweimal, dreimal hin, um die Grafik zu erfassen. Anton Stankowski gelingt es wie kaum einem anderen, die Wirkung von Farbe, Strich und Form bewusst einzusetzen und mit minimalen Mitteln ein kraftvolles Bild zu erschaffen. Und so wie in der Sprache ein Wort erst durch seine Stellung, grammatikalische Form und im Kontext mit anderen Wörtern Sinn ergibt, so erschließt sich in Stankowskis Kunst die Bedeutung eines Bildelements erst aus der Ordnung des ganzen Werks. Es waren vor allem die Jahre zwischen den beiden Weltkriegen, in denen sich – neben Stilrichtungen wie dem Surrealismus, der Neuen Sachlichkeit, dem Spätimpressionismus – das Interesse vieler Künstler, so auch Stankowskis, auf diese Satzlehre der Bildsprache richtete.
Anton Stankowski, Ohne Titel
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David Shrigley
„Particles of Truth“ (2018) passt gut zur derzeitigen Winterstimmung. Funkelnde Sterne am nachtklaren Himmel setzen in Ersterem den von Hoffnungen getränkten Gedankenfluss am Jahresanfang in Gang. Nicht minder poetisch ist David Shrigleys anderes Werk „Moon“. Auch hier wirkt das Tiefschwarz der Nacht magisch. Das Auge folgt der weißen Linie hinein ins Innere des Bildes. Der Wunsch, auf dem Mond zu landen, wird von Millisekunde zu Millisekunde stärker. Shrigley heißt in diesen beiden im Linolschnitt gefertigten Bildern die Nacht willkommen.
David Shrigley, Particles of Truth
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David Shrigley
„Moon“ (2019) passt gut zur derzeitigen Winterstimmung. Funkelnde Sterne am nachtklaren Himmel setzen in Ersterem den von Hoffnungen getränkten Gedankenfluss am Jahresanfang in Gang. Nicht minder poetisch ist David Shrigleys anderes Werk „Moon“. Auch hier wirkt das Tiefschwarz der Nacht magisch. Das Auge folgt der weißen Linie hinein ins Innere des Bildes. Der Wunsch, auf dem Mond zu landen, wird von Millisekunde zu Millisekunde stärker. Shrigley heißt in diesen beiden im Linolschnitt gefertigten Bildern die Nacht willkommen.
David Shrigley, Moon
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Rosemarie Trockel
Sie ist eine der bedeutendsten und vielseitigsten deutschen KünstlerInnen überhaupt: Rosemarie Trockel, die in den 70er Jahren erst Anthropologie, Theologie und Mathematik studierte, bevor sie zum Kunst- und Designstudium nach Köln wechselte, fertigt Skulpturen, Zeichnungen, Installationen und Objekte, die aus dem Rahmen fallen – unvorhersehbar, rätselhaft und lebendig.
Rosemarie Trockel, Ohne Titel
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Lars-Gunnar Nordström
Lars-Gunnar Nordström war ein finnischer Maler, Grafikdesigner, Bildhauer und Jazzliebhaber. 1924 geboren, arbeitete er über Jahrzehnte an seinem künstlerischen Werk, bevor er 2014 im hohen Alter von 90 Jahren starb. Als Pionier der Konkreten Kunst in Finnland schuf Nordström ein Œuvre aus streng komponierten Formen und Farben. Musik war dabei eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen.
Lars-Gunnar Nordström, Composition
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Miriam Vlaming
Miriam Vlaming ist es gelungen, einen festen Platz als Malerin in der männlich dominierten Kunstwelt einzunehmen. Von Arno Rink, deren Meisterschülerin sie an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchdruck in Leipzig war, lernte sie, dass „Kunst machen“ eine Haltung ist, die nicht nach getaner Arbeit abgelegt werden kann.
Miriam Vlaming, Berlin Babylon Girl
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Tilo Baumgärtel
Unwirklich surreal und gleichzeitig beunruhigend konkret ist die Malerei, mit der Tilo Baumgärtel, geboren 1972 in Leipzig, zu einem der international erfolgreichsten Vertreter der „Neuen Leipziger Schule“ rund um Künstlerkollegen wie Neo Rauch geworden ist.
Der ehemalige Meisterschüler von Arno Rink an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig hat nach alter Tradition malen gelernt. In seinen meist großformatigen Arbeiten voll schemenhafter Figuren, kulissenartiger Räume und unheimlicher Landschaften bringt er heute eindrücklich das Gefühl der neuen Zeit zum Ausdruck. Es sind surreale Stimmungsbilder aus einer unsicheren Welt, deren Realität so faszinierend verschoben erscheint wie die unserer Träume. Baumgärtels Werke sind in zahlreichen internationalen Privatsammlungen vertreten, wie etwa in der Rubell Family Collection, Miami.
Tilo Baumgärtel, Opposite Day
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John Cage
Der „Mozart Mix“ von John Cage ist das wahrscheinlich erste Sound-Multiple überhaupt. Herausgeber René Block arbeitete damals eng mit dem Künstler zusammen. „Nach der Klanginstallation ‚33 ½‘ von 1982 existierte der Wunsch nach einem Multiple, das Cages Idee von Klang repräsentieren könnte.“ Bei „33 1/3“ wurde aus einem Konzertstück eine Installation, in der das Publikum aus 100 Schallplatten an 12 Plattenspielern eine Klangmischung erschaffen konnte. „1991 – zum Mozartjahr – entstand dann ‚Mozart Mix‘“, so Block. Eine Klanginstallation in einem Holzkasten, hergestellt in einer Auflage von 35 Exemplaren, Mozarts Lebensjahren entsprechend. 25 Endloskassetten unterschiedlicher Länge enthalten verschiedene Mozart-Stücke, jeweils fünf werden gleichzeitig abgespielt – ein neuer Soundmix entsteht.
John Cage, Mozart Mix
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Françoise Pétrovitch
„Rougir“, deutsch „erröten“, so heißt eine ganze Serie von Siebdrucken der Künstlerin Françoise Pétrovitch. Mit der Grundfarbe Rot, einer Farbe, die Emotionen und Gefahr symbolisiert, wurde diese Arbeit gedruckt. Weiß ist die zweite Hauptfarbe des Bildes, nicht nur als Hintergrund.
Françoise Pétrovitch, Rougir (bronzage)
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Françoise Pétrovitch
„Rougir“, deutsch „erröten“, so heißt eine ganze Serie von Siebdrucken der Künstlerin Françoise Pétrovitch. Mit der Grundfarbe Rot, einer Farbe, die Emotionen und Gefahr symbolisiert, wurde diese Arbeit gedruckt. Weiß ist die zweite Hauptfarbe des Bildes, nicht nur als Hintergrund.
Françoise Pétrovitch, Rougir (coulures)
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Geneviève Claisse
Die Französin Geneviève Claisse (*1935) starb in 2018 im Alter von 83 Jahren. Sie war die Grande Dame der geometrischen Abstraktion. Claisse studierte an der École des Beaux-Arts in Paris. Ihre erste Ausstellung hatte sie 1960, in der Folge wurde ihr Œuvre weltweit in Museen und Galerien gezeigt. Herausragend ist die Stabilität im Schaffen der Malerin, auf ihr Werk ist Verlass. Stets herrscht ein Ungleichgewicht der Formen, die auf einen makellosen Farbauftrag treffen. Bei Claisse wird die Farbfläche lebendig, die Künstlerin war immer auf der Suche nach Bewegung. Insbesondere kommt diese Suche in ihren dreidimensionalen Arbeiten zum Ausdruck.
Geneviève Claisse, Composition géometrique
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Ralph Gibson
Der Amerikaner Ralph Gibson ist ein gefeierter Fotograf, der seit den 1960er Jahren vor allem für seine schwarz-weiß-Aktaufnahmen international bekannt ist. 1939 in Los Angeles geboren, begleitete der junge Gibson häufig seinen Vater, einen Regieassistenten von Alfred Hitchcock, in die Studios von Hollywood und wurde so früh mit der Kamera vertraut. Später folgten Assistenzen für die berühmten Dokumentarfotografen Robert Frank und Dorothea Lange. Diese schwarz-weiß Fotografie ist ein rares Fundstück aus dem Jahr 1996, das fast vergriffen ist.
Ralph Gibson, In situ
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David Lynch
Es war Lynchs frühere Lebensgefährtin Isabella Rossellini, die dem legendären Kunsthändler Leo Castelli Arbeiten von ihm zeigte, 1989 hatte Lynch dann eine Ausstellung in Castellis Galerie in New York. Inzwischen waren seine Kunstwerke immer wieder in großen Werkschauen auch in Deutschland zu sehen. 2010 erhielt Lynch den renommierten Goslarer Kaiserring. Mit „The Unified Field“ hatte der Künstler 2014/15 eine große, viel beachtete Retrospektive in der Pennsylvania Academy of the Fine Arts. Everything comes in circles.
David Lynch, Nude
Vergriffen
Jiří Georg Dokoupil
Über 100 verschiedene Stile und Techniken werden Jiří Georg Dokoupil von der Kunstwelt zugeschrieben. Er selbst meinte schon 1992, eine Retrospektive seines Werkes werde einmal aussehen wie eine Gruppenausstellung von 20 Malern. Dies hat sich inzwischen bewahrheitet: Große Soloausstellungen in den Hamburger Deichtorhallen oder im Museo Nacional Reina Sofia in Madrid sind der eindrucksvolle Beleg dafür.
Jiří Georg Dokoupil , Köpfe
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Roy Lichtenstein
Wer ist Freund, wer ist Feind? Wer hier spricht, das ist auf Roy Lichtensteins nach „Whaam!“ berühmtestem Kriegsbild nicht ganz klar. „As I Opened the Fire“ ist ein Triptychon, das wenige Sekunden zweier Kampfflugzeuge während der Schlacht zeigt. Das erste und das letzte der einem DC Comic mit dem Titel „All American Men of War“ nachempfundenen Panels vertauschte der gefeierte Pop-Art-Künstler, was das Verständnis dieser kurzen Episode zusätzlich erschwert. „As I Opened the Fire“ steht für Lichtensteins Vorliebe für Cartoons und Comics zu Beginn seiner Karriere und den Rückgriff auf die Populärkultur, mit der er und seine Weggenossen die bildende Kunst revolutionieren sollten.
Roy Lichtenstein, As I Opened the Fire
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Meret Oppenheim
Meret Oppenheim gelang ein kometenhafter Aufstieg als Künstlerin. Der Schweifstern kann als Sinnbild für ihre frühe Karriere stehen. „Kleiner Komet“ heißt auch die monogrammierte Farbserigrafie aus dem Kerber Verlag. Hier erinnert er an eine Art Himmelsgefährt, umwebt von vielen kleinen Sternen, golden glänzend wie er. Stehen die zwei Kreise für ein androgynes Wesen? So jedenfalls, geschlechtsneutral, wünschte sich Oppenheim stets die Kunst.
Meret Oppenheim, Kleiner Komet
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Dorothy Iannone
Welche Antwort gibt man auf diese Frage: „Doesn't everyone make mistakes in September?" Auf 2014 datiert ist diese Edition in Schwarz-Weiß. Die Originalzeichnung entstand bereits 1976. Damals zeichnete Dorothy Iannone das Motiv auf eine Postkarte. Noch im selben Jahr gab die in Boston, Massachusetts, geborene Künstlerin ihrem Leben eine neue Richtung und ging mit einem DAAD-Stipendium nach Berlin. Dort lebt sie bis heute. Neben dem ironisch anmutenden Text der Zeichnung fällt Iannones explizite Bildsprache ins Auge, ein Mix aus Comic-Ästhetik und tantrischer Malerei bzw. buddhistischer Motivik. Letztere entdeckte die Künstlerin auf ihren Auslandsreisen.
Weibliche Sexualität, freie Liebe: Iannones Kunst der Kompromisslosigkeit verweigert bereits seit den 1960er Jahren die Zensur. In Gemälden, Texten, Bilderzählungen und Filmen kämpft sie für die Emanzipation. Ihr Werk dreht sich um die sexuelle, aber auch intellektuelle Unabhängigkeit der Frau und ihrer Gleichheit im Verhältnis zum Mann.
Dorothy Iannone, Doesn’t Everyone Make Mistakes in September?
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Christo
24 Jahre lang bemühten sich Christo und Jeanne-Claude um die Realisierung ihres Projekts „Verhüllter Reichstag“. Mit 292:223 Stimmen (bei 9 Enthaltungen) endete schließlich am 25. Februar 1994 die Abstimmung im Deutschen Bundestag – mehr als eine Stunde war dort über das Kunstwerk debattiert worden.
Wenn man die magischen Bilder der Aktion sieht und Zeitzeugen hört, lässt sich nur schwer nachvollziehen, wie viele Widerstände es damals gab. Dabei war dem Künstlerpaar die Bedeutung ihres Projekts durchaus bewusst. „Wir verhüllen nicht nur ein Gebäude. Wir verhüllen die deutsche Angst, den deutschen Stolz, die deutsche Vergangenheit“, sagte Jeanne-Claude 1995 in einem ZEIT-Interview.
Die handsignierte Edition „Reichstag X“ zeigt die gewaltigen Ausmaße der Verhüllungsaktion ‒ die fließenden Stoffbahnen erscheinen in ihren schieren Abmessungen auch im Rückblick noch wie ein Wunder.
Christo, Reichstag X
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Michael Sailstorfer
Eine seiner frühesten Arbeiten verwirklichte Michael Sailstorfer noch ohne Auftraggeber: Er stattete Wartehäuschen an Bushaltestellen in seiner bayrischen Heimat mit Betten, Kochstellen, Tischen, Stühlen und Toiletten aus und nannte seine Installationen „Wohnen mit Verkehrsanbindung“. Und schon sie verweisen auf zwei wichtige Komponenten seiner Arbeitsweise: die Lust an der Umwandlung von Alltagsobjekten und Humor.
Michael Sailstorfer, P 99
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Hanne Darboven
Schon morgens um vier Uhr saß Hanne Darboven in ihrer Schreibstube, um erst am Mittag den Griffel aus der Hand zu legen. Für die Künstlerin war das Leben eine von Stundenplänen geregelte „Hausaufgabe“, unter die man abends ein Häkchen setzt. Aus dieser Disziplin entstand ein anspruchsvolles Werk, das man näherungsweise als künstlerisches Schreibwerk, als bildende Kunst und als minimalistische musikalische Kompositionsarbeit bezeichnen könnte. Das Thema „Stundenplan“ ist auch in „Theatre“ deutlich sichtbar. Täglich führte Darboven mit einer Gründlichkeit, die gleichermaßen grandios, einschüchternd wie furchterregend ist, Buch.
Hanne Darboven, Theatre
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Joseph Beuys
Aktionskünstler, Bildhauer, Sozialphilosoph und Exzentriker: Joseph Beuys gilt weltweit als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts überhaupt. Getreu seiner Maxime „Jeder Mensch ist ein Künstler" machte er auch sich selbst zum Kunstwerk: Sein Auftreten mit Hut, Sportweste und enormem Charisma bleibt einzigartig. In legendären Aktionen trug er, den Kopf mit Blattgold und Honig beschmiert, 1965 einen toten Hasen durch eine Ausstellung und führte damit vor, „wie man dem toten Hasen die Kunst erklärt", oder baute für die documenta 6 im Jahr 1977 seine „Honigpumpe am Arbeitsplatz", eine riesige, über mehrere Stockwerke verteilte Anlage, die insgesamt drei Zentner "Honig der marke Langnese" durch ein Schlauchsystem transportierte. Beuys’ Aktionen bestanden aus vielfach verstörenden Handlungen und Gesten, die unsere verkrusteten Denkmuster sprengen: verstiegen, aber nie verrückt – einfach, aber nie banal – genial.
Joseph Beuys, Beuys boxt für Direkte Demokratie
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Victor Vasarely
Sein malerisches Schlachtfeld war die geometrische Abstraktion. Und ihr fügte Victor Vasarely durch raffinierte Raumsuggestionen eine entscheidende Komponente hinzu: den optischen Effekt. Deshalb gilt der in Ungarn geborene Künstler (1908‒1997) als Vater der sogenannten Op-Art. Diese fordert uns mit wahrnehmungspsychologischen Wirkungen von Bildmustern heraus, löst Bewegungs- oder Flimmereffekte auf der Netzhaut aus. In die Kunst Vasarelys flossen auch seine Erfahrungen als Grafiker ein. Für die Olympiade in München 1972 entwarf er das offizielle spiralenförmige Logo. Und auch die Raute von Renault entstammt seinem Zeichenblock. Von 1955 bis 1968 waren seine Arbeiten regelmäßig auf der Kasseler Documenta zu sehen. Vasarely gründete im Jahr 1976 die Fondation Vasarely in Aix-en-Provence. In seiner Geburtsstadt Pécs eröffnete 1976 das Vasarely-Museum. Ein weiteres folgte 1987 in Budapest.
In 2018 / 2019 zeigt das Städel Museum in Frankfurt eine Retrospektive des Künstlers.
Victor Vasarely, Voeroech
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Louise Bourgeois
Louise Bourgeois eine Grande Dame der zeitgenössischen Kunst zu nennen, ist nicht zu hoch gegriffen, schließlich stellte die 2010 mit 98 Jahren verstorbene Künstlerin in den großen Museen weltweit aus. 1983 richtete ihr das Museum of Modern Art in New York als erster Künstlerin eine Einzelausstellung aus. Ihre Skulpturen und Installationen aus Bronze und Marmor, Gips, Latex und Textilien erzielen Höchstpreise – sie gilt als eine der teuersten Künstlerinnen der Gegenwart überhaupt. Und doch trifft die Würdigung nicht ganz: Denn bis zuletzt verweigerte sich die geborene Französin, die ab 1938 in New York lebte, dem Gesetzten, Damenhaften. Im Rahmen der legendären Salons in ihrem Atelier in Chelsea suchte sie noch in hohem Alter den Austausch mit jungen Künstlern.
Sie blieb eine Fragende, die in ihrer autobiografisch motivierten Kunst Angst, Hass, Wut und vor allem ihre traumatischen Kindheitserinnerungen thematisierte. Welche Grande Dame ließe sich von Robert Mapplethorpe porträtieren, verschmitzt lächelnd im Fellmantel mit übergroßem Phallus unter dem Arm? Eben. Und so können wir Louise Bourgeois in Erinnerung behalten als weise alte Frau mit großem Humor, die uns gelehrt hat, dass Schmerz und Tod zum Leben gehören und das Fragen niemals endet.
Louise Bourgeois, The Reticent Child
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